Ein warmes Lächeln in eisiger Kälte
10.02.2012 | 16:55 Uhr 2012-02-10T16:55:00+0100
Brilon.Wohlige Wärme und der Duft von Kräuterölen empfangen die Besucher, die aus der klirrenden Kälte hineintreten in die Räume der „Punnakea Thai-Massage & Spa“ in Brilon. Auchaporn Tilli begrüßt sie mit einem warmen Lächeln. Die 33-Jährige stammt aus der Metropole Bangkok. Der Kontrast könnte nicht krasser sein: In der thailändischen Hauptstadt zeigt das Thermometer momentan etwa 30 Grad an.
Doch an das Sauerländer Wetter hat sich Auchaporn Tilli längst gewöhnt. Seit fast 13 Jahren lebt sie inzwischen hier und fühlt sich sehr wohl. Und gegen die Kälte kann man sich ja warme Jacken anziehen“, lacht sie. „In Thailand ziehen die Menschen bei plus 20 Grad Jacken an.“
Es war die Liebe, die die damals 20-Jährige in die Stadt des Waldes führte. Im Urlaub lernte sie ihren späteren Mann kennen und folgte ihm nach Deutschland. „Anfangs war es nicht leicht“, erinnert sie sich an die ersten Jahre. „Wir wohnten sehr außerhalb. Ich konnte kaum deutsch sprechen, hatte nur sehr wenige Kontakte und konnte hier nicht in meinem Beruf als Bank- und Bürokauffrau arbeiten.“ Aber - und das war sehr wichtig für sie: „Alle haben mich sehr freundlich hier aufgenommen und mir geholfen.“ Die Deutschen seien zunächst viel zurückhaltender als die Menschen in Thailand.. aber: „Die Menschen in Deutschland brauchen einfach mehr Zeit, um sich kennen zu lernen, aber wenn man sich näher kennen lernt gibt es hier sehr gute Freundschaften,“ so ihre Erfahrung.
Und so suchte und fand die junge Thailänderin schließlich einen neuen Beruf und lernte deutsch. Seit 2010 besitzt sie die deutsche Staatsangehörigkeit. Den Schritt in die neue Heimat hat sie nicht bereut. Ein- bis zweimal pro Jahr fliegt sie nach Bangkok, um ihre Familie zu treffen, aber auch um sich dort in den verschiedenen Massagetechniken weiter aus- und fortzubilden.
Am Old Medicine Hospital absolvierte sie zunächst eine medizinische Tempelmassage-Ausbildung. Von den deutschen Krankenkassen werden die Kosten allerdings nicht übernommen. Dennoch kommen viele Menschen nicht nur zur Entspannung in die „Punnakea“ Thai-Massage, sondern mit ganz konkreten gesundheitlichen Problemen. „Viele Menschen hier in Deutschland haben Rückenschmerzen und Verspannungen und suchen nach alternativen Behandlungsmethoden“, erzählt die Brilonerin. Im Angebot hat sie unter anderem Öl- , Kräuter- und Aromatherapie-, Fußreflexzonen- und Hot-Stone-Massagen.
Dementsprechen voll ist ihr Terminkalender. Ein elf-Stunden-Arbeitstag ist keine Seltenheit; sicher auch körperlich manchmal ganz schön anstrengend für die eher zierliche Frau. Doch Auchaporn Tilli ist froh, einen Beruf gefunden zu haben, der ihr Spaß macht. Zumal sie auch durch ihre Arbeit sehr viel mehr Kontakt zu den Menschen bekommen hat. Und das wiederum hat sich natürlich sehr schnell auch auf ihre sprachlichen Kenntnisse ausgewirkt.
Sie erklärt: „Für mich ist es wichtig, neben meiner Familie ein berufliches Standbein zu haben, das mir viele interessante Kontakte beschert.“
Heute wohnt Auchaporn Tilli direkt über ihrer Arbeitsstelle. „Wir leben hier wie andere deutsche Familien auch; außer vielleicht, dass wir sehr oft thailändisch kochen.“ Und: Ihre 15-jährige Tochter ist dreisprachig aufgewachsen. Sie spricht deutsch, englisch und thailändisch.
„Punnakea“ ist übrigens das thailändische Wort für Vollmond. Massagen sollen zu dieser Zeit besonders beruhigend und anregend wirken. Auchaporn Tilli lächelt, legt die Handflächen aneinander und verabschiedet sich mit einem leichten Kopfnicken.
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