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Gedenkstein eingeweiht

Ein Symbol der Zerrissenheit

09.11.2009 | 13:38 Uhr

Brilon. Der neue Gedenkstein für die ermordeten jüdischen Briloner ist jetzt auf dem Platz der alten Synagoge eingeweiht worden.

In der deutschen Geschichte hat der 9. November zwei historische Gesichter: Neben dem zelebrierten Mauerfall heute vor 20 Jahren war die Reichspogromnacht vor 71 Jahren der Auftakt für die systematische Verfolgung der Juden.

Trotz des dunkelsten Kapitels in Deutschlands Geschichte vereinte laut Bürgermeister Franz Schrewe auch ein guter Grund die Menschen auf dem Platz der ehemaligen Synagoge. „Wir haben einen würdigen Ort des Gedenkens geschaffen.”

Weit mehr als 100 Bürger kamen zur Einweihung. „Wir haben uns hier versammelt, um auch mehr als 65 Jahre nach der Ermordung der Briloner Mitbürger zu zeigen, dass sie nicht vergessen sind”, sagte Schrewe.

Dafür soll das Denkmal sorgen: Ein weißer Quader, durch dessen Mitte sich ein großer Spalt zieht. Eine der vier Seiten ziert die Bronzeplatte des kleinen, alten Gedenksteins, die andere trägt eine große Platte mit den Namen der Ermordeten und die dritte erinnert an die Einweihung. Die vierte Seite ist frei geblieben.

Dieser zerrissene Würfel soll die Spaltung und Zerstörung der Gesellschaft symbolisieren. „Dieses Denkmal ist Kunst”, erklärte Schrewe und regte die Diskussion in Brilon an: „Das soll man und das muss man, damit das Thema lebendig bleibt.” Die Idee für das Denkmal hatte Staddtbaudirektor Johannes Nolte, dem Schrewe für seinen unermüdlichenEinsatz dankte.

Ebenfalls anwesend waren zwei Autorinnen aus Hoppecke: Ursula Hesse und Dr. Sigrid Blömeke haben über das Leben dieser jüdischen Familien geschrieben und auch die ehemalige Synagoge erforscht. An dieser Stelle steht nun der Gedenkstein.

Andere Ideen, etwa neben den Namen aller Ermordeten und deren Geburtsjahr auch ihre Adressen zu verewigen, konnte aufgrund der hohen Anzahl von 103 Menschen nicht verwirklich werden. „Wir haben uns deshalb darauf beschränkt, den Namen und das Geburtstjahr aus einer großen Edelstahlplatte mit Laserstrahl herauszubrennen und so lesbar zu machen”, erklärte der Bürgermeister.

Diese Arbeit hat die Madfelder Firma „Die Blechprofis” vorgenommen. Den Kubus des Denkmals hat die Firma Gödde in Wadersloh gegossen. „Das Weiß des Betons steht für die Unschuld der Kinder und Jugendlichen”, erläuterte Johannes Nolte. Der Stein stehe für die jüdische Gemeinschaft und der Bruch symbolisiere ihre Zerstörung.

Die Arbeiten im Umfeld hat das Bauunternehmen Göke aus Altenbüren übernommen. Finanziell unterstützt hatten das Projekt der Briloner Heimatbund Semper Idem und die Demokratische Initiative.

Nach dem offiziellen Teil nahmen die zahlreichen Briloner das Denkmal in Augenschein - vor allem der durchgehende Spalt fand großen Zuspruch.

Katja Gohsmann

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Kommentare
10.11.2009
01:20
Ein Symbol der Zerrissenheit
von S. Meyer | #1

Schade, dass Marsberg, wo es vor dem Schreckensreich prozentual nach Frankfurt die größte jüdische Gemeinde Deutschlands gab, den Toten nichts widmet. Und dass die ehemalige Synagoge abwechselnd Disko oder Restaurant beherbergt.

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