Ein Lebkuchenherz als Dank für das frühe Aufstehen
11.12.2011 | 17:18 Uhr 2011-12-11T17:18:00+0100
Brilon-Bestwig-Brilon. WP-Volontär stellte sich am Sonntagmorgen den Wecker, um den ersten offiziellen Personenzug von Brilon Stadt nach Bestwig zu erwischen / Als Dank gab’s was Süßes
(ba)
Was man nicht alles macht für den Job. Normalerweise hab ich’s mit Reden vor 8 Uhr morgens nicht so, schon gar nicht mit Arbeiten. Aber heute bin ich früh gefordert. Ich möchte dabei sein bei der ersten Personenfahrt vom neuen Bahnhof Brilon Stadt. Also schellt der Wecker schon um halb sieben, am Sonntag (!).
Und beinahe scheitert mein Vorhaben schon, bevor es richtig los gegangen ist. Zwei Tassen Kaffee und das Freikratzen des Autos bringen mich in Verzug. Tut mir leid, denke ich, aber ich muss das schlaftrunkene Brilon mit nicht ganz vorschriftsgemäßer Fahrweise stören. 7.45 Uhr – mich irritieren ein paar „Durchfahrt verboten“-Schilder vor der Einfahrt Richtung Bahnhof, aber ich komme doch unbehelligt an. 7.46 Uhr – ein Glück, der Zug wartet. Auch als ich vergeblich versuche, eine Fahrkarte zu ziehen. Der Automat ist kaputt. Ich lasse es drauf ankommen. Schnell ein Foto machen, dabei bin ich im Übrigen nicht der einzige, und dann rein. Der Zug wartet, bis alle eingestiegen sind, nett von der Deutschen Bahn.
Die Abteile sind nicht so leer, wie ich es um diese komische Zeit erwartet hätte. Gut zehn Gäste sitzen mit mir in der Bahn – und wir fahren pünktlich um 7.47 Uhr Richtung Bestwig ab.
Ich setze mich zu Waldtraud Hilkenbach, Maria Kleinschmidt und Annemarie Merke. Drei Freundinnen, die nach Köln fahren, um von dort aus mit der MS Gloria auf dem Rhein ein paar Weihnachtsmärkte anzusteuern. „Die Reise haben wir schon im August gebucht, aber als wir gehört haben, dass der Bahnhof wieder öffnet, haben wir uns gedacht: Das passt ja“, erzählt Maria Kleinschmidt. Über Dortmund geht’s für die drei Brilonerinnen in die Domstadt. Knapp vier Stunden soll ihre Fahrt dauern. Sie haben ein NRW-Ticket und können mich mitnehmen – eine Sorge weniger. Wir plaudern weiter, während uns hinter den Bergen von Brilon Wald die ersten Sonnenstrahlen anlächeln.
Apropos Brilon Wald – ganz schön abgerockt dieser kleine Bahnhof, denke ich mir, als ich das Unkraut zwischen den Bahnsteigplatten sehe und die ersten Fahrgäste wieder aussteigen. Aber wer alle zwei Wochen bei BVB-Heimspielen in Dortmund-Barop verkehrt, den schockt nix mehr.
Es wird heller und wir nähern uns Bestwig. Der Zugführer verabschiedet sich und ich tue das Gleiche mit den drei netten Damen. Ich brauche mehr Kaffee, muss aber schon in einer halben Stunde zurück sein. Da wartet die zweite erste Fahrt auf mich. Nämlich die nach Brilon Stadt zurück.
Ein Café gibt’s zum Glück direkt am Bahnhof. Pünktlich um 8.40 Uhr bin ich wieder am Bahnsteig. Fahrkartenautomat, die Zweite. Ich tippe Brilon Stadt ein und es erscheint der Fahrpreis: 4,60 Euro. 4,60 Euro? Der Automat muss auch kaputt sein, denke ich mir. Ich bezahle mit einem Murren. 8.44 Uhr geht’s zurück in die Stadt des Waldes.
Nun, bei aufgegangener Sonne, sehe ich, wie schmuck die Strecke eigentlich ist. Ein paar Schneereste, viel Wald, malerisch. Ein Kontrolleur kommt vorbei. Ich zeige ihm mein Ticket und frage ihn, warum die Bahn so eine Apotheke ist. „Ich mache die Preise nicht“, sagt mir Christian Groeger in nettem Ton, „aber ich kann Sie verstehen“.
Er erklärt mir auf Anfrage, dass der Zug acht Plätze in der ersten und 63 Plätze in der zweiten Klasse hat. Der Triebwagen ist ein 640er, einer von Dreien neben dem 648er und dem 628er, die auf der Strecke eingesetzt werden. Groeger geht kurz zum Lokführer und kommt bepackt wieder. Jedem Fahrgast schenkt er ein Lebkuchenherz mit der Aufschrift „Nächster Halt - Brilon Stadt“. Danke, Herr Groeger, das Aufstehen hat sich doch gelohnt.
0mitdiskutieren