Ein heute noch moderner Zugang zur Religion

Alle zehn Jahre spielt die Freilichtbühne Hallenberg die Passion. Im Jahr  2020 ist es wieder soweit.
Alle zehn Jahre spielt die Freilichtbühne Hallenberg die Passion. Im Jahr 2020 ist es wieder soweit.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Passionsspiele sind gefragter denn je. Das hat die Volkskundliche Kommission beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe herausgefunden.

Hallenberg/Münster..  Trotz der rund 600 Kilometer, die Hallenberg von Oberammergau trennen, gibt es doch eine Gemeinsamkeit, die diese beiden Orte, die wohl unterschiedlicher nicht sein können, verbindet: die Passionsspiele.

Seit 1634 werden in Oberammergau alle zehn Jahre Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu Christi aufgeführt. Eine so alte Tradition gibt es in Hallenberg zwar nicht, der Begeisterung des Publikums für die Aufführungen auf der Freilichtühne im Sauerland tut dies aber keinen Abbruch.

Deutliche Zunahme an Spielorten

Die Volkskundliche Kommission beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe ist auf Spurensuche der szenischen Darstellung des Lebens und Leidens Jesu Christi in Westfalen gegangen.

„Spannend ist zurzeit vor allem, dass es in Westfalen seit kurzer Zeit eine deutliche Zunahme an Passionsspielorten gibt“, sagt Christiane Cantauw, Geschäftsführerin der Volkskundlichen Kommission. Die Aufführungen in Hallenberg, in Lippetal (Kreis Soest), in Salzkotten-Verne (Kreis Paderborn) und in Gelsenkirchen erfreuen sich hoher Beliebtheit.

In Gelsenkirchen führt mit Elmar Rasch übrigens ein Profi Regie, der auch schon im Jahr 2000 in Hallenberg für die Inszenierung der Leidensgeschichte Christi zuständig war.

Cantauw: „In der heutigen Zeit sind neue und andere Zugänge zur Religion gefragt. Die Kirchenfrömmigkeit mag insgesamt abnehmen, das heißt aber nicht, dass die Gläubigen der Religion den Rücken gekehrt haben. Sie möchten das Gefühl haben, dass die Glaubensinhalte immer wieder neu und spannend für sie aufbereitet werden. Passionsspiele setzen genau bei diesem Bedürfnis an.“

Seit dem Mittelalter

Bereits im Mittelalter zogen die geistlichen Spiele viele Menschen in ihren Bann, stellten sie doch eine Möglichkeit dar, biblische Inhalte kennenzulernen und ihren Sinn zu verstehen. „In den Kirchen wurde lateinisch gesprochen, so dass die einfachen Leute, die diese Sprache der Gebildeten nicht beherrschten, buchstäblich kein Wort verstanden. Sie benötigten Bilder, um sich mit den Inhalten der Religion vertraut zu machen. Die bewegten Bilder der Passionsspiele hatten dabei noch den zusätzlichen Vorteil, dass ihre teils mehrtägigen Aufführungen den Alltag durchbrachen und Abwechslung versprachen“, so Christiane Cantauw.

Die Freilichtbühne Hallenberg führte übrigens 1950 anlässlich des von Papst Pius XII. ausgerufenen Heiligen Jahres die Passion auf. Gleichzeitig legte die Spielerschar fest, die Passion alle zehn Jahre zu inszenieren. Das Stück steht in 2020 das nächste Mal auf dem Spielplan.