Ein Blick in die glühende „Kohlen-Hölle“

Der Meiler hat in einer Woche ein Drittel seines Volumens eingebüßt. Auf die richtige Belüftung achtet Köhlermeister Karl-Josef Tielke (2.von li.) und seine Köhler-Azubis Johannes Götte, Willi Raffenberg und Reinhard Nolte
Der Meiler hat in einer Woche ein Drittel seines Volumens eingebüßt. Auf die richtige Belüftung achtet Köhlermeister Karl-Josef Tielke (2.von li.) und seine Köhler-Azubis Johannes Götte, Willi Raffenberg und Reinhard Nolte
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Noch bis Donnerstag läuft die Meilerwoche in Giershagen. Geboten wird dort ein buntes Rahmenprogramm. Am Donnerstag wird die Kohle verkauft.

Giershagen.  . „Wills Du mal in die Hölle gucken?“ Köhler-Azubi Willi Raffenberg harkt mit der Forke die oberste Schicht aus Erde und Heu am unteren Saum des Köhlermeilers beiseite. Rotglühende, fast schon fertige Holzkohle kommt zum Vorschein. Seine Köhler-Azubi-Kollegen Johannes Götte und Reinhard Nolte spießen mit einem zwei Meter langen Kupferrohr Löcher in den Meiler, um ihn zu belüften. „Je nachdem, wie es im Inneren knirscht, weiß man, wie weit das Holz zur Holzkohle verkokelt ist“, erklärt Willi Raffenberg.

Meileröffnung steht bevor

„Dreiviertel der Holzkohl im Meiler ist fertig“, glaubt Köhlermeister und Präsident des europäischen Köhlervereins Karl Josef Tielke. Der Rest werde jetzt verschweelen. Dienstagmorgen rechnet Tielke damit, dass die Holzkohle fertig ist. Dann wird der Meiler geöffnet. Die Holzkohle kann erkalten, so dass sie am Donnerstag, auf Fronleichnam, dem letzten Tag der Meilerwoche, verkauft werden kann. Die Köhler-Mannschaft rechnet und hofft auf ungefähr zwei Tonnen feinste Buchenholzkohle. „Der Kohlenstoffgehalt liegt bei der handgemachten Kohle bei 90 Prozent“, zeigt sich der Köhlermeister voll überzeugt von seinem Produkt. Immerhin 20 Prozent mehr als bei der Industriekohle. Tielke: „Man braucht weniger Holzkohle und sie brennt länger.“ Er empfiehlt beim Grillen mit der handgemachten Kohle, den Grill sofort eine Stufe höher einzustellen. Wenn das Grillen beendet ist, die Kohle einfach löschen. Nicht wegwerfen. Sie kann sogar noch einmal verwendet werden.

Buntes Rahmenprogramm

Um die 500 Menschen ließen sich allein am Sonntag auf dem Meilergelände an der Freizeitanlage Grube Reinhardt an der Diemel blicken. Passend zum Tagesmotto „Feld, Wald und Wild“ lockte in der Meilerküche leckeres Wildgulasch. Die Sauerländer Oldies unterhielten mit zünftiger Blasmusik, die Köhler-Crew wurde nicht müde, das Öko-System Kohlemeiler zu erklären.

Bei der Flugshow von Tatjana Kosfeld von der Falknerei Eulenhof aus Borntosten drehte der Wüstenbussard seine Runden über den Meilerplatz. Und einige Meter weiter ratterten unermüdlich die altertümlichen Membranpumpen. Der Oldtimer-Club Westheim demonstrierte mit ihnen, wie um 1927 Grundwasser abgepumpt wurde oder eine Ölpumpe in Texas funktionierte.