Drei Säulen für den Wald der Zukunft

Insgesamt vier Hirschegeweihe zieren die Fassade des Briloner Rathauses
Insgesamt vier Hirschegeweihe zieren die Fassade des Briloner Rathauses
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Mit einem Drei-Säulen-Modell stellen die Stadt Brilon und die Jagdpächter ihr Verhältnis auf eine neue Basis. Ziel ist der Aufbau eines zukunftsfähigen, nachhaltigen Waldes.

Brilon..  Holz aus dem Briloner Stadtwald wird auch künftig das PEFC-Siegel tragen. Der Rat hat am Abend einstimmig ein Drei-Säulen-Modell verabschiedet, um die waldbaulichen und jagdlichen Ziele im Sinne einer nachhaltigen Forstwirtschaft zu gewährleisten und die Vermarktung des im Stadtwald geschlagenen Holzes sicherzustellen.

Dabei werden vor allem die Jagdpächter in die Pflicht genommen. Denn schließlich haben die massiven Wildschäden dazu geführt, dass die Stadt des Waldes um Nachhaltigkeitssiegel bangen musste. Bürgermeister Dr. Christof Bartsch: „Wir haben eine hohe Vermögensverantwortung für den Wald.“ Mit 73,5 Millionen Euro steht der 7750 ha große Forst im kommunalen Finanzbericht. Angesichts der generationenübergreifenden Wertschöpfung stehe die Stadt vor der Aufgabe, den ökonomischen, ökologischen und sozialen Funktionen des Waldes „heute und in Zukunft gerecht“ zu werden. Der absehbare Klimawandel erfordert dabei den Aufbau eines vielfältig strukturierten Dauermischwaldes.

Schälschaden-Monitoring

Als erstes will die Stadt ein Schälschaden-Monitoring einführen. Dabei soll das vom Landesbetrieb Wald und Holz angewandte Verfahren eingesetzt werden, um Ausmaß und Entwicklung der lokalen Wildschäden vergleichen zu können.

Zudem sollen neue Verträge die Pächter verstärkt zur Minimierung von Wildschäden anhalten. „Voraussetzung für naturnahe und leistungsfähige Waldwirtschaft ist eine wild- und waldgerechte Jagd“, heißt es in der Präambel. Vor allem sei eine „zu hohe Schalenwildkonzentration insbesondere durch Abschuss zu minimieren“. Und da macht die Stadt - zumindest formal - Druck. So werden Jagden künftig nicht mehr für 10 bzw. 12 Jahre verpachtet, sondern nur noch auf fünf Jahre. Wobei sich die Pacht jeweils um ein Jahr verlängert, wenn sie nicht von einer der beiden Seiten gekündigt wird. Bei einem beidseitigen guten Miteinander steht einer Pacht bis zu 12 Jahren nichts im Wege. Dann allerdings werden, wie heute, die Karten neu gemischt.

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In den neuen Verträgen erkennen die Pächter „ausdrücklich an, dass die Belange der Land- und Forstwirtschaft vor denen der Jagd gehen“. Und der Pächter muss auch schriftlich anerkennen, dass die Wilddichte „insbesondere im Hinblick auf das Rotwild, aber auch auf das Reh- und Schwarzwild so hoch“ sei, dass „immense Schäden entstehen“. Und er muss akzeptieren, dass zusätzlich zu seinen eigenen Bemühungen, diese Schäden zu minimieren, in seinem Revier die Stadt eine revierübergreifende Jagd pro Jahr ansetzen kann, bei der sie „vollumfänglich das Zepter in der Hand“ hat. Die Stadt legt den Termin fest, stellt die Liste der Jagdgäste zusammen - der Pächter kann immerhin Vorschläge einreichen und das Wildbret behalten.

Abstimmung mit Nachbarkommunen

Den neuen Muster-Jagdpachtvertrag hat die Stadt Brilon übrigens mit den Nachbarkommunen Warstein, Rüthen und Meschede abgestimmt.

In vier Runden haben Vertreter der Stadt, des Forstes und der Jägerschaft über ihr künftiges Miteinander beraten und dabei auch externe Ratschläge eingeholt, wie z.B. in einer öffentlichen Info-Veranstaltung im Bürgersaal. Forstdirektor Dr. Bub betont die Offenheit, mit der alle Seiten das Thema angegangen und zu dem konstruktiven Abschluss geführt haben. Dabei haben „gleichwertige Partner“ am Tisch gesessen. Auf Augenhöhe wolle man sich auch künftig begegnen.