Drei, gleichsam wie von einer Hand geleitet

Glindfeld..  Drei Instrumente: Klavier, Violine und Violoncello - die klassische Besetzung eines Klaviertrios für den kammermusikalischen Auftritt eines kleinen Instrumentalensembles auf Gut Glindfeld. Der an heutige moderne Musikdarbietungen mit hohem technischem Aufwand gewöhnte Zeitgenosse wird vermutlich kaum für glaubhaft halten, welche Vielfalt an Ausdrucksformen „nur“ mit diesen drei Instrumenten von leisesten Gefühlsregungen bis eruptiver Dynamik möglich ist.

Zarte Klänge

Die drei Künstlerinnen des Boulanger Trios – Karla Kaltenwanger, Klavier, Birgit Erz, Violine und Ilona Kindt, Violoncello – hatten für ihren Auftritt alles „im Gepäck“, um solche Vielfalt mit den Mitteln der Musik zu verwirklichen.

Mit Franz Schubert, Joseph Haydn und Arnold Schönberg standen drei Komponisten aus der Musikstadt Wien auf dem Programm.

Mit einfühlsamen, leisen und zarten Klängen startet die Musik in Schuberts „Notturno“ Es-Dur, D 897, die den Zuhörer sogleich sanft mitnimmt – zunächst sehr harmonisch ungestört. In diese Stimmung fließen jedoch immer wieder auch melancholische Melodiemuster ein – vielleicht eine Ahung des bevorstehenden Lebensendes des Komponisten, bei aller Schönheit Hinweis auf Verhängnisvolles. Schon gleich in diesem ersten Teil des Konzerts wird deutlich, wie die drei, gleichsam wie von einer Hand geleitet, reibungslos miteinander kommunizierend ein geschlossenes Gesamtklangbild erzeugen und die Zuhörer in die Erlebnis- und Gefühlswelt des Franz Schubert mitnehmen.

Mit dem sich anschließenden Trio d-moll (Hob. XV: 23) lassen die drei Künstlerinnen ihre Zuhörer ein Wechselbad zwischen den eher etwas ruhigeren ersten beiden Teilen und dem furiosen dritten „Vivace“-Teil erleben.

Die drei Instrumente realisieren hier in rasantem Tempo scheinbar nebeneinander die brillanten Einfälle des Komponisten Joseph Haydn, eines starken Förderers des Kammermusikgenres „Klaviertrio“. Einem scheinbaren Verwirrspiel gleich wechseln auf den drei Instrumenten fugal anmutende Melodiepassagen mit durch unterschiedlichen Auftaktformen sowie durch Synkopen variierende Partien einander ab. Die Realisation dieser brillanten Kompositionsideen Haydns erfordert die exzellente Beherrschung der jeweiligen Instrumente durch die drei Künstlerinnen.

Dass sie bei diesem temporeichen Wechselspiel immer noch den Dreiertakt des Menuetts beizubehalten wissen und in harmonischer Gesamtheit auftreten, verdient großen Respekt.

Gefühlsbetonte Facetten

Arnold Schönbergs „Verklärte Nacht“ op. 4 bildet den Schlusspunkt des Konzertes. Dem Anspruch der Schönbergschen Programmmusik entsprechend gelingt es den Künstlerinnen bravourös, die in Musik gefasste dramatische Vorlage des Gedichtes von R. Dehmel mit all ihren gefühlsbetonten Facetten und ihrem ungewöhnlichen Ausgang für den Zuhörer intensiv erlebbar zu machen: Große Tragik einer gebrochenen Beziehung wandelt sich durch echte Liebe.

Eine „verklärte Nacht“ eben – dargestellt mit den reichhaltigen Mitteln der Instrumente Klavier, Violine und Violoncello durch drei Künstlerinnen, die mit ihnen gekonnt umzugehen wissen.