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Dr. Ralf Certa: „In den nächsten zehn Jahren wird es einen Exitus von Arztpraxen”

27.03.2009 | 17:08 Uhr
Dr. Ralf Certa: „In den nächsten zehn Jahren wird es einen Exitus von Arztpraxen”

Altkreis. Insgesamt 460 Anrufe hat Mediziner Dr. Ralf Certa an nur einem Tag angenommen. Alle wollten wissen, was es mit der Podiumsdiskussion des Ärztevereins am 22. April auf sich hat. „Das Interesse ist riesig. Wir haben Anfragen von Schleswig-Holstein bis ins tiefste Bayern”, freut sich Certa.

Dabei ist die Idee für die Informationsveranstaltung in der Briloner Schützenhalle, die in dieser Form bundesweit einmalig ist, beinahe zufällig beim Ärztestammtisch entstanden. „Wir unterhielten uns über das neue Regelleistungsvolumen und stellten fest, dass alle anwesenden Ärzte bis zu 40 Prozent Einnahmeverlust zu verbuchen haben”, erzählt Dr. Certa.

Ein Umstand, der einige Ärzte im Hochsauerlandkreis dazu zwinge, über eine Schließung ihrer Praxis nachzudenken (WP berichtete). „In den nächsten zehn Jahren wird es einen Exitus von Arztpraxen geben.” Das wird für ihn in einer Statistik der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) erschreckend deutlich. Darin ist die Zahl praktizierender Hausärzte im Hochsauerlandkreis und der Zeitpunkt des Ausscheidens aus dem Beruf verzeichnet.

In zwanzig Jahren werden in jeder Altkreis-Stadt mindestens 80 Prozent der heute praktizierenden Ärzte im Ruhestand sein. In Hallenberg und Olsberg wird sogar keiner im Dienst sein.

In zehn Jahren gelten bereits folgende Zahlen: In Brilon werden statt zwölf nur noch acht der aktuellen Mediziner praktizieren. In Marsberg wird sich die Zahl halbieren. In Olsberg, Winterberg und Medebach gehen 40 Prozent der jetzigen Hausärzte. Und Nachwuchs? „Ist nicht in Sicht”, sagt Dr. Annette Große-Lordemann aus Brilon.

Druck durch Budgets

Kollege Dr. Certa will das Problem aber gar nicht auf die Hausärzte beschränken. In den Krankenhäusern sehe es nicht besser aus. „Alle Kliniken in der Region leiden unter Mangel an medizinischem Nachwuchs. Assistenzstellen können nicht besetzt werden”, so Dr. Certa. Der Arztberuf sei unter momantanen Bedingungen unattraktiv. „Ich bekomme als Chirurg statt früher 34 Euro nur noch 26,79 Euro pro Patient pro Quartal. Im Schnitt kommen meine Patienten aber nicht einmal, sondern achtmal.”

OLYMPUS DIGITAL CAMERA Dr. Ralf Certa, Arzt aus Brilon

Außerdem stünde er immer unter dem Druck, das vorgegebene Budget einzuhalten. „In keinem Bezirk der KV werden so wenige Verordnungen für physikalische Therapie verordnet wie in Westfalen-Lippe”, betont Dr. Certa.

Um einen Schulterschluss von Patienten, Leistungserbringern und Kostenträgern gehe es am 22. April. Die Podiumsdiskussion unter dem Motto „Medizin in Deutschland - quo vadis?” wird dann auch auf dem Schützenvorplatz per Großbildleinwand übertragen. Siehe Seite Region

Kerstin Eigendorf

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Kommentare
17.04.2009
19:02
Dr. Ralf Certa: „In den nächsten zehn Jahren wird es einen Exitus von Arztpraxen”
von DerFan | #3

Lieber Genosse günther,
1) Ironisch kann dein Kommentar viel. Gibt ne 1- dafür, etwas verbesserungswürdig.
2) Geschickt ein Fallbeispiel herausgesucht, was dem Artikel augenscheinlich widerspricht und auch direkt auf die Wirtschaftskrise und ihre medienwirksamsten Opfer aufmerksam gemacht. Auch eine 1 hierfür.
3) Raffgierige Manager im Nebensatz für das Versagen des Staates in dem am stärksten durch ebendiesen Staat regulierten Markt (für Unwissende: der Finanzmarkt) veranwortlich zu machen: ebenfalls ne glatte 1.
4) Extrabonus gibt es dafür, das Du dann die KfW aufzählst, wo es sich doch dabei um eine Anstalt öffentlichen Rechts handelt, in dessen Aufsichtsrat Steinbrück, Lafontaine etc. sitzen. Und jetzt überlegen wir mal wer Millionen von Steuergeldern durch Spekulationen verloren und den Rest an Lehman Brothers verschenkt hat? Richtig! Auch eine 1 hierfür.
Alles in allem hast Du somit die goldenen Regeln des faktenverdrehenden Gelabers (was sicherlich uninformierte Personen durchaus Überzeugt und vllt. sogar vor Rührung zum Weinen bringt) erfüllt und bist deswegen bestens in der Politik und in deiner Partei ( SPD oder doch schon dieLinke?) aufgehoben.

Ich hoffe du wirst weiterhin dem Arbeiterwort Geltung verschaffen.

Mit sozialistischem Gruß,
ein Fan

28.03.2009
11:16
Dr. Ralf Certa: „In den nächsten zehn Jahren wird es einen Exitus von Arztpraxen”
von M. Bödefeld | #2

Ich halte das Problem für viel komplizierter. Was im Gesundheitswesen zu Tage tritt, ist die konzertierte Verantwortungslosigkeit vieler (auch und vor allem Patienten) zu Lasten derer, die wirklich Hilfe brauchen. Wir werden nicht darum herumkommen anzuerkennen, dass der demografische Wandel in Verbindung mit falscher Ernährung und Bewegungslosigkeit dazu führen wird, dass entweder mehr Geld nötig werden wird, oder wir die Leistungen weiter zusammenstreichen müssen. Auf der anderen Seite steht eine Umorientierung des gesamten Gesundheitswesens auf dem Plan, um die begrenzten Mittel effizienter zu nutzen.
In Bezug auf unsere Fachärzte frage ich mal: Warum muss es selbständige Fachärzte geben, wo jeder seinen eigenen Kostenapperat bedienen muss? In Ländern wie Frankreich gibt es selbständige Hausärzte; die Fachärzte jedoch nur in Polykliniken, wo die verschriebene Behandlung von den dort tätigen Fachärzten koordiniert wird.
Sorry Ralf, aber das musste mal raus! Euern Protest teile ich trotzdem, weil diese x-te Reform an der eigentlichen Problemlösung vorbeigeht und den Ärztemangel innerhalb dieses Systems, vor allem in ländlichen Gegenden, weiter Vorschub leisten wird!

28.03.2009
00:41
Dr. Ralf Certa: „In den nächsten zehn Jahren wird es einen Exitus von Arztpraxen”
von guenther | #1

Schlimm, schlimm. Die armen Ärzte. Da muß doch was passieren ? Wie wär´s denn mit Aushang in der Praxis wie in einigen Hamburger Praxen geplant, wenn es nach den Vorstellungen der Aktion 15, einer Ärztegruppe im Ärztenetzwerk Hippokranet, geht*): Wählen Sie was sie wollen, aber nicht die SPD.
Ein Arzt aus Nordhessen dazu in *) sinngemäß: Ihm blieben nach Abzug der Steuern usw. 4900 Euro, und dies entspräche dem Duchschnittsverdienst. Er könne so eine Kampagne nicht verstehen. Er hält die Forderung der Ärzteverbände für eine Unverschämtheit., in einer Zeit in der Opel-Arbeiter um ihren Job fürchten und Millionen Menschen sich fragenwie sie die weltweite Wirtschaftskrise überstehen.
*) entnommen Hamburger Morgenpost vom 27.03.2009.
Ich hoffe, der gewisse Teil der Ärzte dividiert unsere Gesellschaft nicht genauso auseinander wir die raffgierigen Manager mit den dicken Boni für ihr Versagen. Ob AIG, KfW- was kommt noch alles ?

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