„Diese Gegend ist ideal für den Wolf“

1. Reihe (links nach rechts): Roland Schockemöhle, Franz Josef Freiherr von und zu Brenken, Karsten Otte. 2. Reihe (links nach rechts): Ulrich Wotschikowsky, Dr. Micha Herdtfelder, Frank Faß
1. Reihe (links nach rechts): Roland Schockemöhle, Franz Josef Freiherr von und zu Brenken, Karsten Otte. 2. Reihe (links nach rechts): Ulrich Wotschikowsky, Dr. Micha Herdtfelder, Frank Faß
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die Gegend in Ostwestfalen ist ideal für den Wolf. Dies ist das Ergebnis eines Workshops im Waldinformationszentrum Hammerhof.

Westheim/Scherfede..  Dem Wolf gefällt es gut in Ostwestfalen. Sagt Jan Preller vom Regionalforstamt Hochstift, denn: „Diese Gegend ist ideal für den Wolf. Vor allem das weniger dicht besiedelte Sauerland und die Egge sind der perfekte Lebensraum.“ Wie wild ist Ostwestfalen-Lippe? - das war am Donnerstag Thema eines Workshops im Waldinformationszentrum Hammerhof zwischen Westheim und Scherfede.

Die Veranstaltung drehte sich ganz um die Wiederbesiedlung der Region durch lange verschwundene Tierarten. Die meisten der 150 Teilnehmer interessierte aber vor allem ein Thema - die Rückkehr des Wolfes. „Canis lupus“, so die lateinische Bezeichnung. Er ist wohl der auffälligste Vertreter in der Gruppe der rückkehrenden Arten. Schließlich verbindet man mit dem Raubtier viele Mythen und Geschichten. Man denke nur an das Märchen von Rotkäppchen und dem bösen Wolf.

Doch stimmt das Bild vom bedrohlichen, alles reißenden Jäger? Und wieso kommt er plötzlich in die heimischen Wälder zurück?

„Zuerst einmal wird der Wolf nicht mehr so häufig geschossen wie früher“, erklärt Karsten Otte, Sprecher der Bezirkskonferenz Naturschutz OWL. „Wir haben heute eine verminderte Nachstellung.“ Diese „Umkehr im Umweltbewusstsein“, wie es der renommierte Wildbiologe und Wolfsexperte Ulrich Wotschikowsky nennt, sei dabei nicht nur ein deutsches, sondern ein europaweites Phänomen. Es erlaube dem Raubtier, sich wieder stärker zu vermehren. Hinzu komme, dass er seit einiger Zeit auch Staatsgrenzen passieren kann, ohne sofort geschossen zu werden. Aus diesem Grund konnten sich Wölfe aus ganz Europa wieder hier in der Region ansiedeln, so Wotschikowsky.

Zwar gibt es noch kein bestätigtes Exemplar in Nordrhein-Westfalen, aber zumindest zwei Nachweise. Die erste Sichtung gelang 2009 bei Höxter. Das war das erste Mal seit 170 Jahren, dass wieder ein Wolf in freier Wildbahn entdeckt wurde.

Trotzdem ist die Rückkehr des Vierbeiners in diese Gebiete nicht selbstverständlich: „Wir sehen ein einzigartiges Experiment in Deutschland, unser Land ist im Schnitt dichter besiedelt als andere europäische Staaten und trotzdem entscheidet sich der Wolf hier bei uns zu leben“, sagt Wotschikowsky.

Keine Gefahr für Rotkäppchen

Aber zurück zu Rotkäppchens „bösem Wolf“. Wie gefährlich ist eine anwachsende Population in der Region? „Das Tier geht der Begegnung mit dem Menschen grundsätzlich aus dem Weg. In den 15 Jahren seit seiner natürlichen Wiederbesiedlung Deutschlands hat es keinen Bericht über einen aggressiven Wolf gegeben“, stellt Wotschikowsky klar.

Selbst Berichte über Artgenossen, die trotz ihrer Menschenscheue,gelegentlich durch Siedlungen streifen, änderten daran nichts. Gefährlich sei nur, wenn man solche Wölfe füttere. „Dann bekommen sie positive Erfahrungen mit Menschen und suchen deren Nähe häufiger.“ Daher warnt Wotschikowsky eindringlich: „Erst wenn es zu einer solchen Konditionierung gekommen ist, kann er zur Gefahr für den Menschen werden und auch aggressiv ihm gegenüber auftreten. Deshalb darf man wilde Wölfe niemals füttern!“

Mit wie vielen Exemplaren in Zukunft in der Region zu rechnen sei, konnten die Experten nicht sagen.

Aber eines scheint klar: Schon bald könnte der Wolf auch im Sauerland wieder zu Hause sein.