"Die Sauerländer sind ehrliche Menschen"
28.03.2008 | 16:51 Uhr 2008-03-28T16:51:00+0100Altkreis. (sf/wi) „593 467 Urlauber - aber ist der Altkreis Brilon auch lebenswert?” In den vergangenen drei Wochen haben wir Kultur, Soziales und Infrastruktur für Sie beleuchtet.
Heute - zum Abschluss unserer Serie haben diejenigen das Wort - die es wissen müssen: die Sauerländer selbst. WP-Redakteure Thomas Winterberg und Sonja Funke haben ehemalige Schulkollegen - aus dem Abi-Jahrgang 1984 in Winterberg und die 94er aus Brilon - befragt.
„Ehrliche, lebensfrohe Menschen” schätzt Winfried Lahme, Architekt aus Hoppecke in seiner Heimat. Dennoch möchte er nicht mehr aus seiner Wahlheimat Wien weg: „Ich habe hier inzwischen zwei wunderbare österreichisch-deutsche Kinder und das Wiener Leben bei Walzer, Sachertorte, Sissi, Heurigem und in Kaffeehäusern gefällt mir bestens.”
Es ist oft der Job, der die Sauerländer zu Schwaben, Hamburgern, Rheinländern oder sogar Amerikanern machte. „Ein Sauerländer ist nicht vorneherum freundlich und lästert hinter deinem Rücken ab... da kenn ich inzwischen anderes Verhalten”, betont Simon Schilling aus Brilon, warum er gerne aus Ludwigsburg in seine Heimat reist. Beruflich und privat hier aber wieder Fuß zu fassen, dass empfindet der diplomierte Konstruktionsmechaniker als schwierig.
Andere mögen das „Quirlige” in den Großstädten - und nehmen gerne die schlechtere Luft in Kauf. Sein Berlin will Klaus Lahme aus Hoppecke nicht mehr verlassen. Dort hat er das große Kulturangebot und den Flughafen direkt vor der Haustür. „Ich sage immer zu meinen Freunden: ,Du kommst als Unbekannter und fährst nach drei Tagen mit 100 Freunden wieder nach Berlin zurück. Kennst du einen, kennst du alle!”
Die Nähe zur Familie kann ein ausschlaggebender Faktor sein. Dann ist es einfach Herzenssache, im Sauerland zu bleiben: „Ich wohne hier eigentlich nur noch, weil meine große Liebe nicht weg kann”, gesteht eine Befragte. Und: „Ich kann mir nicht mehr vorstellen, wieder zurückzukehren, weil mein Mann und ich das Glück hatten, beide eine Stelle in derselben Kleinstadt zu bekommen. Das kam schon einem hohen Lottogewinn gleich”, schreibt Kathrin Wiepking, geb. Opdenacker. Die gebürtige Scharfenbergerin lebt heute in Papenburg.
Den befragten Mitschülern ist eines gemeinsam: Ob nun aus der Sicht vor Ort oder aus einem gewissen Abstand heraus, sprechen alle von Stolz und Liebe zu ihrer Heimat. Alle schwärmen von der wunderschönen Landschaft. Der Begriff „Heimat” bedeutet Ruhepol, Ort der Erholung, Platz mit hohem Freizeitwert.
Petra Gerbracht aus Düdinghausen macht deutlich, dass es schwierig ist, anderen Menschen seine Heimat zu vermitteln. Maria Klügel aus Niedersfeld stellt zu Recht die Frage, ob es den Sauerländer an sich überhaupt gibt. Und Christian Leisse aus Siedlinghausen merkt an, dass der Begriff Heimat nicht statisch ist, sondern einem Entwicklungsprozess unterliegt.
0mitdiskutieren