Die Post kommt mit dem Milchwagen
20.02.2010 | 07:00 Uhr 2010-02-20T07:00:00+0100
Altkreis. Beim Nachblättern geht es heute um den Februar 1950. Heizungen in Schützenhallen und ein öffentlicher Personennahverkehr waren damals noch die Ausnahmen.
Gegen originelle Kostüme und Masken haben die Narren vor 60 Jahren in Brilon nichts einzuwenden. Doch züchtig und sittsam soll der Karneval 1950 sein. „Die Karnevalspolizei der Schützenbruderschaft macht darauf aufmerksam, dass „keine zu ,notdürftig' maskierten Dämchen versuchen sollten, in die Schützenhalle zu schlüpfen”. Dem Motto „Von Zoten frei die Narretei” sehe man sich in Brilon verpflichtet.
Mit Koks geheizt
Und damit die Narren nicht frösteln, kann Brilon damals mit einer der ersten beheizbaren Hallen im Sauerland aufwarten. Ein Monteur aus Wupeprtal und fleißige Helfer sorgen dafür, dass die gute Stube „auf eine moderne, fast an Atomkraftmaschinen erinnernde Art” beheizt wird. Mit Koks wird gefeuert; ein Gebläse sorgt dafür, dass es in allen Ecken muckelig warm wird. Die Schornsteine auf dem Hallendach machen mit 12 Metern Höhe der Vogelstange Konkurrenz.
In Leitmar schüttet Fortuna das Füllhorn über einen Eisenbahnarbeiter aus. Der Familienvater gewinnt im ersten Rang des Westdeutschen Fußgall Toto 41 752 Mark. Eine stolze Summe. Zum Vergleich: Ein Opel Olympia kostet damals 6785 Mark. Ein Pfund Kaffee gibt es hingegen für stolze 15,50 Mark - Columbia-Mischung weich und voll.
Toto-Glück
Den Tippzettel hat der Glückliche mit seiner Ehefrau nach Würfeln mit Pfennigstücken ausgefüllt. Das Glück schlägt auf den Tag genau zum einjährigen Bestehen der Lotto-Annahmestelle in Marsberg ein.
In Brilon wird Finanzdirektor Steinecke zum Oberkreisdirektor gewählt. Gleichzeitig werden auch die Tagegelder der Kreistagsabgeordneten und der Ausschussmitglieder auf 10 Mark erhöht.
Frankenberg, Rengertshausen, Braunshausen, Somplar und Neukirchen sind jahrelang durch ein Postauto verbunden gewesen. Doch die Personenbeförderung ist zum Erliegen gekommen. Wenn sie nicht unterwegs ein Pferdegespann erwischen, müssen die Braunshauser die Strecke zu Fuß bewältigen. Die Post wird damals mit dem Milchwagen nach Hallenberg gebracht. Die Braunshauser fordern bessere Verkehrsanbindungen.
Kleinbahn
In Niedersfeld wälzen Verwaltungs- und Wirtschaftsfachleute ein ähnliches Problem. Es geht um die Zukunft der Kleinbahn von Steinhelle nach Medebach und um Zuschüsse. So langsam zeichnet sich ab, dass Omnibusse den Schienenverkehr ablösen werden. Heute entsteht die Kleinbahn - zumindest im Miniaturnachbau - wieder neu.
In Bigge tagt das erste Schöffengericht. Die Verhältnisse im Saal müssen primitiv gewesen sein: „Es war kein Platz für die Presse vorgesehen und es gab keine Anklagebank, der Zuschauerraum ist klein.” In der ersten Sitzung geht es um einen handfesten Streit in Alme. Dabei waren einem Ortsfremden Verletzungen zugefügt worden, die einen zweimonatigen Krankenhausaufenthalt nach sich zogen. Raue Sitten.
0mitdiskutieren