Die letzten Monate des Krieges

Fotos vom Bombenangriff auf Brilon 1945.
Fotos vom Bombenangriff auf Brilon 1945.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Vor 70 Jahren wurde Brilon bombardiert - aus diesem Anlass zeigt das Museum Haus Hövener eine Sonderausstellung.

Brilon..  „Brilon – die letzten Monate des Krieges“ ist der Titel einer Sonderausstellung im Stadtmuseum Haus Hövener. Die Ausstellung findet im Gedenken an den 70. Jahrestag des Bombenabwurfs auf Brilon am 10. Januar 1945 statt. Vor allem will die Sonderausstellung den Opfern ein Gesicht geben.

In der Ausstellung werden Bilder und Dokumentationen der zerstörten Häuser und der Opfer zu sehen sein, ebenso Hintergrund- und Zeitzeugendokumente, ein nachgebautes Stadtmodell der zerstörten Straßenzüge, sowie die Geschichte der letzten Monate des Krieges 1945 in den Briloner Stadtteilen und des Sauerlandes. Die Ausstellung begründet sich auf Material von Helmut Mengeringhausen und Winfried Dickel, die mit viel Akribie über Jahre Dokumente zusammengetragen und ausgewertet haben. Ergänzt wird die Ausstellung durch Archivmaterial des Museums.

Viele Lazarette

Bereits seit 1940 hatten feindliche Flieger vereinzelt Phosphorbrandplättchen über dem Hochsauerland abgeworfen – um die Ernte zu schädigen oder Waldbrände hervorzurufen; diese blieben jedoch glücklicherweise relativ wirkungslos.

Flugzeuge, Bomben, Fliegeralarme und Warten in Luftschutzkellern gehörten auch für die Briloner längst zum Alltag. Doch primär bombengefährdet wie die großen Städte war das Hochsauerland nicht, vermutlich durch die Industriearmut. Daher beherbergte der Kreis Brilon als „nicht bombengefährdetes Gebiet“ z.B. viele Lazarette.

Feindliche Flugzeuge

Zwar flogen Anfang 1944 immer wieder feindliche Flugzeuge über die Stadt, Bomben warfen sie aber nur vereinzelt. Das ländliche Brilon blieb zunächst verschont. Ab Herbst 1944 griff der Luftkrieg in verstärktem Maße auch auf das Sauerland und Brilon über. Es folgten Bombardierungen Brilons, die fast ausschließlich das Gelände vor den Toren der Stadt betraf.

Zwei Bomben fielen im Stadtgebiet, eine vor das alte Elektrizitätswerk (VEW), die zweite in der Nähe des Arbeitslagers am Renzelsberg.

Der 10. Januar 1945 war der erste Schultag nach den Weihnachtsferien, es war ein sonniger, kalter und schöner Wintertag mit strahlend blauem Himmel. Die Sirenen gaben Fliegeralarm. 12 bis 15 Bombenflugzeuge der amerikanischen US Air Force überflogen Brilon und ließen es, bereits in östlicher Richtung zum Edersee fliegend, hinter sich. Aus unbekanntem Grund kehrten sie unerwartet um.

300 Bomben auf Brilon

Um 13.15 Uhr, auf ein Rauchzeichen der ersten Maschine hin, begann die Bombardierung. „Silbern glänzende Christbäume“ waren am Himmel zu sehen, erinnern sich Zeitzeugen entsetzt. Dabei handelte es sich um Zielmarkierungen, die Bombenangriffen vorausgingen, sogenannte „Markerbomben“, die in Deutschland als „Christbäume“ bezeichnet wurden, da sie durch ihre Markierungsstreuung wie ein Christbaum aussahen. Danach entluden die Bomber ihre tödliche Last von rund 300 Bomben über Brilon und legten zahlreiche Häuser und ganze Straßenzüge in Schutt und Asche. Nach einer halben Stunde war der Angriff vorbei. 37 Menschen kamen ums Leben, 13 davon sind Kinder.

Später kamen noch drei Personen bei einem weiteren Luftangriff am 24. März 1945 ums Leben, von Januar bis März herrschte fast dauernd Fliegeralarm.

Betroffen im Innenstadtbereich waren u. a. die Bereiche Hoppecker Straße, Schulstraße, Derkere Mauer, Derkere Straße, Springstraße, Rixener Straße, Niedere Mauer und Stracke-straße. Einer der vielen Blindgänger durchschlug die altehrwürdige Propsteikirche. Ein Zeitzeuge: „Sirenen heulten, die Feuerwehr rückte an - es war ein wildes Durcheinander“.