Die Kunden sparen trotz Niedrigzins-Phase

Als Mitglieder im Aufsichtsrat bestätigt wurden Angelika Luckey und FelixHagelüken (2.v.re.), Von links: Vorstandsvorsitzender Dirk Lüddecke, Gastredner Tobias Jasper, Aufsichtsratsvotsiitzender Detlef Eßbach und Vorstand Hans-Jochen Zöllner.
Als Mitglieder im Aufsichtsrat bestätigt wurden Angelika Luckey und FelixHagelüken (2.v.re.), Von links: Vorstandsvorsitzender Dirk Lüddecke, Gastredner Tobias Jasper, Aufsichtsratsvotsiitzender Detlef Eßbach und Vorstand Hans-Jochen Zöllner.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Vertreterversammlung der Volksbank Marsberg. Vorstand zufrieden. Kritik an Regulierungswut

Marsberg..  Niedrigzins und „Regulierungswut“ der Bankenaufsicht mutierten zu Unwörtern in der Vertreterversammlung der Volksbank Marsberg am Dienstagabend. Und auch der nur zweimal wiederwählbare Turnus der Aufsichtsräte rückte wieder in den Fokus.

137 Mitgliedervertreter und zwei Ersatzvertreter waren bei der Vertreterwahl im Vorfeld ernannt worden. 72 Vertreter waren zur Versammlung gekommen. „Das ist eine gute Beteiligung“, freuten sich die Vorstände Dirk Lüddecke und Hans-Jochen Zöllner sowie Aufsichtsratsvorsitzender Detlef Essbach. Sie warteten zunächst mit guten Nachrichten zum Geschäftsjahr 2014 auf. Zugleich machten sie unmissverständlich klar, dass die Bank in einem schwierigen geschäftlichen Umfeld gefordert sei, Kosten zu senken. Als Auswirkung der auf Großbanken zugeschnittenen europäischen Finanzpolitik, die kleinen regionalen Instituten das Leben schwer mache. Vorstandsvorsitzender Dirk Lüddecke: „Dennoch, unserer Bank geht es gut. Die Mitglieder sind zufrieden.“ 263 neue genossenschaftliche Teilhaber traten der Bank in 2014 bei. Neue Kunden konnten gewonnen bzw. zurückgewonnen werden. Die gute Entwicklung sei kein Zufall trotz Niedrigzins, so Lüddecke weiter. Marsberg habe eine erfolgreiche mittelständische Wirtschaft und die treffe auf eine starke Volksbank.

Kritik an Zinspolitik

Zu den finanzpolitischen Rahmenbedingungen, die sich für die Volksbank Marsberg negativ auswirken würden, gehöre der Niedrigzins. Mehrmals, so betonte Lüddecke in seinem Jahresrückblick, habe die Europäische Zentralbank vergangenes Jahr den Leitzins gesenkt, um mit mäßigem Erfolg die europäische Konjunktur zu beleben. Zum Nachteil der deutschen Sparer, die für ihr Guthaben kaum noch Zinsen bekamen. „Und auch unsere Volksbank leidet, denn die Zinsspanne als ihre wichtigste Ertragssäule schmilzt dahin“, so der Vorstandsvorsitzende. Die Bank müsse ihre Ertragsstärke sichern. Daher würden dieses Jahr alle Kostenfaktoren auf den Prüfstand gestellt. Fortgesetzt werde die erfolgreiche Kooperation mit den Nachbarn in Reiste-Eslohe, Oeventrop und Thülen. Dabei geht es vor allem um die Folgen der ebenfalls von der europäischen Finanzpolitik verursachten Regulatorik, die kleine Banken allein kaum noch bewältigen könnten.

Investiert hat die Volksbank in die Verbesserung der Parksituation an der Hauptstelle. Ausgebaut wurden die Online-Aktivitäten. Jeder Bürger kann auf jeder Webseite jederzeit Kontakt mit einem Berater aufnehmen.

200 Millionen Euro Bilanzsumme

Die Entwicklung basiere auf einer soliden Geschäftslage, listete Vorstand Hans-Jochen Zöllner die Eckdaten aus dem Geschäftsjahr 2014 auf. Die Bilanzsumme stieg um 3,9 Prozent auf jetzt gut 200 Millionen Euro. Auch im Kundenkreditgeschäft gab es erneut einen leichten Zuwachs auf 111,5 Mio. Euro. Auffällig dabei: Während sonst mehr Kredite in den privaten Bereich gingen, hat es in 2014 eine spürbar starke Nachfrage von Firmenkunden gegeben.

Die Kundeneinlagen stiegen von 148,6 Mio. Euro in 2013 auf 155,3 Mio. Euro. Dem Trend zum Trotz wurde in und um Marsberg herum auch 2014 wieder kräftig gespart. Bei den Spareinlagen gab es einen Zuwachs von 3,8 Mio. Euro. Das Eigenkapital stieg von 17,3 auf 18,1 Mio. Euro. Das Geschäftsergebnis allerdings stagnierte bei knapp sieben Mio. Euro. Auch die Aufwands-Ertrags-Relation stieg seit Jahresfrist nur von 64,3 auf 67,4 Prozent. Bis 2018, so die Erwartung des Vorstands, werde sich dieser Wert bei einem gleichzeitig rückläufigen Zinsüberschuss weiter verschlechtern. Geringere Betriebsergebnisse seien damit sehr wahrscheinlich. Der Jahresüberschuss liegt mit 255 396 Euro bereits spürbar unter dem Vorjahreswert von rund 287 000 Euro.

Maximal neun Jahre kann ein Aufsichtsrat der Marsberger Bank im Amt bleiben. Die hohen Anforderungen von Seiten der Bafin machen eine Verlängerung der Amtszeit der Aufsichtsräte wohl unumgänglich. Im Herbst soll eine Vertreterversammlung zu dem Thema stattfinden.