Der Hochsommer hat auch eine andere Seite

Hitze im Altenheim: Pfleger und Pflegerinnen müssen vermehrt darauf achten, dass die Bewohner ausreichend trinken. Denn Senioren haben ein vermindertes Durstgefühl, erklärt Oberarzt Dr. Hans-Georg Enkemeier, Innere Medizin.
Hitze im Altenheim: Pfleger und Pflegerinnen müssen vermehrt darauf achten, dass die Bewohner ausreichend trinken. Denn Senioren haben ein vermindertes Durstgefühl, erklärt Oberarzt Dr. Hans-Georg Enkemeier, Innere Medizin.
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Was wir bereits wissen
Viele Menschen kommen mit der aktuellen Hitze nicht zurecht. Vor allem Senioren leiden unter der extremen Wege.

Brilon..  Nasse T-Shirts, hochrote Gesichter und schweißnasse Hände. Der Hochsommer, der uns bereits seit Tagen auf Trab hält und heute seinen bisherigen Höhepunkt erreicht, zeigt seine negativen Seiten. Natürlich lässt die gleißende Sommerhitze Urlaubsfeeling aufkommen, doch für einige unter uns wird sie gar zur Belastung – allen voran für diejenigen, die in diesen heißen Zeiten wohl den härtesten Job haben: Bauarbeiter.

Stefan Ester vom Bauunternehmen Müller versorgt seine Mitarbeiter daher mit ausreichend Wasser. „Im Aufenthaltsraum stehen Kästen und unsere Kolonnen auswärts können Quittungen einreichen“ – das ist dem Rohrnetzmeister wichtig. „Wir weisen die Jungs daraufhin, dass sie genug trinken und UV-Schutz auftragen sollen.“ Ein Mitarbeiter habe es auf die harte Tour lernen müssen: Trotz Warnung cremte sich der junge Arbeiter nicht ein. „Das passiert dem kein zweites Mal.“

„Oben ohne“ gibt’s nicht mehr

Das Bild vom klassischen Bauarbeiter – oben ohne – gibt’s bei Müllers übrigens nicht. „Das ist verboten.“ Wird es allerdings unerträglich heiß, dürfen die Schachtmeister selbstständig entscheiden, wann Feierabend ist.

Eine Gruppe trifft es noch härter – nämlich die, die sich kaum gegen die Sommerhitze zur Wehr setzen können. Susanne Körner vom Team des Caritas-Tagespflegehaus St. Petrus und Andreas berichtet etwa: „Es ist für unsere Gäste schon sehr anstrengend.“ Viele Besucher hätten mit Kreislaufprobleme zu kämpfen. Die falsche Kleidung und zu wenig Flüssigkeit seien die Hauptursachen.

Vermindertes Durstgefühl bei Senioren

„Wir achten darauf, dass sie ausreichend trinken und messen regelmäßig ihre Vitalwerte.“ Einige Gäste seien schließlich über 90 Jahre alt. Räume verdunkeln, Füße hochlegen, viel Ruhe – viel mehr könne man eben nicht machen. Zur Not gibt es einen kühlen Waschlappen auf den Kopf.

Dass vor allem ältere Menschen die Hitze im wahrsten Sinne des Wortes zu Kopf steigt, ist Dr. Hans-Georg Enkemeier vom Städtischen Krankenhaus Maria-Hilf Brilon zufolge nur natürlich. „Ältere Menschen haben ein vermindertes Durstgefühl. Daher sollten sie sich bewusst machen, wie viel sie trinken.“ Patienten mit einer Trinkmengenbeschränkung oder einem erhöhten Flüssigkeitsbedarf sollten sich daher einen sachkundigen Rat einholen, zum Beispiel vom Hausarzt. Hinzu käme, dass sich Vorerkrankungen wie etwa Asthma, Diabetes und Herzprobleme durch die Hitze verschlimmern können.

Seltene Hitze – auch für Jüngere

Aber auch die junge Generation sollte sich vor der Hitze hüten. „Senioren kennen ihre Grenzen, sie wissen, wann sie das Haus besser nicht verlassen sollten. Aber junge Menschen unterschätzen das Flüssigkeitsdefizit oft“ – schließlich seien solche Temperaturen im mitteleuropäischen Gebiet höchst selten.

Auch Mario Polzer vom Josefsheim Bigge muss bei solchen Temperaturen genauer auf die Schützlinge der sozialen Einrichtung für Menschen mit körperlichen und/oder geistigen Behinderungen achten. „Unsere Mitarbeiter müssen schon behinderungsspezifisch hinschauen.“ Zum Beispiel reagieren Menschen mit einer Hirnwasserabflussstörung (Hydrocephalus) besonders extrem auf Hitze.

Kühles Schattenplätzchen und viel Trinken

Probleme bekämen außerdem Rollstuhlfahrer. „Es ist natürlich sehr unangenehm, wenn man den ganzen Tag in einer Sitzschale aus Kunststoff sitzen muss.“ Daher würden Mitarbeiter vermehrt darauf achten, dass die Betroffenen häufiger aus dem Rollstuhl kommen. Ansonsten gelte das übliche: Darauf achten, dass die Menschen genug trinken, lieber ins kühle Schattenplätzchen als in die knallende Sonne und UV-Schutz auftragen.