Der Gesamtrahmen fehlt

Ausstellung..  Mit großer Akribie haben die Verfasser der Ausstellung „Brilon 1945 – Die letzten Monate des Krieges“ vielfältige Informationen über die Luftangriffe auf Brilon ausgewertet, die von Zeitzeugen erinnert wurden. Die WP berichtete. Die im Haus Hövener ausgestellten Hinweise und Bilder über die Zerstörungen und die zahlreichen menschlichen Opfer sind sehr aussagekräftig. Ein Besuch lohnt sich.


Es ist beachtlich, was an Materialien gesammelt worden bzw. von der Briloner Bevölkerung 70 Jahre nach der Befreiung zur Verfügung gestellt worden ist. Die Ausstellung findet zudem eine Erweiterung durch eine knappe Darstellung des Kriegsendes in Brilon und über das Gefangenenlager im Aatal, aber auch durch eine Auflistung der zwischen 1939 und 1945 europaweit gefallenen Briloner Soldaten.


Gerade durch diese Erweiterungen wird allerdings auffällig, dass nicht auf die Kriegsursache, den Nationalsozialismus, auf die Ermordung und Vertreibung auch der Briloner Juden, auf den teilweise begrüßten Angriffskrieg etc. eingegangen wird und damit der Gesamtrahmen fehlt. In den zahlreichen von Verwandten zur Verfügung gestellten Totenbriefen wird häufig zum Luftangriff vom 10.1.1945 von „tragischem Geschick“ gesprochen.


War dieser Luftangriff wirklich nur Schicksal? Nicht zuletzt der kürzlich verstorbene ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker hat schon 1985 darauf hingewiesen, dass unser Geschichtsverständnis nicht nur auf Kriegsfolgen abheben darf, sondern immer auch den 30. Januar 1933 und die folgende Gewaltherrschaft im Blick haben muss.


Dieser Empfehlung kommt m. E. bei der Vermittlung historisch-politischer Bildung besonders für junge Menschen große Bedeutung zu.


Hans-Günther Bracht,
Brilon