Der Ceran-Koch aus Brilon
09.02.2012 | 18:15 Uhr 2012-02-09T18:15:00+0100
Brilon.Wenn wir in unseren Töpfen rühren, hat ein anderer schon sein Produkt „fertiggekocht“: Dr. Friedrich Siebers, geboren in Brilon-Madfeld, leitet die Abteilung Materialentwicklung Glaskeramik der Mainzer Schott AG. In den vergangenen 15 Jahren hat er vor allen Dingen eines ausgetüftelt: Wie sich das (markengeschützte) Ceran-Kochfeld von Schott herstellen lässt, ohne dass Antimon oder Arsen benötigt wird.
Damit schaffte Schott beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis kürzlich den Sprung unter die besten 3 in der Kategorie „Deutschlands nachhaltigste Produkte und Dienstleistungen“ sowie schon im Jahr 2010 den Gewinn des „Deutschen Innovationspreises“.
Der Physiker hat es mit seinen Kollegen hinbekommen, die Mixtur so zu verfeinern, dass ein hitzebeständiges Glaskeramikfeld ohne die sonst üblichen giftigen Zusätze entsteht. „Außerdem gehörten auch Wünsche des Marketings zum Zielkonzept“, sagt er. Denen hat er mit seinem Team genüge getan, indem die Kochfelder heute nicht allein rote Anzeigen durchschimmern lassen, sondern auch blaue oder weiße über LED aufleuchten können.
Das Ziel, umweltfreundlicher zu produzieren, ist Bestandteil der Unternehmensphilosophie der Schott AG und soll auch im Hinblick auf künftige schärfere EU-Vorschriften Stellen sichern. Jetzt hofft Dr. Siebers, dass Kunden diesen Einsatz honorieren: Denn dann wären auch andere Hersteller gezwungen, zu handeln. „Wir sparen auf diese Weise 180 Tonnen Arsen und Antimon im Jahr ein.“ Wie und wo diese giftigen Schwermetalle in Nicht-EU-Ländern abgebaut werden, das vermag er sich gar nicht vorzustellen.
Schott hat die Rezeptur mit den Zutaten in einem Patent offengelegt und geschützt. Andere Hersteller sind nun gezwungen, nachzuziehen und umweltfreundliche Technologien zu entwickeln - auch wenn es höheren Aufwand bedeutet. Für ihren über 1600 Grad heißen Glaskeramik-Brei brauchen die Ceran-Köche übrigens Töpfe in Übergröße: „Die Schmelzwannen sind in etwa so groß wie ein Einfamilien-Haus“, sagt Dr. Siebers.
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