Den Flüchtlingen Normalität bieten

Winterberg..  Martin Luther King hat einmal gesagt: „Wir haben gelernt, wie die Vögel zu fliegen, wie die Fische zu schwimmen; doch wir haben die einfache Kunst verlernt, wie Brüder zu leben.“

Dass sie diese Kunst doch beherrschen, bewiesen am Montagabend rund 70 Menschen aller Altersstufen aus Winterberg und den umliegenden Dörfern, die sich auf Einladung von Stadt und den beiden Kirchen getroffen hatten, um Konzepte zu entwickeln - Konzepte und Strukturen, mit denen Einheimische den derzeit 86 Asylsuchenden im Raum Winterberg das Einleben in ihrer neuen Heimat erleichtern und sie bei alltäglichen Wegen begleiten wollen.

Netzwerke vor Ort gebildet

Dabei wurden ganz praktische Dinge beraten wie die Unterstützung beim Einkaufen, Arzt- oder Behördenterminen, Freizeitbeschäftigungen und vor allem die Vermittlung der deutschen Sprache. Beim HSK können altersgerechte Bücher für den Deutschunterricht ausgeliehen werden, Stadt und Kirchen bieten einen versicherungsrechtlichen Rahmen für Fahrten und Treffen. Eventuelle Vergünstigungen für Bustickets und Kontogebühren werden von der Stadt geprüft, die Diakonie stellt finanzielle Mittel bereit, die Caritas-Wohngemeinschaft „Haus Nordhang“ will tatkräftig anpacken, wo es nötig ist, über die facebook-Gruppe „Flohmarkt Winterberg“ können gut erhaltene Möbel besorgt werden.

Es blieb jedoch nicht nur bei theoretischen Planungen. Nachdem ein Rahmen mit den wichtigsten Fragen festgelegt war, setzten sich die Teilnehmer jeweils dörferweise zusammen, um direkt Netzwerke mit Ansprechpartnern vor Ort und entsprechenden Angeboten zusammenzutragen, die übergreifend dann bei der Stadt gesammelt und an neu ankommende Asylbewerber weitergeleitet werden. In Siedlinghausen gibt es bereits seit einigen Wochen eine Initiative, in Niedersfeld werden die Aufgaben von der Caritasgruppe gesteuert, in Züschen und Winterberg fanden sich am Montag neue Gruppen zusammen (s. Infobox). Ziel für alle Teams war es, die im Ort vorhandenen Freiwilligen und deren Möglichkeiten zu bündeln, um die anstehenden Aufgaben auf viele Schultern verteilen zu können. Einige Jugendliche trafen mit ihren Vorstellungen den Nagel auf den Kopf: „Wir möchten den Flüchtlingen ein bisschen Normalität bieten!“ Winterberg ist auf einem guten Weg dazu.