Das Plattdeutsche pflegen und BMW fahren

Genießt jetzt seinen Ruhestand: Der ehemalige Briloner Bürgermeister Franz Schrewe.
Genießt jetzt seinen Ruhestand: Der ehemalige Briloner Bürgermeister Franz Schrewe.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Nach 15 Jahren als Briloner Stadtoberhaupt hat sich Franz Schrewe im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedet

Brilon..  Bis zum 20. Juni 2014 war eine 65-Stunden-Woche für Franz Schrewe ganz normal. Als Bürgermeister der Stadt Brilon hatte er einen straffen Terminplan mit vielen Abend- und Wochenendterminen. Nach 15 Jahren als Stadtoberhaupt hat er sich im vergangenen Jahr in den Ruhestand verabschiedet. Doch, wer „Schrewen Franz“ kennt, der weiß, dass er von Langeweile nicht viel hält und, dass „teviel Rugge äuk nix füär ainen Mann as iän“ ist.

Und damit sind wir gleich „mirren“ im Thema plattdeutsche Sprache, die dem Scharfenberger von Kindesbeinen an ganz besonders ans Herz gewachsen ist. Seit vielen Jahren engagiert er sich im Arbeitskreis „Mundartpflege“ des Briloner Heimatbundes. Da er jetzt mehr Zeit hat, hat er die Leitung des Arbeitskreises von seinem ehemaligen Deutschlehrer, Dr. Fritz Reckling, übernommen - so , wie er es ihm schon lange versprochen hatte.

„Ich möchte versuchen, die plattdeutsche Sprache am Leben zu erhalten“, erzählt der Scharfenberger. Einen wichtigen Beitrag dazu hat er mit seinen beiden plattdeutschen Wörterbüchern schon vor Jahren geleistet: „Säu kuiert me bey us“ - eines der Werke widmet sich dem Briloner, das andere dem Scharfenberger Platt. „Ich finde, das ist wichtig, wenn man verstehen möchte, wie die Menschen hier früher gelebt und gesprochen haben. Dann kann man vieles, was heute aktuell ist, besser verstehen“, ist der Sauerländer überzeugt.

Nach seiner Pensionierung hat der 64-Jährige sich auch erst mal Zeit für Haus und Garten genommen und vieles erledigt, was er schon länger mal erledigen wollte. „Erst war das fast so wie Urlaub, aber diesmal ging er gar nicht zu Ende“, erzählt der Scharfenberger mit verschmitztem Lachen und zieht dabei die Augenbrauen in altbekannter Manier hoch. Ja – und da hat er dann die Gelegenheit genutzt, sich mit dem Thema Steuern“ zu beschäftigen.

Steuerberater

Inzwischen hat er das Ganze mit seiner Bestellung zum Steuerberater abgeschlossen. Schließlich ist Franz Schrewe ja vom Fach. 28 Jahre lang war der Diplom-Finanzwirt in der Finanzverwaltung beschäftigt, bevor er in Bürgermeister in der Stadt des Waldes wurde.

Besonders am Herzen liegt dem Sozialdemokraten der Sozialverband Deutschland, für den er sich vor Ort ehrenamtlich engagiert. Im Rahmen der Regionale hat er während seiner Amtszeit das neue Gesundheitshaus im SoVD mit auf den Weg gebracht – ein Anliegen, das er auch weiter begleiten möchte. Auch der Wald ist für den heimatverbundenen Sauerländer ein wichtiges Thema, das ihn auch im Ruhestand weiter begleitet: Bis 2015 die Franzosen die Präsidentschaft übernehmen, ist Franz Schrewe noch aktiv als Präsident der Europäischen Vereinigung gemeindlicher Waldbesitzer (FECOF). Das ist die Dachorganisation des Kommunalwaldes in Europa. Als sachkundiger Bürger bringt er seine Fachkenntnisse auf diesem Gebiet zurzeit auch im Forstausschuss der Stadt Brilon ein.

Und dann gibt es da ja auch noch ein schwergewichtiges Hobby: In der Garage steht ein besonderes Schmuckstück: eine dicke BMW GS, auf der „Schrewen Franz“ gerne gemeinsam mit seiner Frau Gerda durch die Lande braust – doch jetzt ist erst mal Winterpause. Und schließlich wollen auch die vier Enkel was von ihrem Opa Franz haben, wo er doch jetzt Rentner ist. Gibt es einen schöneren „Teytverdreyf“?