Das Inklusions-Konzept ist aufgegangen

Inklusion im Altkreis Brilon am Beispiel der Verbundschule Medebach/Hallenberg.
Inklusion im Altkreis Brilon am Beispiel der Verbundschule Medebach/Hallenberg.
Foto: Rita Maurer
Der Praxisalltag im abgelaufenen ersten Halbjahr in der Verbundschule Medebach/Hallenberg hat gezeigt, dass das Inklusionskonzept aufgegangen ist.

Hallenberg/Medebach..  Gesunde und behinderte, begabte und lernschwache, entwicklungsverzögerte und verhaltensauffällige Kinder – egal wie unterschiedlich veranlagt, alle haben seit dem letzten Sommer das Recht auf Inklusion und damit den Besuch einer Regelschule.

An diesem Thema scheiden sich weiterhin die Geister. Die einen sehen die Inklusion als Chance für die Förderschüler, nicht von vornherein durch den Besuch einer Förderschule gebrandmarkt zu sein. Viele fürchten aber auch, dass sowohl die Förder- als auch die Regelschüler im gemeinsamen Unterricht unter dem Strich zu kurz kommen, weil nicht genug ausgebildete Lehrkräfte zur Verfügung stehen.

Bei der Verbundschule Medebach-Hallenberg gibt es diese Sorgen nicht. Oder nicht mehr. Der Praxisalltag im gerade abgelaufenen ersten Halbjahr hat gezeigt, dass das im letzten Schuljahr erarbeitete Inklusionskonzept aufgegangen ist.

Jeweils im Hauptschulzweig gehen derzeit neun Schüler mit verschiedenen Förderschwerpunkten in die fünfte und fünf in die sechste Klasse. Mehr als die Hälfte der Stunden werden im Team unterrichtet, das bedeutet, dass Förderlehrer Tim Soltek gemeinsam mit einem Regelschullehrer in der Klasse ist, um sich individuell um die Förderschüler, aber durchaus auch die Regelschüler zu kümmern.

Schüler gemeinsam gewechselt

Weitere sechs Schüler im Alter zwischen 14 und 16 Jahren sind im vergangenen Sommer nach der Schließung der Jakobusschule in Niedersfeld gemeinsam nach Hallenberg gewechselt und werden dort mit einem weiteren Förderschüler als eigene kleine „Koop“-Klasse von ihrem aus Niedersfeld vertrauten Förderlehrer Raphael Wieneke unterrichtet (siehe dazu auch Artikel auf Seite 3). Dahinter stand zum einen die Überlegung, diese sechs Schüler nicht in ihren letzten ein oder zwei Schuljahren noch auseinander zu reißen. Außerdem sollten sie nicht – wie es der Inklusionsgedanke eigentlich fordert - in verschiedene, bereits seit Jahren bestehende Regelschulklassen eingeschult werden, wo eine Stigmatisierung quasi vorprogrammiert gewesen wäre.

In Hallenberg, wo generell alle fünften und sechsten Klassen der Verbundschule unterrichtet werden, bevor sie zum Standort Medebach wechseln, waren noch Klassenräume frei, so dass die Koop-Förderschüler nicht bei ihren Altersgenossen in Medebach untergebracht wurden. Genau das habe sich im Nachhinein als gute Lösung herausgestellt, berichtet Raphael Wieneke. Die Förderschüler würden problemlos von den durchweg jüngeren Schülern in Hallenberg akzeptiert und manchmal sogar um Hilfe gebeten, was den Förderschülern wiederum viel Selbstvertrauen gebe. Das Verlassen ihres „Schonraumes“ in der Jakobusschule und das Eingewöhnen in einen regulären Schulalltag sei somit unkomplizierter als erwartet vonstatten gegangen.

Auch umgekehrt hätten sich das Kollegium und die Schüler der Verbundschule trotz im Vorfeld vereinzelter Bedenken schnell auf die neuen Schüler eingestellt. „Nicht nur Förderschüler können schwierig sein, im Grunde hat jeder Schüler seine ganz speziellen Bedürfnisse“, so Tim Soltek.

Gute Kooperation und Ausstattung

Der Schlüssel für die erfolgreiche Umsetzung des Inklusionskonzeptes in allen Klassen sei die zielführende Kompromissbereitschaft von Schulleiter Uwe Kruse, Schulamt und Schulträgern, die für die überdurchschnittlich gute Ausstattung mit zwei erfahrenen Förderlehrern gesorgt hätten – genau die Punkte, die an vielen anderen Schulen in NRW vom Lehrerverband kritisiert werden (siehe Infobox).