Caspar Lahme gibt ein Wörterbuch heraus

Caspar Lahme hat ein plattdeutsches Wörterbuch für Alme verfasst.
Caspar Lahme hat ein plattdeutsches Wörterbuch für Alme verfasst.
Foto: Thomas Winterberg
Was wir bereits wissen
  • 4200 Begriffe werden auf 272 Seiten anschaulich erklärt
  • Mehr als nur ein Nachschlagewerk
  • Almer Platt in Erinnerung behalten und Sprachforschern eine Hilfe bieten

Alme..  Die plattdeutsche Sprache ist ein zartes Pflänzchen. Sie hat dasselbe Problem wie zum Beispiel das Moorveilchen. Beide sind vom Aussterben bedroht. Natürlich reden oder eben „küren“ vor allem ältere Leute immer noch platt. „Aber sie werden weniger“, sagt Caspar Lahme. Daher hat der gebürtige Almer Heimat- und Mundartfreund gemeinsam mit dem Plattdeutsch-Papst des Sauerlandes, Dr. Werner Beckmann, ein „Plattdeutsches Wörterbuch für Alme“ herausgegeben. Druckfrisch ist es beim Briloner Podszun Verlag erschienen.

Manche Sprachbeziehungen sind einfach so gewachsen. „Als ich früher noch Dirigent in Alme war, habe ich mit allen Musikern Hochdeutsch gesprochen. Wenn ich aber meinem Vetter etwas sagen wollte, habe ich automatisch auf Platt umgeschaltet“, sagt der frisch-gebackene 75-Jährige. In den 90-er Jahren schrieb Lahme mehrere Theaterstücke auf Almer Platt und die Vorstellungen in der Gemeindehalle waren im Nu ausverkauft. „In der Folgezeit ging das Interesse jedoch kontinuierlich zurück. Das lag nicht an den schauspielerischen Leistungen. Die Zuschauer, die uns noch verstehen konnten, sind im wahrsten Sinne des Wortes ausgestorben.“

Ein langgehegter Wunsch

So soll es der Sprache an sich nicht ergehen. Daher reifte in Lahme schon lange der Wunsch, das Almer Platt in Erinnerung zu halten. Und sei es nur, um künftigen Sprachforschern die Möglichkeit zu geben, plattdeutsche Texte zu lesen und zu verstehen. Stets einen Zettel in der Tasche hat der pensionierte Postbeamte jahrelang Wörter aus Unterhaltungen mit den Dorfbewohnern aufgeschnappt und gesammelt. Und es wäre in der Tat eine Schande, wenn so schöne Begriffe wie „estemoairen“ (jemandem Respekt zollen) oder „Klüngeln“ (Anziehsachen) ein für allemal verschwinden würden.

Allein diese beiden Begriffe machen aber auch deutlich, dass das Buch längst nicht nur ein Nachschlag- und Lesewerk für Almer ist. Das Sauerländer Platt ist zwar sehr nuancenreich, aber wer sich die Wörter laut vorspricht, merkt schnell, die Parallelen zum Plattdeutschen im eigenen Heimatdorf.“ Viele Begriffe muss man einfach fühlen, denn es gibt nicht d a s Sauerländer Platt, aber es gibt viele Verwandtschaften. Insgesamt 4200 Begriffe hat Caspar Lahme übersetzt. Für jeden gibt es hilfreiche Beispielsätze und eben grammatikalische Exempel, wie das jeweilige Wort zu gebrauchen ist. Viele Begrifflichkeiten wurden aus den elf von Lahme übersetzten Theaterstücken herausgezogen, manche auf offener Straße und im Familienkreis gesammelt. „Dabei musste ich feststellen, dass auch mir das eine oder andere Wort ,öit der Kunne wossen is’“, sagt der Autor und meint damit, dass er z.B. niemanden mehr gefunden hat, der ihm die Begriffe „Maulwurf“ oder „Glühwürmchen“ übersetzen kann. Vielleicht kann ihm da jemand aushelfen?

„Düt un Dat“

Die ersten 160 Seiten des 272-seitigen Buches sind wie ein Duden aufgebaut. Dann folgen ein Grammatikteil, eine kleine Sammlung von Redensarten und Sprichwörtern sowie zum Schluss eine Auflistung der Almer Hausnamen mit ihrer Herkunft. Mittendrin gibt es noch „Düt un Dat“ - also dieses und jenes. „Das hat nochmal einige Zeit in Anspruch genommen. Aber zum meinem 75. Geburtstag wollte ich alles fertig haben“, erklärt der Autor. Zielvorgabe erreicht.

Gewidmet hat Caspar Lahme das Buch seinen beiden Enkelkindern Tim und Nanette – die beide leider kein Plattdeutsch mehr sprechen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Ein Wörterbuch zum Üben gibt es jedenfalls jetzt...

Was noch?

Das Buch mit festem Einband (ISBN 9783861338321) ist im Briloner Podszun Verlag erschienen und kostet 24,90 Euro.

Auf dem Cover ist ein Foto zu sehen, das um 1895 entstanden sein muss. Es zeigt spielen Kinder beim Schneemann-Bau im Bereich der Almequellen mit Blick auf Oberalme. Die Bahn gab’s damals noch nicht.

Im November (Termin wird noch bekannt gegeben) wird Lahme in der Buchhandlung Podszundas Buch vorstellen.

Streng genommen fehlt jetzt noch ein Hörbuch zum gedruckten exemplar. Aber unter www.sauerlaender-heimatbund.de/html/lahme.html gibt es durchaus sogenannte „daunlots“.
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