Bunte Zeitreise durch das Jahrhundert

Bredelar/Medelon..  Denkt Paul Lefarth aus Bredelar an seine Kindheit und Jugend zurück, dann glänzen seine Augen wehmütig. Mit vier Schwestern und vier Brüdern wuchs der heute 83-Jährige auf Marienglück auf, einem Sägewerk mit Wohnhaus im idyllischen Orketal bei Medebach, das sein Vater Wilhelm 1915 gegründet und gebaut hatte.

Familienmitglieder der Lefarths leben inzwischen weit verstreut in der ganzen Bundesrepublik und in der Schweiz. Alle fünf Jahre kommen sie zum großen Familientreffen in Medelon zusammen. An diesem Wochenende trifft sich die Familie zum sechsten Mal. Paul Lefarth, zweitjüngster Spross von insgesamt neun Kindern, rechnet damit, dass um die 75 Familienangehörige zusammenkommen. „Ich freue mich auf das Wiedersehen“, sagt er. Auch aus einem ganz speziellen Grund. Dieses sechste Treffen findet fast genau 100 Jahren nach der Gründung des Sägewerkes statt, die mit der Eheschließung der Eltern Maria und Wilhelm Lefarth am 29. April 1915 in Medelon einhergeht.

Aus diesem Anlass hat Paul Lefarth mit seinen Schwestern Gisela (86) und Ida (81) die Familiengeschichte aufgeschrieben und mit Fotografien durch die 100 Jahre in einem Buch zusammengefasst. Zum Familientreffen will er es vorstellen. Es ist eine bunte Zeitreise durch das Jahrhundert. Paul Lefarth wohnt seit 42 Jahren in Bredelar. Er war dort lange Jahre Ortsvorsteher. Sein Herz aber hängt immer noch an seiner alten Heimat Marienglück. Der Ort ist in Landkarten eingetragen und hatte sogar eine eigene Bushaltestelle.

Glückliche und leidvolle Zeiten

Sie stand dort, wo am „Dassenberg“ von der Provinzialstraße Hallenberg/Medebach eine Straßenabzweigung zum Forsthaus Kaltenscheidt und Elkeringhausen führt. Nach etwa 400 Metern in diese Richtung erreichte man rechts ab von dieser Straße einen Pfad der hinunter ins Tal führte. Es ging dann noch etwa 100 Meter weiter durch Wiesen über eine Holzbrücke, die über den Orkefluss führte. Paul Lefarth: „Dann war man auf Marienglück im Wiesental inmitten von Wäldern, eine wunderbare Natur im Orketal.“ Die Familie mit neun Kindern erlebte glückliche Zeiten, aber auch leidvolle, die vor allem durch den frühen Tod des Vaters 1938 und die Jahre des zweiten Weltkrieges geprägt waren.

Mit dem Buch über ihre Familiengeschichte wollen die Geschwister Lefarth ihrer Geburtsstätte ein Denkmal setzen und das Gedenken an ihre Eltern und die verstorbenen Geschwister aufrechterhalten. 1970 gingen Sägewerk und Wohnhaus an andere Eigentümer über. Das Wohnhaus auf Marienglück fiel 1981 aus unbekannten gründen den Flammen zum Opfer. Paul Lefarth: „Mit dem Abbrennen des Wohnhauses hat Marienglück seine Seele verloren.“