Briloner sucht für 100 000 Bilder einen neuen Betrachter

Rund 100000 Fotos, Dias und digitale Aufnahmen umfasst das Archiv von Herbert Schleich
Rund 100000 Fotos, Dias und digitale Aufnahmen umfasst das Archiv von Herbert Schleich
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Herbert Schleich hat alle Kontinente bereist und mit der Kamera dokumentiert. Jetzt löst er sein Archiv auf.

Brilon..  Der Mount Everest liegt im Großformat unter seinem Bett. Die Londoner Tower Bridge schlummert in kleinen Diarahmen im Wohnzimmerschrank. Und der Thülener Bauer, der den Acker pflügt, tut das in einer der zahlreichen wohl sortierten Pappschachteln zu Hause im Schmelterfeld bei Herbert Schleich.

Fotografie ist die große Leidenschaft des 84-jährigen Ur-Briloners. 1240 Filme hat er belichtet. Dank sparsamen Einfädelns hat er aus jedem 36-er Film 38 Fotos herausgeholt. Später kamen digitale Aufnahmen dazu. „Ich denke, es sind so um die 100 000 Dias, Fotos und Repros, die ich in mehr als 100 Ordnern aufbewahre“, sagt Schleich. Jetzt möchte er sich irgendwie von den Fotos trennen. Aber wie?

Mit einer Agfa-Box fing damals alles an. „Da war ich zehn Jahre alt. 1951 bekam ich dann zu Weihnachten eine Voigtländer Vito. Eine Sucherkamera“, erinnert sich Schleich mit einem Glanz von Wehmut in den Augen. Die Geräte aller großen japanischen und deutschen Kamerahersteller hat er ausprobiert. Wenn er hochrechnet, wie viel Zeit und Geld er für das Hobby aufgebracht hat, dann wird ihm schon ein wenig schwindelig vor der Linse.

Auf allen Kontinenten der Erde ist Herbert Schleich gewesen. Viele ferne Länder lernte er dank der guten Kontakte zu Schülern kennen, die früher das Goethe-Institut in Brilon besuchten und später zum Teil in gehobenen Positionen z.B. als Botschafter ihres Landes arbeiteten. Ob Euphrat und Tigris, ob Hagia Sophia, die Tempel der zehntausend Buddhas, die sixtinische Kapelle oder Lhasa – Herbert Schleicht ist dort gewesen. Und oft für sehr kleines Geld: Für 4,30 Mark schipperte er auf einem Kombi-Frachter durchs Schwarze Meer. Auf vieles im Gepäck hätte er verzichtet, aber nie auf seine Kamera.

Viel von der Welt gesehen

Ab 1969 hat ihn seine Ehefrau auf den zahlreichen Foto-Exkursionen begleitet. Aber auch schon als Student hat der 84-Jährige – verheiratet, zwei Kinder, Abitur in Brilon, betriebswirtschaftliches Studium in Hamburg, Köln und Graz – einiges von der Welt gesehen.

Als Tallymann (Ladungskontrolleur auf Schiffen) oder als Reiseleiter in Zügen hat er sich nebenbei Geld verdient, um sein Hobby zu finanzieren und um den Globus zu entdecken. „Ich bin gut rumgekommen. Alles schafft man nicht und sollte man sich auch nicht vornehmen. Aber es waren keine Faulenzer-Reisen, sondern fotografische Exkursionen“, beteuert der bekennende Brücken-Fan.

Aber auch viele Menschen sind ihm vors Objektiv gekommen. „Im Orient musste man aufpassen. Ansonsten habe ich immer brav gefragt und eigentlich auch nur selten Absagen bekommen.“ In Brilon musste er gar nicht erst fragen, wenn er Briloner Originale portraitiert oder Brauchtum und Lebensart festgehalten hat. Seine Bilder vom Ackerbau, vom Schlachtefest oder aus der Räucherkammer erzählen Geschichten von längst vergangenen, aber noch nicht vergessenen Tagen.

Ausstellungen und Preise

Einige Bilder von Herbert Schleich wurden sogar in London, Nouakchott (Hauptstadt Mauretaniens) oder Hong-Kong ausgestellt. 1956 war der Briloner Preisträger der photokina im Wettbewerb „Jugend fotografiert“. Außerdem ist er Autor zahlreicher Bildbände u.a. über Lokomotiven oder über „Luie und Pröhlekes“ aus Brilon. Seine Fotos über sakrale Kunst und Architektur der Weltreligionen hat er mehrfach gezeigt.

Doch was soll mit all den Bildern einmal geschehen, wenn Herbert Schleich die Kamera für immer aus der Hand gelegt hat? Diese Frage beschäftigt ihn seit geraumer Zeit. Auf eine kleine Anzeige zum Verkauf von Bildern hat sich bislang ein Winterberger Gastronom gemeldet. „Wenn ich alles in den Müll werfe, ist es hinterher noch Sondermüll und ich krieg’ Ärger.“ Einfach verschenken möchte er die Bilder auch nicht. Und im tiefsten Innern möchte er sie vermutlich gar nicht gerne hergeben.Vielleicht findet sich ja jemand, der das fotografische Erbe zu würdigen und zu schätzen weiß. Klick!