Briloner Sängerin Schirin Partowi baut musikalische Brücken

Die Briloner Altistin Schirin Partowi.
Die Briloner Altistin Schirin Partowi.
Foto: Privat
Was wir bereits wissen
Die Briloner Sängerin Schirin Partowi vertont auf ihrer neuen Platte Texte der Weltliteratur über Religionsgrenzen hinweg.

Brilon.. Musiker sind Wanderer zwischen den Welten, und zwar von Anbeginn. Also gibt es historisch und kulturell viel mehr Kontakte zwischen Abendland und Morgenland, als man in unserem Zeitalter der neuen Religionskriege denken mag. Die Briloner Altistin Schirin Partowi forscht nach diesen gemeinsamen Wurzeln – und entdeckt dabei die christlich-arabische-jüdische Mystik. Zusammen mit ihrem „Avram“-Ensemble legt sie jetzt mit „All in One“ eine Platte vor, die erstaunliche und entzückende Einsichten ermöglicht, welche spirituellen Brücken Musik bauen kann.

Nehmen wir zum Beispiel Hildegard von Bingen. Deren Komposition „caritas abundat“ singt Schirin Partowi mit weiten Vokalisen, also vielen Tönen auf einem einzelnen Vokal. Das erinnert an gregorianische Gesänge und an mehr. „Die mittelalterliche Musikauffassung ist so melismatisch, dass man sie mit den orientalischen Melismen vergleichen kann“, hat Schirin Partowi ermittelt.

Abraham als Ausgangspunkt

In Brilon als Tochter einer deutschen Mutter und eines persischen Vaters aufgewachsen, sucht die Sängerin mit den „Avram“-Projekten nach ihren eigenen Ursprüngen und findet gleichzeitig die Quellen des Menschseins.

Fragendomino „Jahrelang war ich ausschließlich in der Klassik unterwegs, bis ich gemerkt habe, dass ich mich mit meinen Wurzeln beschäftigen muss - und mit dem Unfrieden in der Welt. Dann habe ich erstmals orientalische und jüdische Musik studiert.“ Die Kulturhauptstadt 2010 gab den Anstoß für „Avram“. Das ist der orthodoxe Name für Abraham. „Wenn wir interkulturell arbeiten wollen, nehmen wir die abrahamitischen Buchreligionen als Ausgangspunkt, habe ich gedacht. Inzwischen sind wir bei allen Religionen.“

Schirin Partowi wird auf vielen Opernbühnen gefeiert

Schirin Partowi wird mit ihrer ausdrucksvollen Altstimme auf vielen Opernbühnen, auch im Theater Hagen, gefeiert, und sie ist in der Region sehr bekannt als Solistin in großen Chorkonzerten mit kirchenmusikalischer Literatur. Für „Avram“ ist sie einen Schritt weitergegangen. Aus der Interpretin wird die Musikforscherin und die Komponistin. In dieser Personalunion hat sie auch dem Kinofilm „Der Medicus“ ihre Stimme und ihre Töne verliehen. „Für mich ist das eine ganz eigene Entdeckungsreise“, schildert sie. „Ich habe alle Bedenken fallen gelassen, dass das meiner klassischen Karriere schadet, denn Musik für dieses Ensemble zu schreiben, ist etwas Neues für mich, und diese Lust am Experimentieren macht so viel Freude.“

Filmmusik Neben Hildegard von Bingen vertont Schirin Partowi auf der neuen CD Texte aus dem Hohelied des Salomo, des persischen Dichters Rumi und der Heiligen Teresa von Avila. Dazu kommen traditionelle Liebes- und Glaubenslieder aus der Türkei und Bosnien.

Und „Das Tor“ von Simone Weil (1909 - 1943). Simone Weil? Die atheistische Philosophin und Sozialrevolutionärin? „Sie ist gegen Ende ihres Lebens zur Mystikerin geworden. Ihr Text ist besonders schön, weil man ja an diesen Türen rütteln möchte, die sie beschreibt. Das tun Künstler immer, und wenn Kunst gelingt, ist man ein Stückchen hinter der Tür. Der Mensch will über sich hinauswachsen, das ist eine Ureigenschaft.“

Klarinette und Ney-Flöte singen mit

Schirin Partowi ist nicht die einzige Stimme bei „Avram“. Mit ihr singen zwei Instrumente. Murat Cakmaz steht mit der türkischen Ney-Flöte für den islamischen Kulturkreis, Peter Ehm mit der Klarinette für den jüdischen. Der Gitarrist Markus Wienstroer, Konstantin Wienstroer am Kontrabass und der Schlagzeuger Rhani Krija machen das Team komplett. Für Schirin Partowi bedeutet „Avram“ einen Aufbruch. „Jetzt hat ein palästinensischer Dichter angefragt, ob ich seine Texte vertonen möchte. Ich bin nach Ägypten eingeladen worden und habe eine Einführung in islamische Musik erhalten. Die Zukunft geht stark in Richtung Komponieren.“

Schirin Partowi gibt mit „Avram“ am 3. Juli um 20 Uhr beim Spirituellen Sommer ein Konzert im Bürgerzentrum Brilon. Karten: 02961 / 969950.

www.avram-ensemble.de