Brilon rätselt: Woher kommt das frei laufende Känguru?

Eines der Bennett-Kängurus der Familie Lange in Medebach. Das frei laufende Känguru gehört nicht zu ihrem Rudel.
Eines der Bennett-Kängurus der Familie Lange in Medebach. Das frei laufende Känguru gehört nicht zu ihrem Rudel.
Foto: Archiv
Was wir bereits wissen
In Brilon ist Mittwochnacht ein Känguru gesichtet worden. Mehrere Personen haben Videos gedreht. Es stellt sich die Frage: Wem gehört das Tier?

Brilon/Medebach.. Känguru Skippy bleibt untergetaucht. Weder bei der Polizei noch beim Ordnungsamt haben sich weitere Anrufer gemeldet, die das Beuteltier gesehen haben. Zur Erinnerung: An mehreren Stellen in Brilon und zuletzt in der Nacht zum Mittwoch zwischen Altenbüren und Antfeld war der schnelle Hüpfer gesichtet worden. Wo also hält sich der australische Einwanderer auf und wem gehört er schlussendlich?

Beim Hochsauerlandkreis sind keine Skippys registriert. Natürlich müssen sie nicht zum Einwohnermeldeamt: „Aber die Haltung bestimmter Känguru-Rassen müsste beim Veterinäramt angezeigt werden. Und davon gibt es null Kängurus im Hochsauerlandkreis“, sagt HSK-Sprecher Jürgen Uhl. In der Tat regelt das Artenschutzgesetz und da die sehr umfangreiche Richtlinie zur Haltung von Säugetieren genau, welche Tiere wie und wo gehalten werden dürfen. Alleine zum Thema Kängurus existieren sieben Seiten Text.

Etwas Besonderes

Trotzdem gibt es aber auch im Altkreis Brilon einige Tierfreunde, die sich Kängurus halten. Es sind Rassen, die nicht meldepflichtig sind und die es in den australischen Outbacks nicht besser haben könnten als zum Beispiel in Medebach-Oesterwiesen. Fünf sogenannte Bennett-Kängurus oder „Wallabys“ genießen auf dem landwirtschaftlichen Betrieb von Doris Schneider-Lange und ihrem Mann Markus Lange in einem 2500 Quadratmeter großen Gehege mit Baumbestand den australischen Sommer made im Sauerland. Es sind eher kleinere, possierliche Tiere. Aber auch in Medebach wird keines vermisst.

Als Doris Schneider-Lange vor zwölf Jahren einen runden Geburtstag feierte, hatte sie sich etwas Besonderes gewünscht. Da kann geholfen werden, dachte sich ihr Mann und kaufte die ersten beiden Exemplare in Lölbach bei Frankenberg und in Bayern. Und weil die beiden offenbar gut miteinander auskamen, war auch – ruckzuck – eine ganze Familie entstanden. „Vor zwei Jahren hatten wir einmal vierzehn Stück; jetzt sind es noch fünf“, erzählen die beiden, die mit ihren Tieren sehr sorgsam umgehen und sich damit viel Mühe machen.

Immer wieder stehen Gäste am Gehege des Bauernhofs und wenn Markus Lange in der Stadt unterwegs ist, tuscheln die Urlauber: „Das ist der mit den Kängurus.“ Auch den Langes ist schon mal ein Exemplar ausgebüxt. Nach sechs Wochen hatten sie es wieder. Gelandet war es im hessischen Hanau – das sind rund 160 Kilometer. Vorher waren immer wieder Meldungen über den aktuellen Aufenthaltsort des Streuners im hessischen Radio aufgetaucht. Känguru

„Unsere fressen am liebsten Gras, frisch geröstetes Toastbrot, Weizen und auch Laub“, kennt Markus Lange die Vorlieben seiner Pappenheimer. Aber auch bei einer Nordmanntanne sagen Luna, Melody, Andromeda, Leander und Titanianicht Nein. Lange: „Die fressen die Nadeln ab, bis aufs Gerippe.“ Eine Lebenserwartung von zehn bis fünfzehn Jahren haben die Tiere übrigens, die auch über die landwirtschaftliche Versicherung angemeldet und top-gepflegt sind.

"Wir würden den Streuner aufnehmen"

Die Nachricht über das Känguru in Brilon ist natürlich auch in Medebach mit Interesse aufgenommen worden. „Auch bei mir hat die Polizei nachgefragt, ob noch alle da seien“, erzählt Markus Lange. Er wiederum hat bei einem Bekannten in Hesborn angerufen, der auch acht dieser Tiere hält. Aber auch dort wird keins vermisst. Die Nachricht vom ausgebüxten Känguru macht aber offenbar weltweit die Runde. Denn die Tochter der Hesborner Familie, die vor Jahren bei einem Australien-Urlaub ihr Herz für die Tiere entdeckt hatte, erfuhr in Las Vegas vom Sauerländer Skippy und fragte erstmal zu Hause nach: „Das ist doch wohl keins von unseren?!“

Polizeisprecherin Bianca Scheer kann auch keine neuen Meldungen über Känguru-Sichtungen machen: „Es wäre aber schon gut, wenn man das Tier finden würde. Auch als Autofahrer ist man bestimmt überrascht, wenn da plötzlich so ein Känguru über die Straße hoppelt. Das könnte rasch zu einem Unfall führen“ Vielleicht ist Skippy nicht nur aus Australien, sondern auch aus Hessen eingewandert. „Bei uns gab es vergangene Woche mal eine Meldung aus dem Raum Eimelrod“, so ein Polizeisprecher in Korbach. Man habe daraufhin im Tierpark Willingen nachgefragt; aber die haben keine Kängurus.

Im Landkreis Waldeck-Frankenberg hatte vergangenes Jahr ein Luchs die Polizei auf Trab gehalten; der war im Februar aus dem Wildpark am Edersee ausgerissen und später beim Sonnenbad mit einem Betäubungspfeil wieder hinter Gitter gebracht worden. Ob Skippy ein ähnliches Schicksal droht? Doris Schneider-Lange: „Falls der Streuner gefunden würde, würden wir ihn hier bei uns auf jeden Fall erstmal aufnehmen.“ Das ist doch eine gute Perspektive für Skippy.

Känguru sorgt für Gesprächsstoff

Nix im Beutel, aber große Sprünge machen. So gesehen ist das Beuteltier im Sauerland in der falschen Region unterwegs. Denn manche Kommunen sind in der Tat ganz schön klamm, aber die großen Sätze verkneifen sie sich ohnehin schon. Dass die Nachricht über ein ausgebüxtes Tier auf so viel Resonanz stößt, ist schon erstaunlich. Mehr als 16.000 Mal wurde das Thema auf unserer facebook-Seite angeklickt und ausgiebig kommentiert.

„Man munkelt, es habe die Post rumgebracht“, schreibt ein User mit einem Augenzwinkern. „Ich habe eben ein Nilpferd mit Ballettröckchen bei mir im Garten gesehen. Hicks, muss ich das jetzt auchh melden“, meint ein Leser, der die Nachricht wohl als Gag aufgefasst hat. Ein anderer will ein Krokodil im Garten gesehen haben. Der Nächste meint „Der Besitzer ist vermutlich in Urlaub.“

Jedenfalls sorgt so ein Känguru für Gesprächsstoff. Schön war das Telefonat mit dem Hallenberger Bürgermeister, der nicht wusste, dass auch in seinem Stadtgebiet acht Tiere leben. Das den Künsten zugewandte Stadtoberhaupt meinte aber schlagfertig: „Wenn eins davon malen oder musizieren könnte, hätte ich es bestimmt gekannt.“ Das wäre dann aber Teil 3 der Känguru-Story.