Brilon ist auf dem Weg zu „Bad Brilon“

Rüdiger Strenger und Hans-Joachim Bädorf
Rüdiger Strenger und Hans-Joachim Bädorf
Foto: WP
Für den Kneippkurort Brilon ist die Höherstufung als Kneippheilbad in greifbarer Nähe.

Brilon..  Brilon ist auf dem besten Weg, das Prädikat „Kneippheilbad“ zu bekommen. „Die Stadt kann jetzt einen Apfel pflücken, der zum Greifen nahe ist.“ Das sagt Hans-Joachim Bädorf. Er ist Vorsitzender des Verbandes Deutscher Kneippheilbäder und Kneippkurorte. Zum ersten Mal in seiner 50-jährigen Geschichte tagt dieses Gremium in der Stadt des Waldes. Und das aus gutem Grund.

„Brilon hat in den vergangenen Jahren infrastrukturelle Sprünge gemacht“, schwärmt Bädorf. Und nennt die zahlreichen Projekte auf dem Weg in Richtung Gesundheitstourismus. „Die Stadt hat mit ihren Angeboten und mit Hinblick auf das Krankenhaus als medizinisches Kompetenzzentrum über den Akutbereich hinaus ein nahezu einzigartiges Ensemble zu bieten.“ Wer den Statuts Heilbad und dann auch noch ein gut aufgestelltes Krankenhaus vor der Haustür habe, der sei optimal aufgestellt.

Gutachten für Heilanzeigen

Worte, die BWT-Geschäftsführer Rüdiger Strenger gerne hört: Selbst die Bezirksregierung habe schon gefragt, warum Brilon bislang den Heilbad-Status bislang noch nicht beantragt habe. 2012 gab es die sogenannte Re-Prädikatisierung für Brilon als Kneippkurort. Also alle Dinge, die ein Kneippkurort braucht, wurden nochmal gecheckt. Strenger: „Dadurch haben wir noch aktuelle Gutachten in Bezug auf Luft- oder Klima, die wir für das Verfahren zum Heilbad nutzen können.“ Was die Stadt auf jeden Fall noch braucht, ist ein medizinisches Gutachten für Heilanzeigen. Man habe erst einmal die Regionale-Projekte fertigstellen wollen. Und auch in Sachen Beherbergung tue sich in der Stadt ja noch einiges, so Strenger.

Das weitere Procedere würde so aussehen, dass der Rat einen Beschluss fassen müsste: Heilbad Ja oder Nein? Dann müsste die Verwaltung das Verfahren bei der Bezirksregierung beantragen. „Mit dem Thema werden wir uns in einer der nächsten Sitzungen befassen“, verspricht Bürgermeister Dr. Christof Bartsch. Bis zur Anerkennung als Heilbad würde aber gewiss ein Jahr ins Land ziehen. Und ob Brilon dann tatsächlich den Titel „Bad“ im Namen führen würde, steht auf einem ganz andern Blatt. Bädorf: „Dafür ist das Innenministerium zuständig.“ Und vorher natürlich der Rat, der schon einmal - aber nicht abschließend - über Zusatzbezeichnungen wie „Stadt des Waldes“ und „Hansestadt“ diskutiert hat.

Verzicht auf drei Buchstaben

Viele Orte tragen den Titel ganz „Bad“ übrigens bewusst nicht im Namen. Oberstdorf, Überlingen oder sogar Aachen sind Kneippheilbäder ohne die drei Buchstaben im Namen . Kurios: Hieße Brilon wirklich einmal „Bad Brilon“ und verlöre es nach einigen Jahren seinen Heilbäder-Status, so bliebe der Name trotzdem bestehen. Populäres Beispiel dafür: Bad Godesberg.

Aber von einer Aberkennung ist ja hier keine Rede. Im Gegenteil: Kneippverbandsvorsitzender Bädorf sieht für die Heilbäder von heute gute Chancen: „Der demografische Wandel spielt hier eine positive Rolle. Wir wollen und müssen älter werden, weil der Staat den Menschen länger im Arbeitsleben sieht. Daher kommt der Prävention eine große Bedeutung bei.“ Und: Nach verheerenden Einschnitten im Kurbereich gehe alles mehr in Richtung Selbstzahler.

Der klassische Drei-Wochen-Kurgast, den die Krankenkasse schickt, wird vermutlich nicht nach Brilon kommen. Dafür aber z.B. die Firma, die sich einem betrieblichen Gesundheitsmanagement verschrieben hat und nach Brilon reist. Oder vielleicht nach „Bad Brilon“.

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