Bis in die heutige Generation Vorbild für viele Sozialdemokraten

Brilon..  Er war mehr als drei Jahrzehnte lang das Gesicht der SPD im Sauerland und hat Generationen von Kommunalpolitikern als Vorbild für Aufrichtigkeit und Anständigkeit gedient und sie für die SPD begeistert.

Am Montag ist Julius Drescher im Alter von 95 Jahren verstorben. Kurt Schumacher, der kriegsversehrte preußische Sozialist, der erste Nachkriegs-Vorsitzende der SPD und Oppositionsführer im Bundestag war es, der den jungen Marinesoldaten für die SPD begeisterte.

1946 gehörte Drescher zu den Gründern der SPD Brilon und schon ein Jahr später trat er als damals jüngster Kandidat zur Landtagswahl in NRW an. Doch dauerte es dann noch zehn Jahre, ehe er über die Liste einen Sitz in Düsseldorf einnehmen konnte. Bis 1980 gehörte Drescher dem Landesparlament an. In besonderer Erinnerung haften geblieben sind die Jahre 1956 bis 1958 sowie 1961 bis 1963.

Von der Kanzel angefeindet

Da hatte Julius Drescher als erster Sozialdemokrat das Bürgermeisteramt in Brilon inne. Konservative Kreise, allen voran der damalige Propst, ließen kaum etwas unversucht, den SPD-Mann zu desavouieren. Zum Trotz schoss er sich 1959 zum Schützenkönig. „Der Spiegel“ widmete dem kirchlichen Ränkespiel im Hochsauerland damals drei Seiten.

Trotz dieser Widerstände habe er nicht resigniert, rechnet ihm sein Nachfolger im Rathaus, Franz Schrewe, SPD-Bürgermeister von 1999 bis 2014, hoch an. Mit seinem politischen Wirken habe er „bis in die heutigen Tage das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben in Brilon zum Positiven beeinflusst“. Und der heutige Amtsinhaber, Dr. Christof Bartsch, hat Julius Drescher als „aufrechten Sauerländer“ kennengelernt, dem „seine Stadt Brilon und die Menschen sehr am Herzen lagen“. Er habe „einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, die Sozialdemokratie im Sauerland nach dem Krieg hoffähig zu gestalten“.

Und zwar bis in die jüngste Generation. Für Dirk Wiese (31), Unterbezirksvorsitzender und MdB, war Julius Drescher „stets ein Vorbild und Ansporn“. Sein politisches Engagement sei ohne Eigennutz und von tief empfundenem Demokratie- und Gerechtigkeitsverständnis geprägt gewesen. An die persönlichen Begegnungen mit ihm werde er sich „immer gern und mit großem Respekt für die Lebensleistung erinnern“.

Das Seelenamt für Julius Drescher findet morgen, Freitag, um 15 Uhr in der Propsteikirche statt, anschließend Beisetzung.

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