„Big Brother“ war gestern: Auch dem „Circle“ entgeht nichts

Hast du einen Facebook-Account? Stellst du deine Fotos via Instagram ins Netz? Und twitterst du vielleicht auch? Wahrscheinlich würde Mae das alles auch tun, würde sie in unserer Zeit leben – das tut sie aber nicht. Stattdessen lebt Mae in der nicht ganz so fernen Zukunft, in der sämtliche Sozialen Netzwerk zu einem einzigen verbunden wurden, sodass ein einziger Konzern – der „Circle „– das gesamte Internet beherrscht.

Ausgerechnet beim „Circle“ wurde Mae vor kurzem ein Job angeboten: Raus aus ihrem alten Büro in der Heimatstadt, in der sie sich schon lange nicht mehr wohlfühlt, und rein in den Campus vom „Circle“, dessen Arbeit nach einem echten Traum klingt: Auf einem riesigen Campus in Kalifornien mit eigenen Läden, Fitnessstudio, täglichen Partys und mehr arbeitet Mae nun.

Der „Circle“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, jede Information für jeden zugänglich zu machen: Herrschte im Internet früher noch Chaos dank Anonymität und verschiedener Netzwerker, ist damit nun Schluss. Damit soll es mehr Schutz geben, die Kriminalität soll verschwinden – nicht nur im Internet sondern auch im realen Leben.

Es dauert nicht lange, bis Mae zur Vorzeigemitarbeiterin des „Circles“ wird: Sie bearbeitet eine Kundenanfrage nach der nächsten, engagiert sich auf den verschiedensten sozialen Netzwerken und mehr – immer überwacht von Statistiken, die untersuchen, wie zufrieden Maes Kunden sind, in welchem Umfang sie im Internet mitmischt und mehr.

Dann aber macht Mae eine mysteriöse Bekanntschaft: Ein Mann, den sie auf einer Party kennenlernt und der sich Kalden nennt, zieht sie in ihren Bann. Wer er ist? Von ihm kennt sie nur seinen Vornamen, doch das ist zur Zeit des „Circles“ kein Problem mehr: Per Gesichtserkennung, Namenssuche und mehr kann nicht nur jede Person, sondern auch der Aufenthaltsort jeder Person gefunden werden – nur Kalden lässt sich nicht finden.

Wohin geht unsere Gesellschaft?

Immer öfter wird Dave Eggers Roman als Nachfolger von Orwells „1984“ gehandelt – auch wenn ein solcher Vergleich nahezu utopische Erwartungen an den Roman stellt. Dennoch führt „Der Circle“ dem Leser vor Augen, dass die Welt, in denen Mae lebt, nicht ganz so weit von unserer entfernt ist wie wir vielleicht glauben wollen.

Im „Circle“ geht der Trend zur Transparenz: Politiker, Mitarbeiter und mehr tragen kleine Kameras an einer Kette um den Hals, deren Livestream im Internet landet. Was muss ein Politiker besprechen, das er nicht auch vor Menschen besprechen kann? Was hat ein Mitarbeiter zu verbergen, das er nicht möchte, dass ein Privatleben im Internet landet? Wer nicht mithalten kann, wird schnell beschuldigt, gegen das Gesetz zu handeln.

Dave Eggers verfügt über einen eher ruhigen und durchaus humorvollen Schreibstil, der den Leser auch das eine oder andere Mal zum Schmunzeln bringen wird. Ein wirklich spannender Roman, der uns vielleicht vorführen soll, in welche Richtung unsere Gesellschaft gehen könnte, dennoch aber nicht allzu weit von unserer Realität entfernt ist.