Bewusstsein für Naturschutz vermittelt

Beringt mit einem Ring der Vogelwarte Helgoland entlässt Winfried Limpinsel zur Einweihungsfeier des neuen Informationszentrums (hinten) ein Sperberweibchen und Turmfalkenmännchen geheilt in die Freiheit.
Beringt mit einem Ring der Vogelwarte Helgoland entlässt Winfried Limpinsel zur Einweihungsfeier des neuen Informationszentrums (hinten) ein Sperberweibchen und Turmfalkenmännchen geheilt in die Freiheit.
Foto: WP
In Essentho wurde ein neues Informationszentrums an der Greifvogel-Ausgewöhnungsstation eröffnet.

Essentho..  Das Turmfalkenmännchen hat einen grauen Kopf und unterscheidet sich damit vom Turmfalkenweibchen, erfährt die Gästegruppe von Winfried Limpinsel. Dann beringt der Vogelexperte ein Bein des Turmfalken und entlässt ihn in die Freiheit.

Zur Feier des Tages entlässt er auch noch eine Sperberdame geheilt aus dem Vogelkrankenhaus. Sie war mit einem Einschussloch von einem Luftgewehr eingeliefert worden. In der Ausgewöhnungsstation für Greifvögel und Eulen in der idyllisch gelegenen Essenthoer Mühle half ihr die Familie Limpinsel in den vergangenen drei Wochen, wieder gesund zu werden. So wie den rund 500 Vögeln, die im vergangenen Jahr in der Station aufgepäppelt worden sind.

Der Grund der Feier: Die Eröffnung des neuen Informationszentrums der Ausgewöhnungsstation. Ein 12 mal 6 Meter großes Holzhaus. Es steht auf Betonstelzen über einem der Fischteiche. Im Sonnenlicht schimmern dicht unter der Wasseroberfläche die Umrisse von riesigen Graskarpfen. Träge ziehen sie ihre Runden durch den Teich. Das Informationszentrum wurde mit 50 000 Euro aus Leadermitteln des EU-Förderprogramms finanziert.

Die Gästegruppe setzte sich zusammen aus Vertretern der Bezirksregierung Arnsberg, der Landkreise Höxter, Paderborn und HSK, der Biologischen Station Kreis Höxter, des Regionalforstamtes Hochstift, des Jugendwaldheims Ringelstein der Stadt Marsberg und weiterer Sponsoren. Sie alle begrüßte Winfried Limpinsel im neuen Informationszentrum und dankte allen Unterstützern, die die Kofinanzierung des Leader-Projektes sichergestellt haben, an vorderster Stelle der Familie Zeppenfeld von der Firma Ritzenhoff, die die restlichen 8000 Euro aus einer Stiftung beisteuerte.

Nolte: „Hohe Wertschätzung“

Heinrich Nolte (Medebach) von der Leader-Region Hochsauerland zeigte sich tief beeindruckt von den vielen Finanzierungsbeteiligten, darunter die drei Landkreise und die Stadt Marsberg. Nolte: „Das zeigt die hohe Wertschätzung.“ Unter den 70 geförderten Projekten der Leaderperiode nannte er das neue Infozentrum ein Glanzstück. Er dankte der Familie Limpinsel für ihr großes privates Engagement. Jährlich besuchen etwa 2000 Menschen die Station, darunter auch viele Schulklassen und Kindergärten.

Die Familie Limpinsel führt sie durch die Station, erklärt ihnen Flora und Fauna. Und hat mit dem Infozentrum jetzt auch die notwendige Räumlichkeit dazu. „Dieses Projekt zeigt, wie wichtig Leader für die Region ist“, so der stv. Landrat des Hochsauerlandkreises, Ferdi Lenze.

Bernd Müller, Abteilungsdirektor von der Bezirksregierung Arnsberg, hob „die Einmaligkeit“ der Ausgewöhnungsstation hervor. Seit 35 Jahren hegt und pflegt die Familie Limpinsel erkrankte Vögel, nicht nur Greifvögel und Eulen. Müller: „Durch ihr beispielloses Engagement haben Sie eine renommierte und die größte Station in Deutschland aufgebaut.“

Mit viel Herzblut

Und das ehrenamtlich mit viel Herzblut. Naturschutz funktioniere nur, wenn die Menschen ein Bewusstsein dafür bekommen. Und das werde ihnen in der Station seit 35 Jahren erfolgreich vermittelt.

„Als ich aus dem Auto gestiegen bin, hat eine Nachtigall gesungen. Was will man mehr als Vogelkundler“, war Peter Jerkenrath von der Vogelschutzwarte Nordrhein-Westfalen gleich mitten in der Thematik.

Er hob die Bedeutung der Station für den Greifvogelschutz hervor und bescheinigte der Familie Limpinsel die „gute Qualität ihrer Arbeit und große Kenntnisse über Vogelkrankheiten und Biologie“.

Authentischer Artenschützer

Bürgermeister Hülsenbeck: „Die Stadt Marsberg ist stolz darauf, was hier geleistet worden ist.“ Als authentischer Artenschützer stehe Winfried Limpinsel den Revierförstern mit Rat und Tat zu Seite, so Roland Schockemöhle, Leiter des Regionalforstamtes Hochstiftes. Um das weiter zu festigen, unterschrieben beide einen Kooperationsvertrag. Aus den Lautsprechern erklang leise: „Und die Vögel sangen“. Winfried Limpinsel: „Wir möchten, dass sie weitersingen und werden alles dafür tun.“