Betrug und Nötigung: 24 Monate Haft auf Bewährung

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Ein 23-jähriger Mann aus Willingen ist vom Amtsgericht Meschede zu 18 Monaten Gefängnis wegen Betrugs verurteilt worden. Zudem erhielt er eine sechsmonatige Haftstrafe wegen Nötigung. Beide Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

Willingen/Brilon/Meschede..  „Falsche“ Freunde, die hatte offenbar ein 23-jähriger Mann aus Willingen im wahrsten Sinne des Wortes. Und nicht nur aus diesem Grund musste sich der junge Kaufmann für Dialogmarketing am Donnerstag vor dem Amtsgericht Meschede verantworten. Wegen Betrugs wurde er zu einer Haftstraße von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Zudem erhielt er weitere sechs Monate Haftstrafe wegen versuchter Nötigung. Beide Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt.

„Mach das doch mal, es passiert doch nichts …“. Lange zögerte der Angeklagte, damals noch Festangestellter in einem Telekommunikations-Shop in Meschede. Die Aufforderungen aus dem Freundeskreis verleiteten den ehemaligen Briloner schließlich dazu, von August 2012 bis Juni 2013 Mobilfunkverträge mit Hilfe fiktiver Namen oder Namen von realen Kunden abzuschließen. Seine Freunde erhielten die Karten und die Smartphones. „Ich sah, es hat geklappt“, so der junge Mann. In Anbetracht seiner rund 10 000 Euro Schulden weitete er diese Geschäfte aus und ließ 15 Geräte an die eigene Adresse liefern. Mit ihnen wollte der Angestellte seine Schulden begleichen.

Urteil ist rechtskräftig

Weitere hochwertige 65 Apple-I-Phones, I-Pads und Samsung-Geräte ließ er an seine Freunde aus dem Raum Brilon, Bad Wünnenberg, Willingen und Büren ausliefern. „Ich wollte helfen, dass die auch Geld verdienen“, so der Angeklagte. „Dann allerdings setzten sie mich unter Druck. Ich befand mich in einer Notlage.“ Eine Notlage zum Weitermachen, sozusagen.

Diese Notlage spürt der Angeklagte auch heute noch: Bis auf zwei Empfänger traute er sich keine Namen zu nennen, da ihm ansonsten Gefahr drohen würde.

Als dem Mobilfunk-Unternehmen die Machenschaften seines Mitarbeiters auffielen, leitete es ein Ermittlungsverfahren ein. Außerdem erstatteten zwei echte Kunden, die Rechnungen und Mahnungen erhalten hatten, Strafanzeige.

Im weiteren Verlauf der Verhandlung ging es zudem um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs seiner damals 15-jährigen Freundin. Dieser Vorwurf konnte dem Angeklagten allerdings nicht nachgewiesen werden. Wohl aber hatte der 23-Jährige seine damalige Freundin durch - wie es im Juristendeutsch hieß - „Drohung mit einem empfindlichen Übel“ zu einer derartigen Handlung nötigen wollen. Auch wenn es bei dem Versuch blieb, so lagen rund 30 beweiskräftige WhatsApp-Nachrichten der nicht anwesenden Zeugin vor. Aus diesen ging hervor, dass die junge Frau sich bedroht fühlen musste. Wenn sie dem Angeklagten beispielsweise nicht weiterhin zur Verfügung stände, dann würde er die bis dahin geheime Beziehung öffentlich machen und so auch ihren Vater in Kenntnis setzen. Diese WhatsApp-Nachrichten konnte der Angeklagte weder beschönigen noch sich dem Vorwurf der Nötigung entziehen.

Die Staatsanwaltschaft sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte lediglich in den 15 Betrugsfällen gewerbsmäßig handelte. Für das Gesamtmaß der insgesamt 80 Fälle forderte er ein Jahr und sechs Monate, die seiner Ansicht nach zur Bewährung ausgesetzt werden könnten. Der Pflichtverteidiger hingegen hielt ein Jahr für den Betrug ausreichend. Richterin Spenner folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der anschließende Jobverlust und das umfassende Geständnis beeinflussten das Urteil.

Weitere sechs Monate hielt die Staatsanwaltschaft für die versuchte Nötigung für schuld- und tatangemessen. Das sahen sowohl der Verteidiger als auch die Richterin so. „Aus Fehlern lernt man“, meinte der Angeklagte. Er werde sich auch bei seinem früheren Arbeitgeber entschuldigen: „Das waren die größten Fehler, die ich in meinem Leben gemacht habe.“

Feste Stelle als Reinigungskraft

Die Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Außerdem muss der Angeklagte neben den Kosten für die Verhandlung und den Auslagen auch noch die auf ihn zukommenden Schadensersatz-Anforderungen des Mobilfunkbetreibers in voraussichtlicher Höhe von rund 50 000 Euro abbezahlen. Eine Mindestrate von 100 Euro monatlich sei hier angemessen, meinte die Richterin. Der Angeklagte hat eine feste Arbeitsstelle als Reinigungskraft.

Das Urteil ist rechtskräftig.