Betörende Stimme für den Medicus

Schirin Partowi hat in Berlin Lieder für den Kinofilm "Der Medicus" eingesungen.
Schirin Partowi hat in Berlin Lieder für den Kinofilm "Der Medicus" eingesungen.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Die gebürtige Briloner Sängerin Schirin Partowi hat am Soundtrack für den Kinofilm „Der Medicus“ mitgearbeitet. Die Geschichte um den Arzt Ibn Sina ist auch ein Stück Begegnung mit der eigenen Geschichte. Denn der Vater von Schirin Partowi war Arzt in Brilon.

Brilon.. Beinahe wird für Robert Jeremy Cole die Wüste zum Grab. Der junge Mann ist auf dem beschwerlichen Weg nach Persien, um bei dem legendären Heiler Ibn Sina die Kunst der Medizin zu studieren. Wird er es schaffen, die Hürden zwischen Christen, Juden und Muslimen zu überwinden? Da erklingt ein betörender, sirenenhafter Ruf, der ihm sagt: „Gib nicht auf!“ Die Stimme kommt von Schirin Partowi. Die gebürtige Brilonerin hat am Soundtrack für den Film „Der Medicus“ mitgewirkt, der zurzeit in den Kinos zu sehen ist.

Ein Stück Vergangenheit

„Für mich kommt durch die Arbeit an dieser Musik ein Stück Vergangenheit zu mir zurück“, sagt die persisch-deutsche Altistin, die Gesang und Musiktheater an der Folkwang-Hochschule Essen studiert hat. Denn auch ihr inzwischen verstorbener Vater war ein „Medicus“; erst Internist im Briloner Krankenhaus und später Arzt in einer Praxis in der Hubertusstraße. „Er ist mit Achtung vor der europäischen Kultur aus Persien nach Deutschland gekommen. Er war herzlich, liebevoll, weltoffen und er hatte Humor“, sagt Schirin Partowi.

Immer zum Jahreswechsel nimmt sich die Künstlerin eine kurze Auszeit in ihrer Heimatstadt. Achtung, Liebe, Weltoffenheit – um diese drei Schlüsselworte kreist vieles im Leben der Sängerin. Und um gegenseitige Akzeptanz, um Toleranz zwischen Menschen anderer Herkunft geht es auch in der Vorlage von Noah Gordon. „Daher war ich ungemein berührt, dass ich an diesem Projekt mitarbeiten durfte.“

Eine Verfilmung des historischen Romans war schon vor zehn Jahren im Gespräch. Damals hatte die ausgesprochen vielseitige Schirin Partowi, die neben internationalen Projekten u.a. zuletzt am Theater Hagen in „Bruder Lustig“ zu sehen war, gerade ihr Orient-Okzident-Programm mit der Formation „Avram“ begonnen. Unter Partowis künstlerischer Leitung haben sich hier erstklassige Musiker - u.a. auch der Schlagzeuger von Sting - zusammengetan, um jüdische, christliche und islamische Traditionen zu verschmelzen. „Man hat mich damals empfohlen; ich habe eine Demo-CD eingereicht. Danach habe ich nichts mehr von dem Projekt gehört.“

Zusammenspiel der Kulturen

Bis zum Sommer 2012. Da las die Brilonerin, die jetzt in Bonn lebt, dass „Der Medicus“ nun doch verfilmt werden solle. „Schade, offenbar ohne mein musikalisches Zutun“, dachte die Sängerin. Doch dann kam im letzten Sommer der Anruf eines Musikproduzenten, ob sie sich vorstellen könne, am „Medicus“ mitzuarbeiten. Und ob! Mit großer Euphorie hat sich die Altistin in die Aufgaben hineingekniet. Komponist und Regisseur schickten Schirin Partowi einige Kompositionen und ließen sie machen.

Die Texte, die sie verarbeitete, stammen z.B. vom christlichen Gelehrten Ramon Lull oder vom Mystiker Rumi. Es sind Troubadourlieder, die spärlich notiert sind und der Interpretin daher viel Gestaltungsmöglichkeit bieten. Texte, Klänge und Melodien aus mehreren Kulturen vereinen sich auch hier wieder zu einem harmonischen Neben- und Miteinander – wie es im menschlichen Zusammenspiel der Kulturen sein sollte.

Acht bis zehn Gesänge wurden dem Film-Komponisten zugeschickt. In Berlin nahm Schirin Partowi die Lieder auf und sah dort zum ersten Mal die Original Filmszenen u.a. mit Schauspielern wie Ben Kingsley und Tom Payne. Auch zur Weltpremiere reiste sie in die Bundeshauptstadt. „Als ich den kompletten Film zum ersten Mal sah, war ich schon ein wenig enttäuscht. Klar, ein Film ist ein Bildmedium. Manchmal sind nur zwei, drei kurze Sequenzen des ganzen Liedes zu hören. Und die kommen auch erst in der zweiten Hälfte des Streifens. Aber das Thema wiederholt sich ständig. Wer den kompletten Song hören will, der muss bis ganz zum Schluss bleiben.“ Aber das lohnt sich.

Eine Herzensangelegenheit

Für die Brilonerin, die im Nachspann von "Der Medicus" erscheint und auch im Booklet zum Soundtrack viermal erwähnt wird, war das Filmprojekt trotzdem eine Herzensangelegenheit. „Alle Texte haben die Liebe zum Thema. Die Liebe macht den Herrn zum Diener, den Unfreien frei“, sagt die Brilonerin.

Nur zu gut erinnert sie sich an ihr erstes Konzert in Kairo. Als sie eine für ägyptische Hörgewohnheiten untypische italienische Arie singt, lachen die Zuhörer. Beim zweiten Stück improvisiert die Künstlerin und singt ganz spontan ein persisches Lied. Danach ist der Bann gebrochen. „Ich bin auf die Menschen zugegangen, haben ihnen Achtung erwiesen. Und da sind wir wieder bei der Botschaft des Films und beim Lebensmotto meines Vaters, dem Medicus.“