Berufsorientierungs-Programm auf der Kippe

Hallenberg/Medebach..  Das Erfolgsprojekt ProBe der Verbundschule Medebach-Hallenberg wird künftig nicht mehr öffentlich gefördert wie bisher, dafür kommt KAOA – bei solch seltsamen Buchstabenkombinationen fühlt man sich ähnlich ratlos wie vor Urzeiten im Physikunterricht! ProBe steht für „Pro Berufsorientierung“ und bietet sowohl den Haupt- als auch den Realschülern der Verbundschule seit 2010 die Möglichkeit, verschiedenste Berufsfelder „probe“-weise intensiv kennenzulernen (siehe Infobox).

Gestützt wird das Projekt bisher mit Geldern vom Kreis, den Städten Hallenberg und Medebach, der Andreas-Kusch-Stiftung und von der Bundesagentur für Arbeit. Nun setzt das Land NRW jedoch auf das neue Programm KAOA. KAOA heißt „Kein Abschluss Ohne Anschluss“ und soll Jugendliche bei der Suche nach der passenden Ausbildungs- oder Studienrichtung unterstützen. Zahlreiche Schulen in NRW nehmen bereits jetzt schon daran teil; bis spätestens zum übernächsten Schuljahr wird KAOA für alle weiterführenden Schulen Pflicht. KAOA umfasst eine ausgiebige Berufsberatung, die sogenannte „Potentialanalyse“, und drei Praxistage in drei verschiedenen Berufsfeldern. Im Vergleich zum zweieinhalb Jahre wöchentlich laufenden ProBe klingt das nach einer deutlichen Verschlechterung.

Appell an Unternehmen

Der HSK hat seinen bisherigen Zuschuss für ProBe bereits eingestellt, weil er vom Land zur Förderung von KAOA verpflichtet ist. Die Bundesagentur für Arbeit hat für 2015 noch ihre Unterstützung zugesagt, dann ist auch hier Schluss. Bedeutet das das Ende für das erwiesen erfolgreiche ProBe?

Medebachs Bürgermeister Thomas Grosche bekräftigte bei der letzten Auszeichnung der ProBe-Absolventen, wie wertvoll diese Maßnahme für die Zukunft der Region sei, weil damit Jugendlichen Perspektiven vor Ort aufgezeigt und spürbar mehr Schüler in Lehrberufen sowie weniger Berufsabbrecher verzeichnet werden könnten. Grosche: „Ihr seid die Zukunft unserer Städte Medebach und Hallenberg. Wir brauchen Fachkräfte wie Euch, die wissen, was sie wollen.“

Ulrich Diekmann, der Geschäftsführer des Sozialwerks Sauerland, das für die Umsetzung von ProBe bei der Verbundschule zuständig ist, hofft auf eine Fortsetzung des Projekts: „Für die Schüler ist es eine nicht zu unterschätzende Stärkung des Selbstbewusstseins, wenn sie mit ihrem ProBe-Zertifikat schwarz auf weiß in der Hand halten, dass sie ein Jahr lang jede Woche einmal die Praxisphase durchgehalten haben. Sie können die Berufsfelder in dieser Zeit ganz anders und nachhaltiger ausprobieren, auch die Ausbildungsleiter und Eltern bekommen einen fundierteren Überblick, als es bei KAOA an drei Tagen möglich ist.“ Er äußerte weiterhin Bedenken, ausreichend Firmen für alle Schüler zu finden, die bereit sind, sich für einzelne Praxistage zur Verfügung zu stellen. „Deswegen ist es wichtig, ProBe zu erhalten, notfalls in einer abgespeckten Version. KAOA allein wäre für die Verbundschule ein Rückschritt.“

Kombination beste Lösung

Auf den Neujahrsempfängen in Hallenberg und Medebach riefen die beiden Bürgermeister Michael Kronauge und Thomas Grosche daher die heimischen Unternehmer auf, Sponsorengelder bereitzustellen, um die Zukunft von ProBe zu sichern. Vorsichtig optimistisch eingestellt ist deshalb Uwe Kruse, der Leiter der Verbundschule. Da die Andreas-Kusch-Stiftung aus Hallenberg bereits zugesagt hat, ihren bisherigen Anteil um den Part des HSK aufzustocken und mit 18 000 Euro die Hälfte des jährlichen Gesamtetats beizusteuern, ist ProBe momentan gesichert. Für die weitere Zukunft hofft er auf die Unterstützung der Betriebe vor Ort, denen die praxisnah vorbereiteten Haupt- und Realschüler letztlich zugute kämen, und somit die Möglichkeit, die KAOA-Potentialanalyse mit den Praxisteilen aus ProBe zu kombinieren: „Das Gute aus KAOA abschöpfen und am Bewährten von ProBe festhalten, das ist unser Ziel.“