Bei den Zwergen hinter Hallenberger Bergen

Freilichtbühne Hallenberg: Schneewittchen Kinderstück 2015
Freilichtbühne Hallenberg: Schneewittchen Kinderstück 2015
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Eine gelungene Premiere feierte am Sonntagnachmittag das Kinderstück auf der Hallenberger Freilichtbühne. Die sieben Zwerge sind dort in geheimer Mission unterwegs.

Hallenberg.. Ein Schneegestöber gab`s gestern in Hallenberg - zum Glück nicht wirklich, sondern nur bei Schneewittchen auf der Freilichtbühne. Mehr als 700 Zuschauer erlebten dort bei gutem Wetter eine tolle Premiere des diesjährigen Kinderstücks. Und die Schneeflocken, die zum Auftakt in der Luft tanzten, waren schnell geschmolzen. Eröffnet wurde die Freiluftsaison von Anne Willmes, Moderatorin der WDR-Lokalzeit Südwestfalen.

„Spieglein, Spieglein ...“

Wer das bekannte Grimmsche Märchen kennt, der weiß, dass Schneewittchen so weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz ist. Gespielt wird sie als Kind von Elisa Stöber. Johanna Mause präsentiert mit viel Anmut, frechem Humor die Hauptfigur als eine junge Frau, die ihre eigenen Wege geht, die weiß, was sie will und ihren eigenen Kopf hat. Und, dass sie noch dazu die „Schönste im ganzen Land ist“, gefällt ihrer Stiefmutter natürlich ganz und gar nicht.

Kerstin Rachfahl schlüpft unglaublich authentisch in die Rolle der garstig-bösen, herrschsüchtigen Königin Drusilla, die Schneewittchen mit einem Apfel vergiften will. Sie versteht es hervorragend, den Charakter der hinterlistigen Königin herauszuarbeiten. Da hat auch ihr Mann, der König und Vater von Schneewittchen, nicht viel zu melden. Martin Paffe, der eine sehr gelungene Besetzung dieser Rolle ist, bringt das sehr unterhaltsam rüber.

Mit Hilfe des sprechenden Spiegels, der aus lebenden Figuren besteht, will Drusilla die Mächtigste im ganzen Märchenreich werden. „Wollt Ihr das wirklich fragen? Ich kann nur die Wahrheit sagen“, verkündet der Spiegel, sobald sich jemand an ihn wendet. Und die Antwort haut er dann schonungslos mit monotoner Singsang-Stimmen raus: „Kurz und knapp - der Lack ist bei Euch schon lange ab.“ Das macht Drusilla selbstverständlich rasend. Selbst ihr Sohn Bernd, der schon beim kleinen Einmal-Eins scheitert, wendet sich von seiner machtgierigen Mutter ab. Gespielt wird er als Kind von Paul Mütze, in späteren Jahren sorgt Louis Stöber mit coolen Kommentaren für sehr gute Unterhaltung.

In geheimer Mission

Gegenspielerin von Drusilla ist Königin Mathilde aus dem Nachbar-Märchenland. Ingeborg Dornseiff ist super in ihrer Rolle als gutmütige Königin, die einfach nicht befehlen kann, aber zur Rettung des Märchenreichs auch mal die Fäuste fliegen lässt und im feinen Kleid einen Trabi anschiebt. Sie schickt ihre 007-Geheimagenten aus, um das Märchenreich zu retten. Auch ihr Sohn Paul ist top secret unterwegs: Jannik Wölki sorgt als Jäger getarnt für gute Unterhaltung. Ausgestattet ist er, mit allem, was man undercover so braucht: Gefälschte Zeugnisse, einen Fallschirm, eine Armbrust, ein Fahrrad und einen Müsli-Riegel.

Ebenfalls undercover unterwegs ist die Zwergentruppe, in der die einzelnen Charaktere sehr gelungen besetzt sind. Bei ihnen findet Schneewittchen Zuflucht: Hinter den Bergen, bei den sieben Zwergen. Hier hat jeder von ihnen sein Bettchen, sein Tellerchen, sein Becherchen. Ihre Namen sind Programm: Krittl, Hinz und Kunz, Gusto, Quäntchen, Pfiff und Bossel präsentieren sich als tolles Team in geheimer Mission, was dem Märchen witzig-modernen Pep bringt und gleichzeitig das, was das klassische Märchen ausmacht, nicht aus den Augen verliert.

Rappende Zwerge, rosa Trabi

Genau das ist Regisseurin Bärbel Kandziora ein Anliegen. Sie führt in diesem Jahr zum ersten Mal beim Hallenberger Kinderstück Regie und präsentiert eine schwungvolle Inszenierung, in der sich märchenhaft-phantasievolle Kostüme, rappenden Zwerge, ein quietschrosa-farbener Trabi, ein tanzender Wald, der sprechende Spiegel und der traditionell-geprägte Königshof mit Dienern, Wäscherinnen und Edeldamen wunderbar zu einem modernen Märchen zusammenfügen. Für ordentlich Schwung sorgen auch die kleinen Mäuse – schließlich sind sie die einzigen, denen es gelingt, die böse Drusilla mal so richtig in Angst und Schrecken zu versetzen

Ideenreicher Wortwitz, 80 Akteure, tolle Überraschungs-Momente und jede Menge Situationskomik machen das Kinderstück zu einem Erlebnis für die ganze Familie.

Als Erzähler führt Ulrich Cappel mit seiner bekannten wunderbar-witzigen Art durch die Geschichte, in der natürlich - wie es sich für ein richtiges Märchen gehört - am Ende alles gut wird. Insgesamt ist also Ganz ganz schön was los bei den sieben Zwergen, hinter den Hallenberger Bergen ... - und das noch insgesamt fünfzehn Mal in dieser Saison.