Barbara Steffens: Angehörige stärker mit einbinden

NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens informiert sich in der Klinik am Stein über die Arbeit des Demenz-Therapie-Zentrums.
NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens informiert sich in der Klinik am Stein über die Arbeit des Demenz-Therapie-Zentrums.
Foto: Ralf Hermann
Das Zeitfenster war knapp, der Informations-Bedarf groß. Ein wenig mehr als die geplanten 60 Minuten nahm sich Mittwoch Nachmittag Barbara Steffens (Bündnis90/Die Grünen) Zeit für eine Stippvisite in der Klinik am Stein in Olsberg.

Olsberg..  Das Zeitfenster war knapp, der Informations-Bedarf groß. Ein wenig mehr als die geplanten 60 Minuten nahm sich gestern Nachmittag Barbara Steffens (Bündnis90/Die Grünen) Zeit für eine Stippvisite in der Klinik am Stein in Olsberg. Bei den Gesprächen machte die Ministerin für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des Landes NRW keinen Hehl daraus, dass sie deutlich mehr Angebote für dementiell erkrankte Menschen, die den jeweiligen betreuenden Angehörigen mit einschließen, sehr begrüßen würde.

Seit 13 Jahren gibt es in der Klinik am Stein ein Demenz-Therapie-Zentrum (DTZ) mit ambulanten und stationären Leistungen. Vergleichbares sucht man in der Region vergebens. Dies weiß auch die Ministerin: „Es gibt in diesem Bereich fast gar keine Angebote.“

Beim Team des DTZ stieß die Politikerin da auf offene Ohren. Schließlich setzt das Zentrum genau an diesem Punkt an. Nicht nur die Erkrankten selbst werden behandelt und betreut, auch die Angehörigen rücken in den Blickpunkt, dürfen durchatmen und sich bei Bedarf umfassend beraten lassen - u.a. über Möglichkeiten, die ihnen den Pflege-Alltag auch in den eigenen vier Wänden erleichtern können. Denn häufig, so die Botschaft der Fachkräfte in einer kurzen Gesprächsrunde mit der Ministerin, kommen die Angehörigen völlig erschöpft nach Olsberg, ausgebrannt und leer. 24 Stunden Aufopferung für den Angehörigen sind keine Ausnahme, sie sind die Regel. Hinzu komme, so Steffens, die Scham der Angehörigen. „Für die Angehörigen ist es schwierig, mit dem Partner einfach in ein normales Hotel zu fahren, um sich zu erholen.“

Eine Staffel dauert drei Wochen

Eine Bestätigung dafür bekam sie nur wenig später in einem kurzen Gespräch mit einem Angehörigen, der bereits zum zweiten Mal mit seiner Frau in der Klinik am Stein weilt und sich im Alltag an seiner Aufgabe „festgebissen“ hat, wie er berichtet. Rund um die Uhr stehe er zur Verfügung, allerdings nehme er sich auch zweimal die Woche eine kleine Auszeit.

Im Demenz-Therapie-Zentrum der Klinik am Stein gibt es fünf Appartements, die jeweils einem Demenz-Patienten mit dem begleitenden Angehörigen für drei Wochen, einer so genannten Staffel, zur Verfügung stehen. „Dies sichert eine intensive Betreuung“, sagt der ärztliche Direktor, Dr. med. Roland Nafe. Die Betreuung durch einen Assistenz- sowie einen Facharzt, Ergo- und Physiotherapie, Krankenpflege, psychologische sowie sozialpädagogische Begleitung gehören u. a. zum therapeutischen Konzept. So zählen insbesondere die Musik, Bewegungs-Übungen, das Singen und das Malen zu den Elementen, die in den dreiwöchigen Staffeln regelmäßig angeboten werden. Dies ermöglicht insbesondere den Angehörigen, neue Zugänge zum erkrankten Partner oder engen Verwandten auf der emotionalen Ebene zu finden.

Im Hochsauerland gibt es mit der Klinik am Stein und dem Landhaus Fernblick in Winterberg gleich zwei Häuser, die etwas längere Auszeiten unter professioneller Begleitung für Erkrankte und Angehörige bieten. Allerdings mit deutlich unterschiedlichen Ansätzen. In Olsberg steht die Therapie im Mittelpunkt, in Winterberg ist es die Urlaubs-Erholung. Die Klinik am Stein hat noch ein weiteres Zentrum in Dortmund.

Die Nachfrage nach solchen Angeboten ist zwar hoch, dennoch ist das DTZ in Olsberg nicht ausgebucht. „Wir haben die Belegung unseres Zentrum in den letzten Jahren steigern können“, sagt der kaufmännische Direktor Dirk Laatsch. Ein Problem in Sachen Nachfrage ist aber, dass Betroffene das Angebot erst einmal kennen müssen, um dann zum Beispiel über einen Facharzt oder den Hausarzt bei der Krankenkasse einen Antrag für eine dreiwöchige Therapie stellen zu können.

„Wir machen viel Werbung, gehen in Selbsthilfegruppen oder treten auf Messen auf“, so Laatsch. Die Krankenkasse befinde dann immer im Einzelfall, ob die Rehabilitation genehmigt wird oder nicht. „Bislang gibt es noch keinen Vertrag mit den Krankenkassen. Unser Konzept ist aber fertig, und wir werden jetzt Gespräche aufnehmen.“

Bewegung und Gedächtnis

Das stationäre Angebot ergänzt das ambulante Konzept „Move & Memory“ (Bewegung & Gedächtnis), bei dem Demenzkranke mit ihrem Angehörigen an zehn Terminen über 90 Minuten ein spezifisches Trainingsprogramm absolvieren. Auch Betroffene aus der Region können dieses Angebot nutzen.

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