Aus Scheune wird Ort der Begegnung
19.04.2011 | 13:00 Uhr 2011-04-19T13:00:00+0200
Züschen. Eigentlich habe zu Beginn niemand so richtig an sie geglaubt. Sie, das sind die Mitglieder des Fördervereins für Kultur, Denkmalpflege und Naturschutz.
Eine alte Scheune mitten in Züschen wollten sie restaurieren und sie zu einem Ort der Begegnung und Kultur werden lassen. Ordentlich Gegenwind schlug ihnen entgegen. Aber sie haben sich nicht beirren lassen und einfach weitergemacht.
Wenn Walter Peis, Ortsheimatpfleger und 1. Vorsitzender des Fördervereins, über „seine“ Scheune, die Borgs Scheune, spricht, weiß er gar nicht, wo er anfangen, und noch weniger, wo wieder aufhören soll. Deshalb erzählt er einfach drauf los, vom uralten Schicksals- und Mythenbrunnen aus vorchristlicher Zeit, der sich neben der Scheune befindet und dessen Erforschung erst den Anstoß dazu gab, mitten in Züschen eine so besondere Versammlungsstätte zum Leben zu erwecken. Er erzählt vom harten Ringen um Akzeptanz im Dorf, da viele Bürger den heruntergekommenen Bau lieber dem Erdboden gleichgemacht hätten. Und er erzählt von der großen Unterstützung, die ihnen von öffentlichen Stellen wie der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz zuteil wurde.
Dornröschenschlaf
„Die Scheune hat einen Dornröschenschlaf hinter sich“, schildert der Ortsheimatpfleger. Doch anders als Dornröschen schlief das Gebäude nicht hundert, sondern über zweihundert Jahre, bis es bei seiner Einweihung am 18. Juni 1993 zeitgleich zu den Feierlichkeiten zum 750-jährigen Jubiläum Züschens durch den Förderverein wiedererweckt wurde.
Es war 1791, als das Gebäude anlässlich der Heirat des Besitzers erbaut wurde und eigentlich Wohnzwecken dienen sollte. Dazu kam es allerdings nie, denn der Erbauer wurde zum großherzoglichen Schultheiß ernannt, das Gebäude wurde fortan als Zehntspeicher genutzt, das heißt als Ort, in dem Bürger der Obrigkeit ihre Steuern, ihren „Zehnten“, abgeben mussten. Nach dem Tod des Erbauers verlor es seine Funktion, es wurde zur Hofscheune, einem Unterstand und Schafstall. Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts war es nur noch eine heruntergekommene Bauruine.
„Das Haus hätte nie eine Chance gehabt, einfach nur ein Heimatmuseum zu sein“, schildert Walter Peis die auch finanziellen Überlegungen einiger weniger, die sich das ehrgeizige Ziel gesetzt hatten, die Scheune rundum zu restaurieren und sie sowohl zu einem Museum, als auch zu einem Ort zu machen, an dem kulturelle Veranstaltungen stattfinden. In Abstimmung der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, die bereits hohes Interesse am denkmalgeschützten Brunnen hatte, wurde der Förderverein für Kultur, Denkmalpflege und Naturschutz gegründet. Er erwarb als Träger 1991 das gesamte Gelände mit Brunnen und Scheune. Die Stiftung bezuschusste das Vorhaben mit 230 000 DM. Die verantwortlichen Landschaftsplaner und Architekten, Lohmann, Petersen und Rosenberg, machten sich gemeinsam mit den Mitgliedern des Fördervereins ans Werk.
Fachwerkgiebelbaus
Drei Jahre dauerte die Instandsetzung des zweigeschossigen Fachwerkgiebelbaus. Hierbei wurde besonderer Wert auf eine alte Bauweise gelegt. Es wurde mit Strohlehmbewurf, einem Lehmfeinputz unter Zusatz von Tierhaaren, mit einem einfachen Kalksteinanstrich, Weidenflechtwerk sowie mit Schieferplatten aus Züschens alter Kirche als Bodenbelag gearbeitet.
„Es ist kein billiges Erbe, das wir erhalten müssen“, schildert Walter Peis den enormen Aufwand, den es für den Förderverein zu stemmen gab und immer noch zu stemmen gibt. „Das ganze Team, das sich so ins Zeug gelegt hat, ist unbeschreiblich“, lobt er die vielen helfenden Hände, die von Jahr zu Jahr immer mehr wurden. Hundert Mitglieder zählt der Verein mittlerweile, darunter befinden sich auch 14 Vereine aus Züschen. Die Borgs Scheune sei zum Vorzeigeprojekt geworden. „Viele Kommunen haben seitdem Züschen einen Besuch abgestattet, um sich anzuschauen, wie so etwas funktionieren kann und um es nachzumachen“, schildert Peis.
„Ich bin Ortsheimatpfleger und das, was wir mit der Borgs Scheune getan haben, ist, was die eigentliche Heimatpflege beinhaltet, der Erhalt der örtlichen Kultur, von Werten und auch dem Naturschutz“, versucht Walter Peis die Motivation in Worte zu fassen, die in Züschen Berge versetzt hat. Er fügt nach kurzem Nachdenken hinzu: „So ein Gebäude zu besitzen….ich bin richtig stolz, ja, ich freue mich sehr.“
0mitdiskutieren