Aus den Anden ins Sauerland
04.05.2010 | 18:06 Uhr 2010-05-04T18:06:00+0200
Bontkirchen. In unserer Serie "Tierisch gut" geht es heute um Vierbeiner, die im Sauerland eher untypisch sind: Alpakas.
Es müssen ja nicht gleich Alpakas sein. Vielleicht möchten Sie uns auch eine Geschichte um Ihren Vierbeiner erzählen: Hund, Katze, Pferd oder Exot?
Machen Sie mit bei "Tierisch gut". Schicken Sie uns eine Mail mit einem Foto von Ihnen und Ihrem Vierbeiner an tiere-brilon@westfalenpost.de . Wir suchen das schönste Tier im Altkreis Brilon.
Was Herrchen und Frauchen eines alten und eines jungen Hundes so alles erleben, können Sie im Blog auf www.derwesten.de/hund nachlesen.
Misses Rose Button steht gerne im Rampenlicht. Wenn alle Augen auf sie gerichtet sind, dann ist sie glücklich. Nebenbuhlerinnen duldet sie nicht. Eben eine echte Diva. Dennoch ist sie der Stolz ihrer „Mutter” Elke Willecke-Wagner.
Misses Rose Button ist ein Alpaka. Beheimatet ist sie nicht etwa in den chilenischen Bergen, sondern im tiefsten Sauerland.
Ziege wird zum Alpaka
Es ist ein bewölkter Tag im Huckeshol. Nur wenige Wanderer tummeln sich auf dem Sauerland-Wanderweg, der unmittelbar vor der urigen Gaststätte von Ralf Wagner und seiner Frau Elke herführt. Vor vier Jahren wurden die beiden infiziert. Mit dem Alpakafieber. „Früher waren es Ziegen, doch die waren uns zu langweilig”, sagt Elke Willecke-Wagner und lacht. Die zündende Idee kam von einer Nachbarin. „Sie hat ein Alpaka gesehen, und wollte unbedingt eins haben”, erinnert sich Ralf Wagner. Doch die Nachbarin ging leer aus, Wagner machte Nägel mit Köpfen. Aber wie bekommt man ein Alpaka ins Sauerland? „Es ist leichter als man denkt”, versichert der 58-Jährige. Alpakas werden in Deutschland als landwirtschaftliche Nutztiere anerkannt. Das erleichtert den Import. Einziges Hindernis war damals die Blauzungenkrankheit, die Impfungen vorab notwendig machte. Eine Züchterin begutachtete die Tiere in Chile, um sicherzustellen, dass sie gesund und den Reisestrapazen gewachsen sind.
Im August 2006 war es dann soweit: Die ersten drei Tiere fanden den Weg nach Bontkirchen. Inzwischen sind es 15. Ralf Wagner will gemeinsam mit seiner Frau eine eigene Zucht auf die Beine stellen.
Eigene Zuchthengste kommen in den nächsten Wochen ins Gehege. Streng abgeschrirmt von den weiblichen Tieren. „Ansonsten geht es rund. Die wollen alle nur das eine....”, sagt Wagner recht unverblümt. Ist eine Stute tragend, braucht sie vor allem eins: Geduld. Zwischen elf und elfeinhalb Monate trägt eine Alpakastute. Oft sieht man es äußerlich nicht. „Das Babywachstum setzt erst in den letzten vier Monaten ein”, erklärt Elke Willecke-Wagner. Nur das Verhalten der feinen Damen lässt auf eine Schwangerschaft schließen. Denn ähnlich wie Menschen, sind die Tiere in dieser Zeit launisch, bisweilen zickig. „Tragende Damen werden zu Furien”, weiß die Besitzerin.
Alpakas haben die Eigenschaft, auch kurz vor der Geburtssituation noch sehr viel Kontrolle über den Vorgang zu haben. „Sie gebähren immer tagsüber”, verrät Ralf Wagner. Da die Zungen der Alpakas zu kurz sind, um ihren Nachwuchs nach der Geburt zu trocknen, muss die Sonne diese Aufgabe übernehmen.
Keine Wetterprobleme
Probleme mit dem Klima haben die Tiere übrigens nicht. „In den Anden ist es im Jahresdurchschnitt drei Grad kalt. Da kommen sie mit dem Sauerländer Winter sehr gut klar”, sagt Ralf Wagner. In ihrer Heimat sind Alpakas beliebte Nutztiere. Einerseits als Helfer in der Landwirtschaft, andererseits dank ihrer Wolle. Auch im Sauerland müssen die Tiere regelmäßig geschoren werden. Ralf Wagner musste extra einen Scherkurs besuchen, um die richtige Technik zu erlernen. Einen „Frisiertisch” baute er sich selbst.
Keine Kuscheltiere
Viele Wanderer flanieren gerade in den Sommermonaten am Gelände entlang, auf dem die Tiere stehen. Da liegt die Frage nahe, inwieweit sich Alpakas als Kuscheltiere eignen. „Gar nicht!”, sagt Elke Willecke-Wagner wie aus der Pistole geschossen. Auch wenn die Tiere niedlich anzusehen und friedlich sind: Ständigen Kontakt, anfassen und begrabbeln mögen sie nicht. Füttern ist ebenfalls verboten, denn Alpakas sind recht wählerisch, was ihre Vorlieben angeht. „Gras und Heu sowie bestimmte Mineralstoffe” sollten es sein. Obst und Gemüse vertragen die Tiere allerdings nur in Maßen. Ein Futterhersteller hat sich inzwischen schon auf Alpakas spezialisiert, ein Zuchtverband ist gegründet und garantiert die artgerechte Haltung.
Welche Attribute ein Alpaka besitzt? „Neugierig und wachsam”, sagt Elke Willecke-Wagner. Für sie war die Anschaffung der kleinen Wüstenschiffe die Erfüllung eines Traums. Zum Schluss muss nur noch eine Frage geklärt werden: Spucken Alpakas? „Oh ja”, sagt Ralf Wagner, „da sie Wiederkäuer sind, spucken sie nicht nur Speichel, sondern auch Mageninhalt. Dass ist nicht angenehm. Aber sie spucken nur, wenn sie Gefahr wittern”.
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