Aufenthalt könnte länger dauern

Bredelar..  Derzeit geben in Deutschland etwa 200 Kirchen Menschen Asyl. Etwa 360 Ausländer sind davon betroffen, darunter wiederum etwas mehr als hundert Kinder. So die Zahlen für den Januar. Zweck ist in der Regel eine Wiederaufnahme oder erneute Prüfung des Asylverfahrens. Das Kirchenasyl ist auf sechs Monate festgelegt.

Die Innenbehörden erwägen nun, die Bedingungen für ein Kirchenasyl zu erschweren und den Zeitraum zu verlängern, in denen abgeschoben werden darf. Der deutsche Bundesminister des Innern Thomas de Maizière kritisierte im Januar die Praxis des Kirchenasyls. Als für die Verfassung zuständiger Minister lehne er das Kirchenasyl prinzipiell und fundamental ab. Als Christ habe er aber Verständnis dafür, dass die Kirchen in Einzelfällen unter dem Gesichtspunkt der Barmherzigkeit Flüchtlinge aufnehmen würden.

Seit 12. Dezember im Gemeindehaus

Der Bischof von Hildesheim Norbert Trelle hatte das Kirchenasyl zuvor bei einem Treffen mit CDU-Politikern als Ultima Ratio bezeichnet.

Die evangelische Kirchengemeinde Marsberg gewährt Amanuel Oqubagabr aus Eritrea seit dem 12. Dezember Kirchenasyl. Der 23-jährige junge Mann aus Eritrea lebt seitdem im Gemeindehaus in Bredelar. Im kleinen Gemeindesaal hat ihm die Kirchengemeinde ein eigenes Zimmer eingerichtet. Aus Spenden wird sein Lebensunterhalt bestritten. Inzwischen ist, wie berichtet, der Einspruch gegen die Abschiebung nach Italien vom Verwaltungsgericht abgelehnt worden. Amanuel hatte nach seiner Flucht aus Eritrea über das Mittelmeer in Italien als erstes EU-Land betreten und er war dort registriert worden. Im Mai wäre sein sechsmonatiges Kirchenasyl beendet

Jetzt überlegen Bundesbehörden offenbar, diese Frist auf 18 Monate zu verlängern. „Dann bleibt Amanuel eben 18 Monate in unserer Obhut“, sagt Pfarrer Markus Pape auf Anfrage der WP. Denn der Grund, weshalb die Gemeinde das Asyl gewähre, habe sich nicht geändert: In Italien würde ihm als Asylsuchender ein menschenunwürdiges Leben erwarten.