Auf schlechte Noten gut reagieren

Heute gibt es für alle Schüler Halbjahreszeugnisse. Gar nicht so einfach, als Eltern richtig darauf zu reagieren.
Heute gibt es für alle Schüler Halbjahreszeugnisse. Gar nicht so einfach, als Eltern richtig darauf zu reagieren.
Foto: Rita Maurer
Was wir bereits wissen
Heute gibt es für die Schüler Halbjahreszeugnisse. Wie sollen Eltern darauf reagieren, wenn die Noten nicht so prickelnd ausfallen?

Altkreis.. „Oje, das gibt bestimmt Ärger...eine Vier in Deutsch und in Englisch sogar eine Fünf!“ Heute endet das erste Schulhalbjahr und die Schüler bekommen Zeugnisse. Wie Eltern sinnvoll reagieren können, wenn die Noten nicht so toll ausgefallen sind, hat die WP mit den beiden Diplom-Sozialpädagoginnen der Verbundschule Winterberg-Siedlinghausen, Nicole Winzenick und Jennifer Hütter, besprochen:

Welchen Stellenwert hat das Halbjahreszeugnis?

Das Halbjahreszeugnis ist ein wichtiger Hinweis für Eltern und Schüler, welche „Baustellen“ das Kind hat und an welchen gearbeitet werden sollte.

Welche Reaktionen auf ein schlechtes Zeugnis sollten Eltern vermeiden?

Die Eltern sollten die Kinder nicht zu sehr unter Druck setzen, sondern gemeinsam mit ihnen überlegen, wodurch die schlechten Ergebnisse entstanden sind und wie eine Verbesserung im nächsten Halbjahr erzielt werden kann. Anhaltspunkte liefern die Lern- und Förderempfehlungen im Zeugnis.

Was halten Sie davon, Hobbys zu verbieten oder zugunsten der Lernzeit einzuschränken?

Kinder sollen Kind sein dürfen! Sie brauchen Hobbys, um sich auszutoben, Spaß zu haben und in Vereinen und Gruppen soziales Miteinander zu lernen. Lern- und Freizeit sollten in einem ausgewogenen Verhältnis stehen und je nach Bedarf der schulischen Situation angepasst werden.

Wie können Eltern konstruktiv auf schlechte Noten reagieren?

Eltern sollten sich die Zeit nehmen, mit ihrem Kind zu sprechen, wie diese Noten entstanden sind, Hilfswege aufzeigen, aber auch klar machen, dass es selbst an seinem Lernerfolg mitarbeiten muss.

Wie kann man sein Kind sinnvoll zum Lernen motivieren?

An unserer Schule haben sich positive Verstärker als gute Lernmotivation erwiesen. In vielen unserer Klassen gibt es das „Smartie-System“, dass den Fokus auf erwünschtes Verhalten lenkt, statt Fehler zu bestrafen. Handeln Sie mit Ihrem Kind einen „Katalog“ an Anreizen für das Erreichen von selbstgesteckten Ziele aus. Dadurch werden die Kinder selbst verantwortlich und können aktiv an der Gestaltung der eigenen Zukunft mitarbeiten.

Sind materielle oder ideelle Belohnungen als Motivation geeignet?

Das ist individuell sehr verschieden. Materielle Dinge spielen im Alltag der Schülerinnen und Schüler eine große Rolle und können im Einzelfall sicherlich durchaus ein Anreiz sein. Allerdings hören wir immer wieder heraus, dass den Kindern die gemeinsame Zeit mit der Familie sehr wichtig ist, deshalb stellen auch ideelle Belohnungen eine wirksame Motivation dar.

Welche Ziele sind realistisch?

Ziele sind immer dann realistisch, wenn sie erreichbar sind und einen erkennbaren Sinn machen. Klare Absprachen und eine gemeinsame Strategie machen die Ziele transparent und lohnenswert.

Wie können Eltern ihr Kind beim Lernen und bei den Hausaufgaben sinnvoll unterstützen?

Eltern sollten ein störungsfreies, u.a. handyfreies Lernklima schaffen, feste Lernzeiten vereinbaren, Unterstützung signalisieren und gegebenenfalls für zusätzliche, externe Hilfeleistungen sorgen.

Was ist, wenn die schlechten Noten nicht am Lernen liegen?

Eine gute Erziehungspartnerschaft zwischen Elternhaus und Schule ist die Basis für das Erkennen von Ursachen. Erst dann können passgenaue Lösungen für Lerndefizite entwickelt werden.

Wenn aufgrund des heutigen Zeugnisses abzusehen ist, dass das Kind die Versetzung nicht schaffen wird - wann sollte es die Klasse oder die Schule wechseln?

Allgemeingültige Ratschläge sind hier schwierig. Sollte klar sein, dass die Leistungsdefizite an der Schulform liegen, ist es sinnvoll, möglichst schnell zu reagieren, damit die Leistungsanforderungen mit den Leistungsmöglichkeiten der Kinder übereinstimmen. In unserer Verbundschule ermöglicht der organisatorische Zusammenschluss von Haupt- und Realschule einen flexiblen Wechsel der Schulform von der Realschule zur Hauptschule, aber auch umgekehrt von der fünften bis zum Ende der achten Klasse.