Auf den Taifun folgte die Welle der Hilfsbereitschaft

Noch einmal wurde am altenm Krankenhaus in Olsberg ein Transporter mit Hilfsgütern bepackt.
Noch einmal wurde am altenm Krankenhaus in Olsberg ein Transporter mit Hilfsgütern bepackt.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Anfang des Jahres 2014 rollte eine große Spendenaktion für die Taifun-Opfer auf den Philippen an. Treibende Kraft ist Marietta Esteban-Richter aus Antfeld.

Antfeld.  „Wo ist denn die Chefin? Marietta, kannst Du mal eben gucken. Sollen die Betten nun noch mit oder nicht?“ Immer wieder ist die kleine Frau mit dem großen Herzen gefragt, als der große Lastwagen mit Hilfsgütern beladen wird. Ihre rote Mütze hat sie tief ins Gesicht gezogen, den blauen Parka bis zum Hals geschlossen.

Denn es ist zugig und kalt in den verlassenen Räumen des leerstehenden Olsberger Krankenhauses, das als Materiallager dient. Nicht zu vergleichen mit den Temperaturen auf den Philippinen, ihrem Heimatland, das im November 2013 in die Schlagzeilen geriet. Der Taifun „Hayan“ leistete ganze Arbeit und hinterließ in Südostasien eine Spur der Verwüstung.

Große Scheine, kleine Kuverts

„Sie sind nicht ganz unschuldig, an dem, was danach kam. Sie haben mich eigentlich erst wach gemacht“, sagt die 67-jährige, die in Antfeld lebt, zum Reporter. Denn unzählige Male berichtete unsere Zeitung, aber danach auch das Fernsehen über die rührige Frau, die eine Welle der Hilfsbereitschaft auslöste. Seit über 40 Jahren lebt Marietta Esteban-Richter in Deutschland und ist vielen durch ihre Arbeit als OP-Schwester in der Bigger Elisabeth-Klinik bekannt. Immer schon hat sie kleinere Hilfstransporte in ihre alte Heimat organisiert. Doch diesmal nimmt die Spendenwelle ganz andere Dimensionen an.

Allein rund 60 000 Euro an Bargeld kommen zusammen. Große Überweisungen, kleine Kuverts im Briefkasten. Denn nicht nur im Sauerland, auch in Berlin oder anderen Städten wird man auf die agile Frau aufmerksam, die alle Hebel in Bewegung setzt, um ihren früheren Landsleuten zu helfen. Vier riesige Container gingen in diesem Frühjahr von Olsberg über Hamburg via China auf die Philippinen. In diesen Tagen sind Marietta, die Malteser und einige andere Helfer dabei, zwei weitere Container zu beladen, die noch im Dezember ins Rollen kommen.

Die das ganze Jahr über anhaltende Spendenbereitschaft hat Marietta Esteban-Richter selbst ein wenig überrascht. Eine Firma stellte 2,5 Tonnen Werkzeuge vom Hammer bis zum Nagel bereit. Wichtige Utensilien für die Aufbauhilfe vor Ort. Aber auch mehr als 2000 Spielsachen, Küchenelemente oder medizinische Geräte sind verschifft worden.

„Das ist ein Narkosegerät, das noch bis vor kurzem in der Elisabeth-Klinik im Einsatz war. Vom Josefsheim habe ich jede Menge Geh-Hilfen bekommen.“ Aber auch Krankenhausbetten oder Matratzen landen auf dem großen Lkw, der so bepackt wird, das kaum ein Blatt Papier in die Zwischenräume passt. Und wo immer Marietta anklopft, wird ihr geöffnet. Hier eine Firma, die zum Beladen einen Hubwagen zur Verfügung stellt. Dort eine Spedition, die Spendengut in Hagen abholt.

Wellblech für die Dächer

Von März bis Mai ist sie in diesem Jahr auf den Philippinen gewesen, um die Verteilung der Hilfsgüter selbst zu kontrollieren. Auf eigene Kosten. „Ich will und muss sehen, dass alles auch dort angekommen ist. Sonst habe ich keine Ruhe.“ Und auch im kommenden Februar wird sie in ihre alte Heimat fliegen, um bei der Ankunft der Container dabei zu sein. Denn manch anderer Konvoi liegt wochenlang im Hafen beim Zoll. Und ab dem fünften Tag kostet das satte Gebühren. Geld, das Marietta Esteban-Richter sinnvoller einsetzen möchte. „Vor Ort wollten wir eigentlich Geld für den Kauf von kleinen Fischerbooten bereitstellen. Aber Wellblech für die Dächer der Hütten war viel wichtiger. Und natürlich Reis“, sagt sie.

Benötigt wird eigentlich alles. Auch die alte Orgel aus der Bigger Elisabeth-Klinik wird auf den Philippinen noch einmal zur Ehre Gottes erklingen. „Die Benediktinerinnen planen dort ein Krankenhaus mit kleiner Kapelle. Dort könnte sie noch gut gebraucht werden.“

Wenn der Hilfstransport im Frühjahr heil und sicher angekommen ist, will es Marietta Esteban-Richter etwas langsamer angehen lassen. Sie bittet darum, vorläufig keine Spenden mehr ins alte Krankenhaus zu bringen, zumal man ja auch nicht wisse, wie lange das Gebäude noch dafür zur Verfügung stehe. Außerdem ist die 67-Jährige bei ihrem letzten Besuch auf den Philippinen krank geworden. „Erstmal wollen wir diesen Transport abschließen. Und dann sehen wir weiter.“ Ein endgültiges Ende klingt anders…