Auf Brilons Schienen kehrt Leben zurück
16.11.2011 | 17:31 Uhr 2011-11-16T17:31:00+0100
Brilon. Lokführer gewöhnen sich an die neue Strecke um den Bahnhof
Noch ist der Bahnhof Brilon-Stadt eine Baustelle. Erst in dreieinhalb Wochen geht es los mit dem Regelverkehr am reaktivierten Bahnhof. Schon seit Dienstag allerdings fahren regelmäßig Züge der Deutschen Bahn über Brilons Schienen, damit sich Lokführer an die neue Strecke gewöhnen können. Wie und warum, das klärte die WP im Gespräch mit Bahn-Sprecher Jürgen Kugelmann.
Westfalenpost: Es ist derzeit ungewohnt viel Verkehr auf den Schienen in Brilon. Wie viele Lokführer werden während dieses Probebetriebs an die neue Strecke gewöhnt und wie lange?
Kugelmann: Alles in allem wird circa 60 Lokführern die Streckenführung näher gebracht. Das sind Lokführer, die später auch im Regelverkehr auf dieser Strecke fahren. Aber der Begriff Probebetrieb ist missverständlich. Die Strecke muss nicht erprobt werden. Es geht einzig und allein darum, dass die Lokführer die Strecke kennenlernen. Die Fahrten finden den ganzen Tag über statt und werden bis kurz vor der Eröffnung des neuen Bahnhofs durchgeführt.
Frage: Wozu sind solche Fahrten denn gut? Die Lokführer müssen das Fahren ja schließlich nicht neu erlernen.
Kugelmann: Vor allem geht es darum, Signalanlagen und Streckenführung kennenzulernen. Diese Elemente sind natürlich auf jeder Strecke verschieden.
Frage: Wie muss man sich denn so eine Schulungsfahrt vorstellen? Unterscheiden sich diese Fahrten von denen, die später im regulären Alltagsverkehr stattfinden?
Kugelmann: Es ist im Prinzip eine ganz normale Fahrt. Die Lokführer werden dabei allerdings von einem streckenkundigen Ausbilder begleitet.
Frage:: Die Strecke wurde bislang kaum genutzt. Da ist man als Ortskundiger schnell mal über die Schienen gelaufen. Gibt es Sicherheitsmaßnahmen?
Kugelmann: Keine zusätzlichen. Es ist ja gemeinhin bekannt, dass man Bahnübergänge und -schienen nicht ohne Weiteres betreten sollte. Es ist öffentlich bekannt gemacht worden, dass die Strecke vermehrt befahren wird. Für alles Weitere können wir nicht Sorge tragen. Sonst hätten wir sehr viel damit zu tun, Strecken wie diese abzusichern.
Frage: Gerade rund um Brilon sind die Schienen mit viel Laub bedeckt und zeitweise feucht. Kann das Auswirkungen auf die Fahrten haben?
Kugelmann: Wenn viel Laub auf den Schienen liegt und diesiges Wetter herrscht, kann es zu so genannter Schmierfilmbildung kommen. Das kann unter Umständen bewirken, dass die Wagenräder durchdrehen. Diese Fälle sind aber äußerst selten. Wir ergreifen jede Menge präventiver Maßnahmen. Die Strecken werden mit Sand bestreut, um sie für die Wagenräder griffiger zu machen. Dazu sind regelmäßig Schienenreinigungsfahrzeuge im Einsatz.
Frage:
Der neue, alte Bahnhof Brilon-Stadt wird am 11. Dezember nach 30 Jahren Auszeit vom Personenverkehr wieder für Fahrgäste der Deutschen Bahn geöffnet.
Unweit davon entsteht der zentrale Busbahnhof (ZOB), der vier Haltestationen und einen Warteplatz umfasst.
Beide Bauvorhaben kosten jeweils rund 1,2 Millionen Euro, die Stadt Brilon erbringt eine Eigenleistung von etwa 200 000 Euro.
Ferner wird es eine Wartehalle, Fahrrad-Unterstellplätze, 18 Park-and-Ride-Parkplätze sowie zwei Behindertenparkflächen geben.
Unterscheiden Lokführer zwischen schönen und weniger schönen Strecken? Und wenn ja, wie lässt sich denn durch Brilon fahren?
Kugelmann: So viel ich von unseren Lokführern weiß, üben sie ihren Beruf mit Leidenschaft aus, egal, auf welcher Strecke. Ein außergewöhnliches oder einmaliges Profil hat diese Strecke nicht. Aber es mag schon Leute geben, die gerne viel Wald an der Strecke sehen. Aber das müsste man die Lokführer selbst fragen.
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