Auch multi-kulti im Blauen Rock
28.04.2010 | 17:03 Uhr 2010-04-28T17:03:00+0200
Hochsauerlandkreis. Die Freiwilligen Feuerwehren brauchen dringend frisches Blut. Deswegen will man auch jetzt junge Leute mit Migrationsgeschichte ansprechen.
Der Slogan der letzten Feuerwehrolympiade in Mährisch Ostrau in Tschechien — „Dort, wo andere raus laufen, rennen wir rein” — könnte bald Makulatur sein. Denn wir werden immer weniger. Das gilt auch für die Freiwilligen Feuerwehren in NRW. Was aber, wenn wegen Personalmangels keiner mehr rein rennt?
Deswegen will ein Arbeitskreis auch junge Leute mit Migrationshintergrund für die Feuerwehr begeistern.
Beim 20. Verbandstag des Kreisfeuerwehrverbandes Hochsauerlandkreis (HSK) in der Aula des Marsberger Carolus-Magnus-Gymnasiums war die Personalmisere der kommenden Jahre zentrales Thema. Die Kreisfeuerwehrverbände von Siegen, Ennepe-Ruhr-Kreis und HSK haben bereits einen Arbeitskreis gebildet, der sich mit Migration und Feuerwehr beschäftigt. Seit neun Monaten ist der Runde Tisch bereits in Aktion und sucht nach Möglichkeiten, wie man der demographischen Bombe Paroli bieten kann. Das Mittel der Wahl könnte die Rekrutierung junger Männer und Frauen mit einer Migrationsgeschichte für die heimischen Freiwilligen Feuerwehren sein. Deswegen hieß das Thema des Verbandstages auch „Migration - Lebensretter gesucht”.
Dr. Ahmet Arslan, Hauptreferent des Abends, ist Islamkundelehrer an zwei Haupt- und einer Grundschule in Meschede und Bestwig und gleichzeitig Mitglied des Feuerwehrarbeitskreises Migration. Ahmet Arslan sieht Möglichkeiten, dass, wenn man die Dinge richtig anpacke, in Zukunft vor allem Muslime den Blauen Rock der Feuerwehr anziehen könnten.
Im HSK bereits drei Migranten bei der Feuerwehr
Im HSK gebe es bereits drei junge Männer mit Migrationsgeschichte, die in Diensten der Freiwilligen Feuerwehr stehen. „Das ist nicht selbstverständlich, wenn man die Gewohnheiten anderer Länder und Kulturen berücksichtigt. Nicht jeder lässt z.B. Fremde in seine Wohnung. Nicht jede Frau ruft sofort die Feuerwehr wenn's brennt, sondern erst einmal ihren Mann oder Bruder”, sagte Arslan. Da gebe es Aufklärungsbedarf. Um dem Nachwuchsmangel in den Wehren zu begegnen, müsse deswegen die Frage erlaubt sein: Wo kann man frisches Blut herholen? Da seien Orte, an denen sich Muslime gerne aufhalten, in Moscheen, Teestuben oder Sportvereinen, günstig, um junge Leute anzusprechen und auf Augenhöhe ihnen die Feuerwehr schmackhaft zu machen.
Einen langen Hals
Die rd. 56 Delegierten sowie der Vorstand des HSK-Kreisfeuerwehrverbandes zusammen mit den Feuerwehrvertretern aus elf Städten und Gemeinden nannten die Vorschläge Arslans „interessant”. Die Sicherheit für 272 000 Einwohner im HSK dürfe mangels Personal nicht zur Disposition stehen, sagte Kreisbrandmeister und 1. Verbandsvorsitzender Martin Rickert. Zurzeit leisten im HSK 4 161 Männer und Frauen ehrenamtlich aktiven Feuerwehrdienst. Nur in Arnsberg gibt es rd. 20 Berufsfeuerwehrleute im Rettungsdienst. Die Jugendfeuerwehren zählen 1 323 Köpfe. In den Ehrenabteilungen im HSK befinden sich 1 164 Männer und 311 Männer und Frauen sorgen für gute Feuerwehrmusik.
Kreisjugendfeuerwehrwart Uwe Schwarz aus Olsberg brachte die Personaldebatte auf den Punkt: „Wenn die Freiwillgen Feuerwehren im HSK in den nächsten Jahren nicht mehr das erforderliche Personal aufbringen, müssten Städte und Gemeinden teure Berufsfeuerwehren implantieren. Dann aber bekämen manche einen langen Hals.”
09:32
Ha ha ha,das Problem haben ALLE Organisationen und Vereine,das Problem ist durch Politik und Gesellschaft selbst gemacht.
Jeder lebt nur noch Ich bezogen und kaum jemand denkt noch an die Volksgemeinschaft,weil das ist ja pfui und total Autobahn.
Und dann sollen wir in Teestuben nach Nachwuchs suchen?
Wie wäre es denn wenn man mal bei der Jugend anfängt?
Das THW hat sogar eine Minigruppe,so das wir sie schon haben,bevor sie in die Jugend kommen.
Und die angedachten Schätze,auf die wir ja nicht verzichten können,die wollen die Feuerwehren auch ganz sicher nicht in ihren Reihen haben.....
die will eigentlich niemand in seinen Reihen haben.
Fragt Euch mal warum nicht.
15:42
@ Einer aus der Ferne:
Woraus schließt Du das?
Habe mir keiner Silbe gesagt dass ich (k)ein Mitglied in einer FF bin.
13:24
Absolut begruessenswerte Idee und das schon etwa 50 Jahre, nachdem die ersten Gastarbeiter nach Deutschland kamen. Hut ab vor so viel Schnelligkeit.
12:48
Bei allen bisherigen Kommentaren muß ich leider
feststellen. Kein einziger ist oder war in der
FF.
Kein Bezug zum Thema.
Man sollte dann schon besser informiert sein!
12:03
@4:
Natürlich gehört das Pflegen der Kameradschadft auch irgendwie dazu. Kameradschaft ist bei der Feuerwehr ja auch wichtig. Man muss die Leute kennen, mit denen mal ins brennende Haus rennt und sich auf sie verlassen können.
Aber du kannst von einem 18jährigen Azubi nicht nach jedem Übungsabend verlangen, um 22Uhr noch auf 5 Bier in der Wache zu bleiben, wenn am nächsten Tag um 5Uhr der Wecker klingelt.
Und ihm dann noch die Beförderung nach einem Jahr Zugehörigkeit verwehren, weil bei ihm angeblich das Kameradschaftliche zu kurz kommt, dass kann es nicht wirklich sein.
Dies geschehen bei einem Kollegen von mir. Wir hatten kürzlich im Büro noch zufällig genau von diesem Thema gesprochen, weil ein anderer Kollege Mitglied in der Feuerwehr ist und über Nachwuchsmangel klagte.
10:19
@ 3 von Thomas M.: Das ist richtig was Du schreibst. Tatsächlich ist das Trinken und die Gemeinsamkeit das wichtigste dort. Und befördert wird nach Sympathie weniger durch Leistung.
Ist aber leider bei mir auf der Arbeit genauso . Ich sage immer: Rauchen für die Karriere. Bei uns werden die Kontakte mit den Personalentscheidern auf dem Raucherhof geknüpft und bei einer gemeinsamen Zigarette Sympathien aufgebaut. Ohne Zigarette kommst Du mit denen in der Form garnicht ins Gespräch. So läuft es halt, ob Wehr oder Arbeit. Leider!
08:51
Wenn den Wehren das Biertrinken dann aber wichtiger ist, als die Leistungen, die man als angehdner Feuerwehrmann während der Ausbildung und Übungsabende bringt, dann kann ich mich da auch nur wundern.
Verwehrte obligatorische Beforderungen (die vor allem nach Zeit und nicht unbedingt nach Leitung automatisch vergeben werden) fördern nicht wirklich die Motivation des angehenden Blaurocks.
Zum Teil sind die Wehren selbst schuld, dass es keinen oder unzureichenden Nachwuchs gibt.
Daher glaube ich schon, dass der O-Ton vom Onkel (1) damals zum guten Ton gehörte.
Als angagierter junger Mensch bist Du da fehl am Platz.
08:07
Mh... das Schöne ist ja, dass in der gegenwertigen Wirtschaftslage die Unternehmen schon bei der Einstellung eines neuen Mitarbeiters sagen: Was?! Sie sind bei der FF?!?! Da sind sie ja zwischendurch wegen Einsätzen immer mal überraschend weg...! Ne, ne... da treten Sie mal schön aus. Wir bekommen ja nur den ausgefallenen Lohn vergütet, auf den restlichen Kosten bleiben wir sitzen....
Das sind dann die gleichen Unternehmer, die dann wenn es bei Ihnen in der Firma brennt oder die Gattin nebst Kindern bei einem Unfall eingeklemmt im Auto vor sich hin bluten sich dann tierisch wundern wenn die FF so lange braucht bis die da sind und dann auch nur unterbesetzt und schlecht ausgebildet. Woraufhin eine Armee von Anwälten losgeschickt wird weil: Wie kann das denn jetzt bitte sein, dass keiner bei der Feuerwehr ist der mit schnell helfen kann. Und das Schlimmste: Die bekommen dann auch noch Recht!! Kein Scherz, schon selber so erlebt.
Traurig aber wahr. Also, mir ist es egal ob der Feuerwehrmann der mich aus meinem kaputten Wagen schweisst denn türkischen, polnischen, russischen oder klingonischen Pass hat. ;-)
Hier noch mal ein herzliches DANKE an alle Männer und Frauen der FF!!!
22:49
Wenn der Vater nicht bei der Feuerwehr ist, braucht´s einer von außen nicht erst versuchen.
O-Ton eines Feuerwehrmenschen im Jahre 1984.^^