Annika Drazek vor Weltcup-Comeback: „Ich will angreifen“

Annika Drazek (rechts) mit ihrer Pilotin Anja Schneiderheinze nach WM-Silber in Winterberg. Foto: dpa
Annika Drazek (rechts) mit ihrer Pilotin Anja Schneiderheinze nach WM-Silber in Winterberg. Foto: dpa
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Was wir bereits wissen
Annika Drazek möchte ihr Bob-Märchen fortsetzen. Nach WM-Silber litt die Anschieberin des BSC Winterberg wegen und während einer Verletzungspause. Nun steht das Comeback in Amerika bevor. Das Saisonziel ist etwas anderes.

Winterberg.. Lange blonde Haare, funkelnde blaue Augen und die Figur eines Modells – aber darauf bezog sich Chef-Bundestrainer Christoph Langen auf gar keinen Fall, als er Annika Drazek mit diesem einen Satz beschrieb. „Sie ist unser Schmuckstück“, sagte Langen im Vorfeld des Weltcups in Winterberg. Und in seiner Stimme klang Begeisterung mit, jede Menge Begeisterung über diese 20-Jährige und ihre Werte, Anschubwerte.

Bobsport Denn Annika Drazek ist die beste Bob-Anschieberin des deutschen Weltcup-Teams. Sie ist allerdings auch die einzige in der Mannschaft, die in diesem Winter noch nicht während eines Wettbewerbs im Bob kauernd durch den Eiskanal raste. Eine hartnäckige Sehnenentzündung unter dem Fuß stoppte Drazeks Karriere.

Doch diese Zwangspause soll bald der Vergangenheit angehören. „Ich will wieder angreifen“, sagt die Athletin des BSC Winterberg im Gespräch. Wenn der Weltcup vom 4. bis 9. Januar 2016 mit der Station in Lake Placid/USA seine Übersee-Etappe eröffnet, möchte Annika Drazek den Bob ihrer Pilotin Anja Schneiderheinze wieder auf Touren bringen. Sie möchte ihn vom Start weg in die Erfolgsspur schieben und das nächste Kapitel ihres persönlichen Wintermärchens schreiben.

Aus dem Nichts zur WM

Dies fand den vorläufigen Höhepunkt im Februar dieses Jahres bei der Heim-WM in Winterberg und begann vor fast genau zwölf Monaten – am bayrischen Königssee. Als Quereinsteigerin aus der Leichtathletik war die gebürtige Gladbeckerin in den Schlitten der erfahrenen Pilotin aus Erfurt gekommen und hatte sofort mit klasse Startzeiten überzeugt.

„Ihre Schnelligkeit, ihr Körperbau – sie war vom ersten Moment an meine Wunschkandidatin“, sagte Rene Spies, Bob-Bundestrainer aus Winterberg, damals über die junge Dame, die er bei einem Leichtathletik-Meeting in Wesel entdeckt hatte. Von der Laufbahn in den Eiskanal, vom TV Gladbeck zum BSC Winterberg – aus dem Nichts zur Weltmeisterschaft. „Das wäre -- der Wahnsinn“, sagte Spies und ergänzte: „Aber Annika kann das schaffen. Keine andere, aber sie kann es.“

Jahresrückblick 2015 Und wie sie es schaffte. Mit Schneiderheinze raste Drazek in vier Läufen in Winterberg zur Silbermedaille bei der WM. „Ich war topfit“, sagt sie nun über den dem WM-Erfolg folgenden Sommer. Umso härter traf sie die Verletzung kurz vor Beginn der aktuellen Wintersaison. „Diese dumme Sehnenreizung“, schimpft sie, „total unnötig und ärgerlich.“

Während Anja Schneiderheinze mit den Anschieberinnen Franziska Bertels und Drazeks Klub-Kollegin Erline Nolte verhalten erfolgreich in die Serie startete, blieb der Blondine nur die Rolle der Zuschauerin. „Ich war in Altenberg und Winterberg an der Bahn, habe total mitgefiebert und mir die Seele aus dem Hals geschrieben“, sagt die eigentliche Nummer 1 des Anschieberinnen-Trios über diese Zeit. Und: „Natürlich sind wir ein Team und ich gönne den beiden ihre Einsätze, aber zuzuschauen tat schon sehr weh.“

Ziel ist der WM-Start in Innsbruck

Ab dem 1. Januar ist die Zeit des Leidens vorbei. Am Flughafen in Frankfurt treffen sich Schneiderheinze, Drazek und Co. und reisen nach Amerika. Drei Rennen auf für Drazek unbekannten Bahnen stehen an, ehe der Weltcup-Tross Anfang Februar nach Europa zurückkehrt. Vom 8. bis 21. Februar werden in Innsbruck die Bob-und Skeleton-Weltmeisterschaften ausgetragen. „Dort an den Start zu gehen, ist mein großes Ziel“, erklärt Annika Drazek.

Die vier Läufe im Zweierbob der Damen verteilen sich auf Freitag und Samstag, 12./13. Februar. Und nicht erst bei der abendlichen Siegerehrung in der Innsbrucker Altstadt möchte Annika Drazek den Satz des Chef-Bundestrainers bestätigen und glänzen. Wie ein Schmuckstück.

Falk Blesken

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