Amerikanisches Multitalent mit schrägem Lebensratgeber

In den USA wird sie längst gefeiert: Lena Dunham ist Schauspielerin, Produzentin, Regisseurin, Drehbuchautorin – und inzwischen auch „normale“ Autorin. Seit 2012 läuft ihre Fernsehserie „Girls“ und mittlerweile hat sie zwei Golden Globes dafür bekommen – einmal als beste Schauspielerin in einer TV-Serie und einmal für die Serie selbst.

Was Lena Dunham macht, ist anders als das, was wir sonst vielleicht von den USA kennen. Die Show, die sie so bekannt gemacht hat, soll auf zahlreichen ihrer eigenen Erfahrungen beruhen und diese sind reichlich schräg: eine Mischung aus Drogenexzess und Gesellschaftsporträt. Sie spielt die Protagonistin Hannah, die etwas zu sehr von sich selbst und vor allem von ihrem Schreibtalent überzeugt ist.

Ihr neuestes Projekt ist aber keine TV-Show. Es ist ein Buch, das 2014 unter dem Titel „Not That Kind of Girl: A Young Woman Tells You What She’s „Learned““ erschien, ist sozusagen Lebensratgeber und Selbsttherapie zugleich – so zumindest stellt es Dunham selbst da.

Über das Buch wird geredet

Daraufhin kam es zu den verschiedensten Diskussionen: Ob Dunhams Verhalten in den von ihr beschriebenen Szenen kritisiert wurde oder ob man glaubte, einen der Personen, von denen Dunham erzählt, identifiziert zu haben – über das Buch wurde geredet.

Erfrischend bodenständig erklärt sie ganz zu Beginn ihres Buchs, dass es doch seltsam sei, von seinem eigenen Leben zu behaupten, dass es so wichtig ist, dass es zu einem Buch werden soll. Und doch sieht sie die Notwendigkeit, eben genau dies zu tun und sammelt in mehreren Aufsätzen Kindheitserinnerungen, Lektionen, die sie gelernt hat und andere Erlebnisse.

Dunham begegnet sich selbst und insbesondere ihrem jüngeren Ich mit einer gesunden Portion Selbstironie und Humor. Sie ist ehrlich, macht sich nicht besser und wichtiger als sie es ist und wenn doch, dann ist die Ironie mehr als offensichtlich. Ihr Schreibstil ist damit intelligent und doch bodenständig und die Seiten werden von kleinen Illustrationen begleitet.

Teilweise wirkt ihr Stil jedoch belehrend und Ansichten außer ihrer eigenen scheint sie nur schwer zu akzeptieren. Was sie gelernt haben will und hier niederschreibt, bleibt damit immer öfter stark einseitig und doch ist es ihre eiskalte Ausdrucksweise, die den Roman so spannend macht. Sie macht die Dinge nicht schöner, höchstens dramatischer, aber niemals positiver.

Abgesehen von Aufsätzen zu verschiedenen Themen ist das Buch gefüllt mit kleineren Kapiteln – E-Mails, die sie abgeschickt hätte, wäre sie nur etwas mutiger gewesen, ebenso wie Dinge, die sie von ihren Eltern gelernt hat.

Ob das der Wahrheit entspricht, muss jeder Leser selbst für sich entscheiden. Dass ihre Kreativität nicht zu übersehen ist, kann man jedoch nicht leugnen. Kommen wir bei Dunhams Diätplänen an, wird das Buch dann doch langweilig, andere Kapitel sind jedoch so kurz, knapp und witzig, dass sie überzeugen können.

Kühler Schreibstil

Für die Themen, die Dunham anspricht – Liebe, Beziehungen, Freundschaften, Lebensplanung - muss man sich interessieren, um das Buch lesen zu können. Ihr Schreibstil ist einzigartig und kühl, wird damit vielleicht nicht jedem gefallen, mit Sicherheit aber viele zum Lachen bringen – und auch zum Nachdenken. Wer aus Dunhams Erfahrungen tatsächlich einen Lebensratgeber machen will, wird enttäuscht.

Wer das Buch als biografische Essay-Sammlung liest, wird es jedoch mögen.