Als Schauspieler in eine andere Welt eintauchen

Brilon..  An diesem Dienstag Nachmittag steht mitten in der Pausenhalle ein Tisch. Auf ihm befindet sich ein Krug und um ihn herum mehrere Stühle. Vor dem Tisch kniet ein Mädchen mit gefalteten Händen, als wäre sie in ihr Gebet vertieft, als plötzlich ein Junge zu ihr geht, sich den Krug schnappt und mit bayrischem Dialekt auf sie einredet. Leicht verwirrt wendet sie sich ab, aber der Junge lässt nicht locker und erzählt seine Geschichte.

„Nimm sie doch mal in den Arm!“, folgt da plötzlich eine Anweisung von der Seite, die auch prompt umgesetzt wird. „Oder doch besser einhaken?“ Die Schüler, die am Rand sitzen, fangen an zu diskutieren, verschiedene Positionen werden ausprobiert, bis man sich einigen kann, und die Szene beginnt wieder von vorne.

Einflussreiche Handelsfamilie

Was da in der Pausenhalle des Gymnasium Petrinum Brilon passiert? Es wird fleißig geprobt für das anstehende Theaterstück der Oberstufen-Theater-AG: „Die Buddenbrooks“ steht in diesem Jahr auf dem Programm. Am 5. und am 7. Juni können die Zuschauer sich jeweils um 19.30 Uhr dieses Programm in der Aula des Schulzentrums ansehen.

Der Roman von Thomas Mann erschien bereits 1901 und erzählt von vier Generationen einer anfangs wohlhabenden Kaufmannsfamilie, deren Reichtum jedoch schließlich ein Ende findet. Beginnt der Roman noch in dem prunkvollen Haus der Familie, so gibt es die Firma der Familie am Ende des Romans nicht mehr. Auf den Verfall der Firma folgt jedoch auch der Verfall der Familienstruktur: Das Elternhaus der zuvor einflussreichen Handelsfamilie muss verkauft werden und der Verfall der Familie wird am Ende des Stücks durch den Tod des Johann symbolisiert.

Die Buddenbrooks ist vielen mit Sicherheit noch als Schullektüre bekannt – auch wenn der diesjährige Abiturjahrgang den Roman nicht mehr gelesen hat, gehörte er davor einige Jahre lang zur Obligatorik. 1976 fand man Buddenbrooks erstmals auch am Theater, 2005 erneut auf der Bühne des Thalia-Theaters in Hamburg. Thomas Mann selbst zählt zu den bedeutendsten Erzählern deutscher Sprache im 20. Jahrhundert und erhielt für sein Romandebüt „Die Buddenbrooks“ 1929 den Nobelpreis für Literatur.

Dem Theaterstück hat sich nun auch die Oberstufen-Theater-AG angenommen und übte im vergangenen Jahr das Stück ein. Wie in jedem Jahr werden in der Q1, dem elften Schuljahr also, zwei Kurse rund um Literatur angeboten: Neben einem regulären Literatur-Kurs auch ein Kurs, der wie jedes Jahr ein neues Theaterstück auf die Bühne bringt.

„Ich habe mich für die Theater-AG entschieden, weil es für mich eine neue Herausforderung ist“, erzählt Johanna Knievel (18), die in dem Theaterstück die Bankiersfrau Kesselmeyer spielt. „Man geht aus sich heraus und lernt etwas vollkommen Neues kennen.

Dabei hat man die Möglichkeit, einen ganz anderen Charakter zu spielen und in eine andere Welt einzutauchen, was ich echt spannend finde. Das macht mir am meisten Spaß am Spielen.“ Etwas rund ums Theater möchte auch Laura Prochnow (18), die während der Aufführung zu Gerda wird, später nicht machen, trotzdem macht ihr das Theaterspielen viel Spaß: „Ich finde, das Stück zeigt sehr gut die inneren Familiendramen“, erzählt sie. „Es ist interessant zu sehen, wie sehr der Ruin der Firma auch zum Verfall der Familie beiträgt – und es macht einfach Spaß zu schauspielern.“

Wer dabei zusehen möchte, wie die jungen Schauspieler in ihre Rollen schlüpfen, ist herzlich dazu eingeladen, das Theaterstück am 5. oder am 7. Juni selbst zu bewundern!