„Als Problemlöser untauglich“

Altkreis..  Nein, wir wollen niemandem zum Karneval das Feiern vermiesen. Und auch nicht der Abstinenz das Wort reden. Gegen ein Gläschen oder zwei hat wohl auch keiner etwas einzuwenden. Doch wenn der Partybesucher wegen Alkoholvergiftung im Krankenhaus landet, ist das schon mehr als nur ein harmloser Schwips. Das weiß auch Liliane Schafiyha-Canisius aus ihrer Berufspraxis. Sie leitet die Sucht- und Drogenberatung des Caritasverbandes Brilon.

Frage: Wie sind Ihre Erfahrungen in puncto Jugendliche und Alkohol? Laut Statistik ist die Gruppe der 15- bis 19-Jährigen eine besondere Risikogruppe. Können Sie das aus Sicht Ihrer Arbeit bestätigen?

Liliane Schafiyha-Canisius: Ja, viele beginnen im Alter von zwölf Jahren Alkohol zu trinken. Mit 15 Jahren haben sie schon reichlich Erfahrung und trinken oft schon regelmäßig zu viel. Das Problem ist, dass sich diese Jugendlichen noch in der Entwicklung befinden, in einer Phase, in der sich grundlegende Verhaltensweisen, Einstellungen und Fähigkeiten herausbilden. Wenn man in dieser Zeit beispielsweise lernt, unangenehme Gefühle mit Alkohol herunterzuspülen und zu betäuben, wird man später in diesen Situationen immer wieder Probleme haben und dazu neigen, auf das gewohnte Verhalten zurückzugreifen statt zu lernen, unangenehme Gefühle auszuhalten und sich mit Konflikten auseinanderzusetzen.

Alkohol ist und macht cool: Wie sollten Jugendliche reagieren, wenn in ihrem privaten Umfeld der Umgang mit Alkohol allzu salopp genommen wird?

Es ist wichtig, dass Jugendliche lernen, selbst zu entscheiden, ob und wie viel sie trinken wollen und sich gegenüber Gleichaltrigen, die zu viel trinken, abzugrenzen. Jugendliche wie Erwachsene in der Gruppe fordern sich gerne gegenseitig zum Mittrinken auf, gerade jetzt in der Karnevalszeit. Sonst in beruflichen oder familiären Zwängen gefangen, verheißen die närrischen Tage die lang herbeigesehnte Möglichkeit, einmal abzuschalten und den Alltag hinter sich zu lassen.

Geben Sie doch bitte mal ein paar Tipps zum maßvollen Umgang mit Alkohol!

Damit der Spaß beim Feiern auch zu vorgerückter Stunde erhalten bleibt, rate ich zu maßvollem Alkoholkonsum. Außerdem:

1.

Alkoholgetränke sind keine Durstlöscher, sie entziehen dem Körper Flüssigkeit!

2.

zwischendurch alkoholfreie Getränke zu sich nehmen und gut essen!

3.

Trinkrhythmus selbst bestimmen und immer wieder Nein sagen zu angebotenen Alkoholika, sich nie unter Druck setzen lassen!

4.

Alkohol nicht als Problemlöser einsetzen!

5.

Kein Fahren unter Alkoholeinwirkung!

6.

Kein kombinierter Konsum verschiedener Suchtmittel!

Ab wann spricht man von einer Alkohol-Sucht? Ist das schon das Fläschchen Bier nach der Arbeit?

Grundsätzlich erst einmal Nein. Man muss schon genau hinsehen, vor welchen Hintergrund der Alkohol eingesetzt wird. Wenn ich mich nach der Arbeit jedoch nur entspannen kann, wenn ich Alkohol trinke, deutet dies auf einen problematischen Umgang hin. Grundsätzlich spricht man von einer Sucht, wenn der Wunsch nach Alkoholkonsum so stark ist, so dass ich andere Interessen, soziale und familiäre Beziehungen sowie gesundheitliche Aspekte vernachlässige. Wenn ich immer mehr Alkohol vertrage, mehr trinke, als ich eigentlich wollte und ich unter Entzugssymptomen wie Zittern der Hände, starken Schweißausbrüchen, Angst, depressiven Stimmungen oder Schlafstörungen leide, kann dies ein deutlicher Hinweis auf eine Abhängigkeit sein.

Wie kann man seinen Alkoholkonsum überprüfen lassen? Kann man sich einfach an die Suchtberatung wenden?

Ja. Wenn die Einhaltung der Tipps anlässlich von Partys oder jahreszeitlichen Festen wie Karneval schwerfällt oder Sie Ihren Alkoholkonsum einfach überprüfen möchten, sprechen Sie uns an: Unter der Nummer 02961 3053 gibt die Suchtberatung des Caritasverbandes Brilon von montags bis freitags Auskunft und einen kurzfristigen Gesprächstermin, entweder in Brilon selbst oder in unseren Nebenstellen Meschede, Winterberg, Schmallenberg, Marsberg oder Eslohe.

Wir unterliegen der Schweigepflicht, das heißt: alles, was Sie oder auch Angehörige aus Ihrem Lebensbereich mitteilen, wird nicht weitergegeben.