Als Piloten noch Helden waren

Brilon..  Da greift der Chef selbst zur Kurbel. Olaf Biermann, Vorsitzender des LSV Brilon, hat ordentlich zu arbeiten, um den wuchtigen 7-Zylinder-Sternmotor des Focke-Wulf Fw 44 J Stieglitz zum Leben zu erwecken. Dann blubbert der Viertakter los und blauweißer Qualm nebelt den Starthelfer ein. An Bord des zweisitzigen Doppeldeckers: Pilot Ulrich Thüer (44) und Töchterchen Ella (8).

Der Ingenieur aus Hamm gehört dem Quax-Club Paderborn an, einem Verein, der sich dem Fliegen mit Oldtimern verschrieben hat. Sein Stieglitz war Pfingsten Blickfang beim Flugplatzfest im Thülener Bruch.

Eierlegende Wollmilchsau

Das 1932 in Serie gegangene Flugzeug sei eine „eierlegende Wollmilchsau“ sagt der Besitzer. War sie doch für Schulungs-, Reise- und Kunstflugeinsätze entwickelt worden. Von den rund 4500 bis Mitte der 40-er Jahre gebauten Focke-Wulfs seien weltweit nur noch 17 flugfähige Exemplare vorhanden, erzählt Ulrich Thüer.

1999 hat er seinen 1940 für die schwedische Luftwaffe produzierten Fw 44 J erworben. Der Stieglitz, schwärmt Thüer, liege „ausgesprochen elegant in der Luft“. Und: „Er lässt sich mit zwei Fingern fliegen.“ Und er bietet in einem kleinen Kofferraum Platz fürs Nötigste. Da mutet der 44-Jährige dem betagten Doppeldecker auch schon mal einen Trip bis England zu. Rund 50 Flugstunden absolviert der Stieglitz im Schnitt pro Jahr.

Was alles in dem Oldie steckt, das zeigte der 44-Jährige den Besuchern im Thülener Bruch. Rollen, Turns, die halbe kubanische 8 - und natürlich Loopings. Die findet Töchterchen Ella ganz besonders „cool“. Und auch LSV-Chef Olaf Biermann schaut zum Himmel und bewundert den Stieglitz, das Relikt aus einer Fliegerzeit, „als die Piloten noch Helden waren“.

Ganz andere Geschosse sind da zum Beispiel die düsengetriebenen Modellflugzeuge, mit denen die Bastler-Fraktion sich darstellt. Das mächtige „Warzenschwein“, ein Bodenkampfflugzeug der US-Luftwaffe, bringt um die 25 kg auf die Waage. Die stickgesteuerte Beweglichkeit der Jets erntet Staunen.

Und immer wieder heben Segel- und Motorflugzeuge ab. Rund 80 Rundflüge, so hört man, seien an dem Tag gebucht worden.

Mit auf dem Platz und im Programm traditionell auch die Fallschirmspringer aus dem Schmallenberger Raum.