„Als Königin braucht man ein ganzes Dorf“

14.30 Uhr: Kurze Info von Daniela: „Zuhause läuft alles, Kranz, Fahnenblock Schnittchen und Bierwagen sind schon da.“ Weitere hilfreiche Geister haben inzwischen Claudias Schuhe besorgt, so dass ihr Kleid abgesteckt werden kann. Es muss nur das Oberteil leicht geändert werden, sie kann also los zum Friseurtermin. Schwägerin Judith hat inzwischen ein Auto organisiert und chauffiert, sie hat extra den Frühschoppen deswegen ausfallen lasen. Unterwegs wieder die unvermeidliche Frage nach Claudias Befinden: „Immer noch sehr gespannt, aber auch total erleichtert, dass das mit dem Kleid so gut und schnell geklappt hat. Es ist außerdem ein schönes Gefühl, dass so viele Leute mitdenken und helfen, während alles auf einen einprasselt. Königin werden schafft man ohne ein ganzes Dorf nicht.“


16.25 Uhr:
Nach anderthalb Stunden ruhiger, konzentrierter Arbeit im Friseursalon und einem Pfund Haarspray sitzt alles perfekt. Also schnell nach Hause. Kurze Zwischenbilanz von Claudia, jetzt schon mit königlichem Haupt: „Ich kann das alles immer noch nicht glauben – wahrscheinlich begreife ich es erst, wenn der ganze Schützenzug vor dem Haus steht.“


17.15 Uhr:
Eigentlich ist in einer Viertelstunde Antreten geplant. Aber Schützen und Musiker feiern noch im Hof, die Kleider sind auch noch nicht alle da. Schützenkönig Werner ist tiefenentspannt. Er soll sich umziehen, hat aber die beste Ausrede überhaupt: „Ich brauch jetzt ein Jahr nix mehr machen, ich bin doch König.“ Auch Claudia ist gar nicht nervös und hat Zeit für ein Pläuschchen am Küchentisch.


17.30 Uhr:
Die Blumen und Claudias Kleid treffen ein. Werner verfällt beim Anblick seiner Königin in vollem Ornat in echte Sauerländer Ekstase: „Jau. Passt ja.“ Jetzt sind auch die letzten drei Kleider fertig und alle Hofdamen mit bester Laune eingetrudelt. Die gute Stube wird zum Frauenzimmer umfunktioniert. Silvia Lefarth schnürt, glättet und plustert Unterröcke auf. Jeder hilft jedem, schnell noch letzte Hand ans Make-Up gelegt und in die schicken Schuhe gestiegen. Per Liveschaltung abgeklärt, dass der Festzug noch nicht angetreten ist, also genug Zeit für eine ausgiebige Foto-Session. Claudia wirkt wie die Ruhe selbst. Mit so einem Hofstaat-Team im Rücken gibt es einfach kein Problem, das sich nicht lösen lässt.


18.25 Uhr:
Bumm. Bumm. Bumbumbumm – von weitem nähern sich die Hallenberger Stadtkapelle und die Schützen, der Adrenalinspiegel steigt in unermessliche Höhen. Vier Königsoffiziere kommen die Treppe herauf und geben letzte Anweisungen: „Wenn der Präsentiermarsch anfängt, geht Ihr raus und bleibt kurz unter dem Bogen stehen. Danach marschieren wir einmal rauf und einmal runter den ganzen Festzug ab. Keine Sorge, wir gehen neben Euch, Ihr seid nicht alleine.“ Und dann ertönt es, das Kommando vom Hauptmann - jetzt geht es endgültig raus ins Rampenlicht: „Stillgestanden! Zur Begrüßung unseres neuen Königspaares präsentiert das Gewehr!“ Die Musik setzt ein, die zahlreichen Zuschauer jubeln los. Noch ganz schnell zum allerletzten Mal die obligatorische Frage an Claudia, wie es ihr geht: „Gut. Jetzt geht es mir richtig, richtig gut!“