Akrobaten verbreiten in Brilon wunderbares Chaos

Auf der Bühne geben
Auf der Bühne geben
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Zehn Absolventen der staatlichen Artistenschule Berlin bieten im Kreishauspark eine Mischung aus Theater, Zirkus und Comedy. Ein gelungener Auftakt der Abendveranstaltungen bei Brilon Open Air.

Brilon..  Es ist ein einziges Chaos, das die zehn Absolventen der staatlichen Artistenschule Berlin da auf der Bühne im Kreishauspark verbreiten. Ein wunderbares Chaos, das zum Entdecken einlädt, gespickt mit vielen kleinen Details, die alle eine Rolle in der Akrobatik-Show einnehmen: die bunten alten Klamotten, die überall auf der Holzbühne verteilt liegen, mal kariert, mal einfarbig, aber immer extravagant; das kitschige schwarz-rote Sofa, umrahmt von altem Mobiliar, vollbepackten Kleiderständern und verblichenen Koffern.

Und so vieles mehr, das noch vor Showbeginn nach Aufmerksamkeit schreit. Allen voran ein altes Grammophon, das die Hauptrolle spielt und der Aufführung seinen Namen gibt: Grammophobia. Warum Phobie? Weil der historische Plattenspieler die Artisten auf Trab hält.

Abschlussprüfung vor zwei Wochen

Doch bevor Sebastian, Mario, Joschka, Anissa, Donial, Nico, Mia, Toan, Ferenc und Milu mit ihrer einmaligen Darbietung beginnen, verschwindet all das unter weißen Tüchern. Erst mit der knarzigen Musik des goldenen Grammophons erwachen Bühne und Artisten zum Leben.

Und dann beginnt – ja was eigentlich? Nur von einer Vorstellung zu sprechen wird der Sache nicht gerecht. Es ist Theater, ein Zirkus, es ist Show, Kunst, es ist Comedy. Es ist schlicht herrlich anzusehen, wie diese zehn jungen Frauen und Männer, die erst vor zwei Wochen ihre Abschlussprüfungen absolviert haben, dem Publikum so viele „Ahs“ und „Ohs“ entlocken, ebenso wie kleine Schreckensschreie und hörbares Luftanhalten.

Wenn zum Beispiel Sebastian erst den Chinesischen Mast leichtfüßig und -händig hinaufklettert, nur um ihn kopfüber – die Stange zwischen den Beiden, die Hände hinter dem Rücken – wieder hinunterzurutschen und erst kurz vor dem Boden zu stoppen. „Puh, das war aber knapp“, tönt es aus dem Publikum.

Varieté-Spektakel für Groß und Klein

Die Holzbänke im Kreishauspark sind zur Auftaktveranstaltung des Abendprogramms von Brilon Open Air gut gefüllt. Jung und Alt, Groß und Klein wollen sich das Varieté-Spektakel nicht entgehen lassen. Und so haften die Augenpaare eineinhalb Stunden auf den poetischen Szenen, die sich da vorne auf der Bühne abspielen, die nur auf den ersten Blick keiner Chronologie zu folgen scheinen.

Denn ebenso bunt wie das artistische Können und der beinah minütliche Kostümwechsel ist auch die Musikauswahl. Auf Run DMCs „It’s like that“ folgt Tschaikowskys „Schwanensee“ – das Grammphon gibt den Takt und damit auch die nächste Darbietung an: Mario und Joschka, die sich gegenseitig in die Höhe stemmen. Anissa, die sich sinnlich auf dem Sofa verrenkt. Donial, der sich in ausgeflippten Kostüme zur Musik bewegt oder weiße Bälle durch die Luft jongliert.

Toan, Ferenc und Milu – genannt die drei Funky Munkeys – die so schnell den Mast inmitten der Bühne auf und ab klettern, dass die Augen gar nicht hinterher kommen. Nico, der trotz seiner 1,90 Meter galant auf dem Schleppseil balanciert. Oder Mia, die sich nur an einem Band festhaltend akrobatisch durch die Lüfte bewegt. Ein Highlight folgt dem nächsten. Die Besucher freut’s, springen nach dem Schlussakt auf und verlangen nach mehr.