Ärger über Windkraft-Pläne in Hallenberg

Sonnenuntergang hinter Windrädern: So romantisch finden die Hallenberger und die Wunderthauser die Pläne der Gemeinde Bromskirchen nicht.
Sonnenuntergang hinter Windrädern: So romantisch finden die Hallenberger und die Wunderthauser die Pläne der Gemeinde Bromskirchen nicht.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die hessische Gemeinde Bromskirchen plant zwei Windparks mit rund zwölf Windrädern. Betroffen davon sind die Einwohner in Hallenberg und Wunderthausen, an deren Ortsgrenzen diese Windparks jeweils entstehen sollen. Dies sorgt für Zündstoff.

Hallenberg..  Die hessische Gemeinde Bromskirchen plant zwei Windparks mit rund zwölf Windrädern. Betroffen davon sind die Einwohner in Hallenberg und Wunderthausen, an deren Ortsgrenzen diese Windparks jeweils entstehen sollen. Gegen diese Vorhaben haben jetzt die Bürgermeister von Hallenberg und Bad Berleburg sowie der Ortsvorsteher Martin Schneider aus Wunderthausen jeweils offizielle Stellungnahmen in Bromskirchen eingereicht. Dort lief bis zum 9. Januar die öffentliche Auslegungsphase zur Änderung des Flächennutzungsplans, die der Bromskircher Gemeinderat bereits im Dezember 2013 beschlossen hatte (wir berichteten).

Bürgermeister Michael Kronauge sieht die touristische Ausrichtung von Hallenberg und das gesamte Landschaftsbild des südöstlichen Sauerlandes und der Medebacher Bucht bedroht.

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Vor allem das Ski- und Wandergebiet „Pastorenwiese“ werde durch beide Windpark-Standorte beeinträchtigt. Auf dem Hallenberger Neujahrsempfang und auch im Gespräch mit der WP äußerte er sein Unverständnis darüber, dass die Natur- und Artenschutzrichtlinien, wegen der in Hallenberg die Ausweisung von Vorrangzonen vom Rat abgelehnt worden war, nur wenige hundert Meter hinter der westfälischen Grenze anders ausgelegt würden.

Sehr ungehalten über die Bromskircher Pläne zeigte sich Wunderthausens Ortsvorsteher Martin Schneider. Die Wunderthauser seien durch die fünf in 1996 von Bromskirchen errichteten, rund 100 Meter hohen Windräder schon belastet, jetzt sollen diese durch fünf 220 Meter hohe Anlagen ersetzt werden. Darauf habe er mit einer detaillierten, siebenseitigen Stellungnahme reagiert.

Wunderthausen ist verärgert

Schneider kritisierte auf Anfrage der WP vor allem das Verhalten von Bromskirchens Bürgermeister Karl-Friedrich Frese. Dieser wisse, dass die überwiegende Mehrheit der Wunderthauser gegen den Windpark West sei, gehe aber nicht auf deren Argumente ein. Es heiße zwar immer wieder beschwichtigend, dass der Bau nicht sehr realistisch sei, aber dennoch würden die Pläne hierfür von Frese und dem Investor weiter verfolgt. Und das, obwohl der Regionalplan Kassel an dieser Stelle keine Vorrangzone eingeplant habe. Über die Änderung des Flächennutzungsplanes sei Schneider zudem nicht informiert worden: „Ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis sieht anders aus.“

Ob und inwiefern die gestern bekannt gewordene Landrats-Kandidatur von Bromskirchens Bürgermeister Karl-Friedrich Frese (siehe Artikel unten) Auswirkungen auf die Windkraft-Planungen haben könnten, vermochte Schneider im WP-Gespräch nicht einzuschätzen.

Hotel Trambach massiv betroffen

Am stärksten betroffen von gleich beiden Windparks wird der Hof Trambach sein, ein Hallenberger Aussiedlerhof in der Nähe der Pastorenwiese genau an der Grenze zu Hessen und Wittgenstein. Martin und Marion Spies betreiben dort als Vollerwerbslandwirte einen Ferien-Bauernhof, der auf Gesundheitstourismus setzt. Marion Spies ist zertifizierte Bauernhofpädagogin und Verhaltenstrainerin für Gäste vor allem mit geistigen Handicaps. Der Windkraft Ost wäre gerade einmal 600 Meter Luftlinie vom Hof direkt auf dem gegenüberliegenden Berg angesiedelt, der Windpark West über Wunderthausen befände sich rund einen Kilometer entfernt.

In ihrer Stellungnahme an die Gemeinde Bromskirchen schreibt die Familie Spies: „Unser Kapital ist diese einmalige Lage unseres Hofes in unberührter Natur mit der herrlichen Aussicht auf die hessische Bergwelt und das Rothaargebirge. Entspannung und Erholung in unmittelbarer Nachbarschaft von über 200 Meter hohen Windrädern ist unmöglich, geradezu ein Hohn!“ Außerdem sei es moralisch verwerflich, Windkraftanlagen an Stellen zu errichten, an denen die Gemeinde Bromskirchen die Vorteile ausschöpfe, jedoch die Bewohner der Nachbargemeinden mit den Nachteilen leben müssten.