ABB plant in Brilon massiven Stellenabbau

2010 zog die ABB aus dem Bremecketal in das neue Werk in der Keffelke.
2010 zog die ABB aus dem Bremecketal in das neue Werk in der Keffelke.
Foto: WP
Was wir bereits wissen
Nach unbestätigten Informationen sollen bei ABB Trafo in Brilon bis zu 60 Arbeitsplätze gestrichen werden. Teile der Produktion sollen nach Polen verlagert werden.

Brilon.. Bei der ABB Trafo in Brilon bahnt sich ein umfangreicher Arbeitsplatzabbau an. Rund 60 der derzeit etwa 185 Stellen sollen nach Informationen der Westfalenpost gestrichen werden. Diese Zahl wollte die ABB Zentrale in Mannheim gestern jedoch nicht bestätigen.

Auf Anfrage teilte die Holding lediglich mit, dass an den Standorten Brilon, in Spanien und in der Schweiz insgesamt „100 bis 120 Arbeitsplätze“ abgebaut würden. Dabei seien die Beschäftigten in Brilon „voraussichtlich wesentlich von der Neuausrichtung betroffen“.

Belegschaft über Konzernpläne informiert

Die Geschäftsführung des Briloner Werkes habe ihn über die bevorstehenden Maßnahmen informiert, sagte Bürgermeister Dr. Christof Bartsch: „Wir werden sicherlich helfen, wo wir nur können.“ Zunächst allerdings könne man die betriebswirtschaftliche Entscheidung lediglich zur Kenntnis nehmen.

Das geht dem Betriebsrat in der Keffelke und der IG Metall in Olsberg nicht anders. In einer Mitarbeiterversammlung hat die Werksleitung die Belegschaft über die Konzernpläne informiert.

„Globale Überkapazitäten und Preisverfall“

Bereits seit anderthalb bis zwei Jahren, so ABB-Pressesprecherin Beate Höger (Mannheim) auf Anfrage der WP, habe sich der Markt für Trockentransformatoren aufgrund der „globalen Überkapazität“ sowie des damit verbundenen enormen Preisverfalls „stark verändert“. Zudem wirke sich der niedrige Ölpreis negativ auf die Investitionstätigkeit in dem für den Trockentransformatoren-Bereich wichtigen Markt der Öl- und Gasindustrie sowie dem Marine-Bereich aus.

Beate Höger: „Um die Wettbewerbsfähigkeit des ABB-Standortes Brilon in diesen Marktsegmenten langfristig zu gewährleisten, sind strukturelle Maßnahmen und eine damit verbundene Verlagerung der Produktkapazität an den ABB-Standort in Polen unumgänglich.“ In Lodz hatte ABB im Jahr 2012 für rund 30 Millionen Dollar das bestehende Werk um die Fertigung von Transformatoren-Komponenten erweitert.

„Klare Zukunftsperspektiven“

Nach der ersten Mitarbeiterinformation folgen nur Gespräche zwischen Betriebsrat und Unternehmensleitung über einen Sozialplan und den internen Interessenausgleich. Beate Höger: „Umsetzungen, Versetzungen, Neuorientierungen und Neuqualifizierungen haben daher grundsätzlich höchste Priorität.“ Durch die Umstrukturierung soll der Standort Brilon „klare Zukunftsperspektiven“ erhalten. So sollen Kundenbetreuung, Entwicklung, Konstruktion, Montage sowie die Endprüfung „nach wie vor in Brilon“ stattfinden. Dazu soll die Zulieferung von Lodz ausgebaut werden.

Brilon gilt im Bereich Trockentransformatoren als das weltweite Kompetenzzentrum der ABB. Die sog. Resibloc-Trafos wurden hier vor gut 40 Jahren entwickelt. Zwischen 800 und 1200 Resibloc-Einheiten werden in Brilon pro Jahr gefertigt.

Resibloc-Trafos made in Brilon

72 Resibloc-Trafos made in Brilon befinden sich z.B. im 155. Stock des 828 m hohen Burj Khalifa in Dubai, dem höchsten Gebäude der Welt. In dem Turm, der einen Stromverbrauch wie eine Kleinstadt hat, sorgen sie u.a. für den verlässlichen Betrieb der 54 Aufzüge, der Beleuchtung, der Heizung und der Klimatisierung.