34 Jahre Kirche im Dorf ein Gesicht gegeben

Züschen..  In Züschen gibt es kaum jemanden, der nicht eine besondere Erinnerung an Pastor Johannes Schwarte hat. Über 34 Jahre verkörperte er dort das Gesicht der katholischen Kirche. Am 26. Mai begeht der beliebte Pastor sein 60-jähriges Priesterjubiläum und hat der WP ein Interview gegeben - sein erstes!

Frage: Vor 60 Jahren sind Sie zum Priester geweiht worden. War dieser Schritt für einen jungen Mann damals einfacher als heute?

Johannes Schwarte: Es war nicht einfacher, wohl anders. Ich gehöre ja noch der „verführten Generation“ des 2. Weltkrieges an und wurde 1944 als Luftwaffenhelfer eingezogen. In meiner Jugend war ich begeisterter Fußballer und hatte nach dem Krieg eine Maurerlehre begonnen. Wie alle meine Altersgenossen musste ich mich nach dem Zusammenbruch neu orientieren und den Weg für unser Leben finden. Meine ältere Schwester hat mir ermöglicht, das Abitur zu machen. Erst in dieser Zeit haben Priester, denen ich begegnet bin, und der Neuaufbau der kirchlichen Jugendarbeit meine Entscheidung für die Kirche geprägt, so dass ich 1950 ins Leokonvikt in Paderborn eingetreten bin.

Haben Sie diese Entscheidung manchmal für sich persönlich in Frage gestellt?

Es gab Durststrecken auf meinem Weg durch diese 60 Jahre. Aber die gibt es in jedem Menschenleben. Meine freie und persönliche Entscheidung für den Weg des Priesters habe ich jedoch nie in Frage gestellt. Der Psalm 23, in dem es im vierten und fünften Vers heißt: „Muss ich auch wandern in finstrer Schlucht, ich fürchte kein Unheil, denn Du bist bei mir“ hilft mir bis heute immer wieder über Zweifel hinweg.

Welche besonderen Erlebnisse sind Ihnen in Erinnerung geblieben?

Das Jubiläumsjahr „750 Jahre Züschen“ in 1993. Und der Tod von Menschen, die mich auf meinem Weg mitgetragen und mir viel bedeutet haben, aber auch von vielen in meiner Gemeinde.

60 Jahre Priester sein bedeutet auch, 60 Mal zu immer wiederkehrenden Anlässen predigen und für die Gemeinde spannend bleiben.

Der Dienst am Wort ist mir nie leicht gefallen, dafür habe ich intensive Vorbereitung benötigt. Doch das Urteil überlasse ich meiner Gemeinde. Wenn ich Pastor Tausch im Dankgottesdienst am vergangenen Sonntag glauben kann, sind meine Predigten in den 60 Jahren nicht ganz so schlimm gewesen.

Ihre Priesterweihe lag noch vor dem 2. Vatikanischen Konzil. Was sind aus Ihrer persönlichen Sicht die einschneidendsten Veränderungen seitdem?

Für mich war es sehr wichtig, das Brevier- oder Stundengebet und die Liturgie nicht mehr auf Latein, sondern in meiner Muttersprache Deutsch beten bzw. feiern zu dürfen. Das war wie ein Gefühl von Freiheit, auch wenn andererseits ein Hochamt auf Latein etwas Festliches hatte. In dieser Zeit habe ich in Züschen auch angefangen, Kindermessen zu feiern, auch in der Grundschule. Eine weitere positive Erfahrung war für mich, dass die Gemeinde Mitverantwortung, z.B. durch Pfarrgemeinderäte, bekam und mit mir den nicht immer leichten Weg von der „versorgten zur mitsorgenden“ Gemeinde ging. Auf Bitten der Züschener konnte ich bei Pastor Reker in Hallenberg somit erreichen, dass auf dem Muttergottestag die Kommunion auf dem Unterkirchen-Platz empfangen werden konnte, das ging bis dahin nur in der Kirche.

Der Stellenwert der katholischen Kirche ist für die Gläubigen in den letzten 60 Jahren stärker gesunken als wahrscheinlich hunderte Jahre vorher. Woran liegt das?

Für uns alten Priester ist heute so manches schmerzlich. In der Geschichte der Kirche gab es schon dunklere Zeiten. Jesus Christus ist das Haupt seiner Kirche. Es hat immer Frauen und Männer mit verschiedenen Gnadengaben gegeben, die die Kirche erneuert haben.

Sollte die Kirche ihre oft kritisierte Haltung gegenüber dem Zölibat, wieder verheirateten Geschiedenen und anderen Lebensgemeinschaften ändern?

Zu diesen Punkten wird aktuell so viel gesagt, dazu möchte ich mich nicht äußern. Aber ich denke, dass manche Gläubigen hart geprüft werden und sich ihre Entscheidungen nicht leicht machen. Und ich vertraue darauf, dass Gott ihnen deshalb sicher gnädig sein wird.

Was wünschen Sie sich für die Kirche in den nächsten 60 Jahren?

Dass Jesus Christus seiner Kirche auch weiterhin Frauen und Männer schenkt, die ernst machen mit seiner Nachfolge.